3. Bremer Symposium zur Sicherheit

 

Afrika und Europa –

Appell für eine gemeinsame kulturelle und wirtschaftliche Potentialentfaltung

Von Asfa-­Wossen Asserate
Prinz Dr. Asfa-Wossen Asserate - Foto: Aranka Szabó

Afrika ist die Urheimat von uns allen. Die Wissenschaft ist heute überzeugt: In der ostafrikanischen Savanne ist der Ausgangspunkt für unsere Menschwerdung zu finden. Homo Sapiens entwickelte sich In Ostafrika. Darauf lassen vor allem prähistorische Funde schließen, die auf dem Gebiet meines Heimatlandes Äthiopien entdeckt wurden. In Afrika schlossen sich unsere Vorfahren zuerst zu Gruppen von Jägern und Sammlern zusammen. Hier bildeten sie die ersten Stämme und Gemeinschaften. Hier lernten wir Menschen Werkzeuge herzustellen und zu benutzen und das Feuer zu bändigen. Hier entwickelten wir die ersten Sprachen, begannen Tiere zu züchten, Pflanzen anzubauen und errichteten Städte, Staaten und Reiche. Von Ostafrika aus verbreiteten wir Menschen uns zuerst über den gesamten afrikanischen Kontinent und schließlich über die ganze Welt. Historisch gesehen bilden wir Menschen alle zusammen eine einzige große Familie mit afrikanischen Wurzeln.

Im Laufe der Zeit passten wir Menschen uns den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen in den verschiedenen Regionen der Erde an und wir entwickelten regionale Eigenheiten. Hauptmotor der unglaublich raschen kulturellen Evolution der Menschheit aber war und ist der fortwährende Austausch und Dialog zwischen den sich unterschiedlich entwickelnden Gesellschaften. Manche Sozialwissenschaftler gehen sogar soweit, unsere Spezies nicht als ‚Homo Sapiens’, sondern als ‚Homo Migrans’ zu bezeichnen. Denn die Begegnung unterschiedlicher Kulturen, durch verschiedentlich motivierte Wanderungen Einzelner oder ganzer Gruppen, ihr Austausch untereinander, ist das entscheidende Merkmal der kulturellen Entwicklung der Menschheit. Das gilt für alle Zeiten und gilt besonders für die rasanten Entwicklungen in unserer Zeit, die ohne die neuen Formen der schnellen, weltweiten Kommunikation nicht denkbar wären.

Die frühen Gesellschaften Afrikas ähnelten den Gesellschaften anderer Kontinente. Sie nahmen über Handel und Austausch, aber auch über Kriege, Einfluss auf andere Kulturen und wurden ebenso von anderen beeinflusst. Phönizier, Griechen Römer und Byzantiner unterhielten genauso Beziehungen zu den Menschen auf dem afrikanischen Kontinent, wie Araber, Inder und Chinesen. In vielen historischen Quellen etwa wird das Königreich von Aksum erwähnt, aus dem das äthiopische Kaiserreich hervorging. Einen regen Austausch mit fast allen Regionen der Erde gab es aber nachweislich an vielen Orten Afrikas, vor allem an den Küstenregionen.

Mit dem Beginn der Neuzeit verdichtete sich der Kontakt europäischer Seemächte zu den Küstenregionen Afrikas. Anfangs gründeten die Europäer Handelsniederlassungen auf ihrer Suche nach einem Seeweg nach Indien. Diese Handelsniederlassungen entwickelten sich später zu strategischen Stützpunkten des transatlantischen Sklavenhandels. Der Menschenhandel florierte als lukratives Geschäft für Europäer, Araber und auch manche Afrikaner. Für den afrikanischen Kontinent als Ganzes bedeutete er Niedergang und Elend.

Im 19. Jahrhundert fand die Kolonisierung Afrikas schließlich ihren Höhepunkt. „Im Namen des Allmächtigen Gottes“ – so ist die General-Akte der sogenannten Berliner Kongo-Konferenz von 1884 überschrieben -teilten die europäischen Imperialmächte den afrikanischen Kontinent kurzerhand in koloniale Interessensphären auf. Die reichen Rohstoffvorkommen Afrikas wurden rücksichtslos ausgebeutet, jeder Widerstand der einheimischen Bevölkerung wurde gebrochen, auch mit grausamen Massakern. Das eigene kulturelle Erbe der Afrikaner wurde nicht mehr wahrgenommen.

Das koloniale Erbe durchdringt in Afrika bis heute alle Lebensformen. Die Kolonialmächte raubten nicht nur die Bodenschätze des Kontinents, sie enteigneten vielfach auch in den Afrikanern das Bewusstsein für ihre eigene Geschichte und kulturelle Identität.

Vor allem die Sprachpolitik hat für die nationale Entwicklung und die kulturelle Kommunikation grundlegende Bedeutung. In den meisten Staaten südlich der Sahara sind die früheren Kolonialsprachen bis heute die offiziellen Landessprachen geblieben: Französisch ist die Amtssprache in 22 Ländern, Englisch in 18, Portugiesisch in 5 Ländern. Eine afrikanische Sprache ist nur in 6 der 55 Länder Afrikas Amtssprache.

Als die europäischen Kolonialherren ihre Bastionen in Afrika räumten, hinterließen sie zentralistische, kaum funktionsfähige Staaten. Dies war kein leichtes Erbe, für die jungen Nationen. Trotzdem fegte ein ’Wind des Wandels und der Hoffnung’ durch den Kontinent, als in den 60er Jahren viele Staaten in die Unabhängigkeit aufbrachen. Tatsache ist jedoch, dass ein halbes Jahrhundert nach der Unabhängigkeit der meisten afrikanischen Staaten, sich eine neue Generation von Afrikanern überall auf dem Kontinent die Frage stellt, ob ihre jetzigen staatlichen Repräsentanten wirklich m so viel besser seien, als ihre kolonialen Vorgänger? Was ist schief gelaufen?

Über Nacht nahmen unerfahrene Männer die Ämter der Kolonialherren ein. Mancher war mit 25 Jahren plötzlich Polizeidirektor, Notenbankchef, Gouverneur oder Offizier. Die neuen Eliten machten in der Regel genau dort weiter, wo die Kolonialherren aufgehört hatten: Sie übernahmen ihre Positionen und Privilegien, die Schreibtische und Swimmingpools und die Form der Dienerschaft. Vor allem übernahmen die neuen Herrscher die Grundzüge der Raubwirtschaft aus der Kolonialzeit. Widerstand im Volk wurde nach dem Muster der Kolonialherren mit brutaler Gewalt unterdrückt. Diktaturen entstanden. Begünstigt wurde das alles durch den Kalten Krieg zwischen Ost und West.

Die größten Schurken wurden hofiert, solange sie die richtige Seite unterstützen und es verstanden, ihre Macht zu sichern. Es sind Hurensöhne, aber er sind unsere Hurensöhne“, der amerikanische Außenminister Henry Kissinger wiederholte gerne den berühmten Ausspruch Franklin Delano Roosevelts, wenn die Sprache auf Amerikas verbündete in Afrika kam. Genauso hätschelten die europäischen Verbündeten, und auch die andere, die kommunistische Seite ihre Staatsverbrecher in Afrika mit Geld und Waffen.

In Afrika ist man heute sensibilisiert für die Widersprüche in den Forderungen des Westens nach Demokratisierung und gleichzeitiger Unterstützung von korrupten Diktatoren, wenn es den eigenen Zwecken dient.

Gegenwärtig wird Afrika wieder einmal neu entdeckt. Der Kontinent erlebt eine geostrategische Renaissance, dank seiner gigantischen Rohstoffvorkommen und dem wachsenden Rohstoffhunger der Industrienationen. Das Auftreten Chinas und anderer Schwellenländer wie Indien, hat aus afrikanischer Sicht dabei viele positive Seiten. Die Konkurrenz belebt das Geschäft. Die Preise für Rohstoffe steigen. Und nicht nur das: Die Entwicklungsländer emanzipieren sich von den alten Kolonialmächten, indem sie auf einmal die Möglichkeit erhalten, auch mit anderen Ländern zu verhandeln. Andererseits waren bis vor kurzem die meisten Afrikaner überzeugt, dass Demokratisierung nach westlichem Vorbild auch der Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg ist. Heute beginnen mehr und mehr afrikanische Politiker mit dem politischen Modell Chinas zu liebäugeln, dessen wirtschaftlicher Aufstieg vom armen Entwicklungsland zu einer der führenden Wirtschaftsmächte mit totalitären politischen Strukturen, ein verlockendes Vorbild für manche Staatschefs in Afrika ist.

Die Chinesen kommen nicht als Wohltäter nach Afrika. Sie präsentieren ihre Rechnung in Form von langfristigen Verträgen für die Ausbeutung von Rohstoffen. Nach dem Prinzip ‚keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates’ buhlen Sie dabei sehr erfolgreich um die Ressourcen afrikanischer Diktatoren. Doch die Europäer sollten sich davor hüten, angesichts der Konkurrenz durch China, demokratische Standards in Afrika wieder zu verraten. Sie würden ihre letzte Glaubwürdigkeit verlieren.

Die Europäische Union muss, um glaubwürdig zu bleiben, ihre Wirtschafts-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik mit Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit in Einklang bringen. Dies halte ich nicht nur für moralisch unabdingbar, sondern auch realpolitisch für zwingend erforderlich. Europa muss an einer nachhaltigen Entwicklung seines Nachbarkontinents interessiert sein, allein schon, um die immer schneller wachsenden Flüchtlingsströme aus Afrika einzudämmen. Wenn wir es nicht schaffen, für die Menschen in Afrika lebenswürdige Verhältnisse zu generieren, werden sie weiter an unsere Grenzen drängen und das in immer größeren Zahlen.

„In Afrika ist der Ausweg aus den Verirrungen unserer Zeit zu suchen“, formulierte der Urwalddoktor Albert Schweitzer schon im Dezember 1954 in einem Brief an Albert Einstein. Man kann diesen Satz auf vielfältige Weise interpretieren. Ich sehe die hauptsächliche Verirrung unserer Zeit in der globalen ökonomischen Gier. Ich glaube es ist unsere größte Aufgabe im 21. Jahrhundert, die Forderungen des Marktes wieder mit der Menschlichkeit zu versöhnen.

Es ist unbestritten, dass Europa und die USA in den letzten 50 Jahren viel getan haben, um Afrika unter die Arme zu greifen. Das größte Geschenk aber, das sie Afrika in Zukunft machen können, wäre ihre Appeasement-Politik gegenüber afrikanischen Gewaltherrschern endlich zu beenden. Die Politik der Zugeständnisse, der Zurückhaltung, der Beschwichtigung und des Entgegenkommens gegenüber afrikanischen Diktatoren, die ihre eignen Völker skrupellos ausbeuten und unterdrücken, darf nicht weiter fortgeführt werden. Weitere Hilfen und Unterstützung für afrikanische Länder müssen einhergehen mit der Forderung nach guter Regierungsführung. Falsche Toleranz sehe ich in diesem Fall als eine neue, pervertierte Form von Rassismus an. Nachdem Moto: die Afrikaner sind noch nicht so weit für Demokratie und Menschenrechte!

Oder: „Wir haben in Europa 500 Jahre gebraucht um das System der Rechtsstaatlichkeit zu etablieren. Afrika kann das nicht in 50 Jahren leisten“. Wer so argumentiert, übersieht etwas Grundsätzliches: Menschenrechte sind keine Erfindung der Europäer. Werte wie Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit, traten nicht erst mit der französischen Revolution ins Bewusstsein der Menschheit. Es handelt sich hier um universale Werte, die durchaus auch schon in den vorkolonialen Gesellschaften Afrikas zu finden sind.

Das Wort Palaver etwa ist in Europa meist negativ besetzt. In afrikanischen Kulturen aber bedeutet es, dass sich streitende Parteien mit den Dorfältesten zusammensetzen und palavern, bis ein Konsensus gefunden wird. Auch Werte wie Gemeinschaft und Gemeinwohl sind in Afrika tief verwurzelt. Es mag sein, dass manches davon während der Kolonialzeit verkümmert ist, aber Menschlichkeit und ein Sinn für Recht und Gerechtigkeit sind universale Werte, auf die auch jeder Afrikaner Anrecht hat.

Man muss die afrikanischen Staats- und Regierungschefs auf ihre eigene Erklärung festnageln. Im Jahr 2013 unterzeichneten die Vertreter aller afrikanischen Staaten anlässlich der Feier zum 50- jährigen Bestehen der afrikanischen Union die Agenda 2063. Sie ist das politische Testament der afrikanischen Politiker für die Zukunft ihres Kontinents. Die Agenda 2063 ist sowohl eine Vision als auch ein Aktionsplan, der 2013 von allen afrikanischen Staaten gemeinsam verabschiedet wurde. Es ist ein Handlungsaufruf für alle Segmente der afrikanischen Gesellschaft, um zusammen ein wohlhabendes und vereintes Afrika auf der Grundlage gemeinsamer Werte aufzubauen.

Darauf muss Europas Afrikapolitik in Zukunft basieren: Regierungen, die sich den Werten und der Visionen der Agenda 2063 widersetzen, dürfen keine Partner für das demokratische Europa sein. Grundsätzlich sehe ich die Herausforderung des 21. Jahrhunderts für uns alle darin, die mannigfaltigen Traditionen Afrikas mit den Errungenschaften der europäischen Aufklärung zu versöhnen.

Bei all den Diskussionen darum, wie man Afrika am besten helfen kann, darf eines nicht vergessen werden: Wirtschaftswachstum muss einhergehen mit politischer Entwicklung und Partizipation der Bevölkerung. Regierungen, die das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit missachten und die Menschenrechte mit Füßen treten, verdienen keine Unterstützung.

Rechtsstaatlichkeit und vor allem Rechtssicherheit sind auch Grundvoraussetzung um die Wege für potenzielle Investoren nach Afrika zu ebnen. Die beste Entwicklungshilfe sind in meinen Augen gute Wirtschaftsbeziehungen. Sie müssen allerdings auf Augenhöhe stattfinden. Viel wäre schon gewonnen, wenn Deutschland und die anderen Nationen Europas ihren Firmen, die in Afrika investieren wollen, bessere Sicherheiten gewährten. Bisher sind deutsche Firmen in Afrika im Vergleich zu anderen Ländern stark unterrepräsentiert. Berlin sollte darum seinen Etat für Hermesbürgschaften für mittelständische Unternehmen, die in Afrika investieren wollen, großzügig aufstocken – und die Investitionsgarantien dabei strikt and das Kriterium der Nachhaltigkeit knüpfen.

Vielleicht gelingt es sogar, einen Internationalen Rechnungshof für Entwicklungshilfe ins Leben zu rufen, der die Wirksamkeit von Entwicklungspolitischen Projekten auf den Prüfstand stellt, wie es der langjährige Diplomat Volker Seitz mehrmals vorgeschlagen hat. Das wäre aus meiner Sicht ein sinnvoller Schritt zur Entwicklung Afrikas.

Eine andere Voraussetzung für gelingende Wirtschaftsbeziehungen sind offene Märkte – auf beiden Seiten. "Wenn wir den europäischen Markt nicht für Afrika öffnen, kommen nicht die Waren zu uns, aber die Menschen", sagte der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit Gerd Müller kürzlich in einem Interview. Auch er legt den Fokus der Entwicklungshilfe verstärkt auf wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Afrika. Er betont aber meiner Meinung nach zu Recht: „Das kann Deutschland nicht alleine schaffen. Die Stärkung der afrikanischen Wirtschaft ist eine gesamteuropäische Aufgabe“.

Wenn Afrika eine Zukunft haben soll, muss Europa von seiner bisherigen, desaströsen Wirtschafts- und Handelspolitik Abschied nehmen. Europa muss damit aufhören, seine Agrarindustrie auf Kosten der Entwicklungsländer zu subventionieren. Die Einfuhr von Dumpingprodukten muss gestoppt werden, die den örtlichen Bauern und kleinen Produzenten das Wasser abgraben.

Afrika braucht Hilfe zur Entwicklung, die nachhaltig ist und auf Eigeninitiative setzt. Dabei spielt die Förderung der kleinen Leute durch Mikrokredite eine zentrale Rolle. Denn schon kleine Summen reichen oft aus, damit sich die Menschen eine eigene Einkommensquelle erschließen können. Vor allem gilt es die Frauen zu fördern – sie sind der Schlüssel zu Afrikas Zukunft. Vor allem in den Bereichen Gesundheit und Erziehung kommt es besonders auf die Frauen an. Und je länger die Mädchen in die Schule gehen, desto niedriger ist später die Zahl ihrer Kinder.

Wie wir alle wissen, ist die Bevölkerungsexplosion gegenwärtig das schwerwiegendste Problem Afrikas. Prognosen der UNO zu Folge, wird sich die Bevölkerung Afrikas bis 2050 verdoppeln, auf dann über zwei Milliarden Menschen. Wenn Afrika das Problem der Bevölkerungsentwicklung in den Griff bekommen will, muss es auf die Frauen setzen.

Afrika ist für Europa eine riesige Herausforderung. Wenn man die Migration eindämmen will, muss man die Lebensverhältnisse der Menschen vor Ort verbessern. Ein Afrika ohne Hunger ist durchaus möglich. Wir wissen jedoch, um dieses Ziel zu erreichen, werden enorme Investitionen nötig sein, beispielsweise in die Infrastruktur und in die Energiewirtschaft. Über allem aber steht die Schaffung von Arbeitsplätzen für die junge Bevölkerung in Afrika, die 85 % der 1,2 Milliarden Menschen umfasst. In einigen Ländern südlich der Sahara beträgt die Jugendarbeitslosigkeit fast 60%. Um die Fluchtursachen in Afrika zu bekämpfen, müssen wir dafür Sorge tragen, dass in den nächsten zehn Jahren jährlich 20 Millionen neue Arbeitsplätze in Afrika geschaffen werden. Nur wenn es uns gelingt, die perspektivlose afrikanische Jugend in Brot und Arbeit zu bringen, können wir sie davon überzeugen, in ihren Heimatländern zu bleiben.

Deutschland kann dazu einen großen Beitrag leisten, indem es sein weltweit einmaliges Modell des dualen Ausbildungssystems nach Afrika exportiert. In den afrikanischen Gesellschaften genießt das Handwerk heute keine große Wertschätzung mehr. Die jungen Menschen drängen in die Universitäten. In den meisten afrikanischen Ländern sind in den letzten zehn Jahren hunderte neuer Hochschulen entstanden, die zehntausende junge Menschen mit einem Universitätsabschluss auf den Markt werfen. Aber in den meisten Ländern gelingt es nicht einmal 5% von ihnen eine angemessene Stellung zu finden. Auf der anderen Seite ist es dort sehr schwer einen Maurer zu finden, der eine gerade Wand hochziehen kann, oder einen fähigen Schreiner, Klempner oder Elektriker. Eine enge Kooperation mit den deutschen Handwerkskammern könnte hier eine wirksame Unterstützung sein.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, niemand von außen – nicht Amerika, nicht Europa und auch nicht China – wird Afrika „retten“ können. Das kann Afrika nur selbst, wenn seine Menschen wieder Zuversicht und den Glauben an die eigene Stärke gewinnen. Erst dann wird der Exodus der Talente aus Afrika ein Ende finden. Die Afrikaner müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Europa kann und sollte ihnen dabei helfen, damit aus dem ausblutenden Kontinent Afrika ein Kontinent der Zukunft wird.

Lassen Sie uns, als eine Menschheitsfamilie, in diese Zukunft Afrikas blicken, mit im gemeinsamen Dialog definierten und verfestigten Werten und im Bewusstsein, dass in Afrika unsere gemeinsamen Wurzeln zu finden sind.

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