Wir erinnern

 

Das Ende des Ceausescu-Regimes

Von Peter E. Uhde
Ceausescu 1988 auf Staatsbesuch bei Erich Honecker - Foto: Rainer Mittelstädt - Wikipedia/Bundesarchiv Bild 183-1988-1117-026 - Lizenz: CC BY-SA 3.0 de

Am ersten Weihnachtstag 1989 verbreiteten Rumäniens Rundfunk und Fernsehen die Meldung, dass nach einem Militärgerichtsverfahren das Ehepaar Nicolae und Elena Ceausescu hingerichtet wurde. Nach der Nachricht spielte Radio Bukarest das Revolutionslied von 1848 „Erwache Rumäne, aus deinem Todesschlaf“.

Der Zusammenbruch war abzusehen

An diesem 25. Dezember endete das Leben eines Diktators, wie es wohl kaum einen Zweiten in der Ära nach Josef W. Stalin, gestorben 1953, im Ostblock gegeben hatte. Als Ceausescu 1965 an die Macht kam, seit 1974 war er Staatspräsident, schlug ihm noch die Sympathie der Bevölkerung entgegen. Im Laufe der Jahre wurde sie aber immer geringer, weil er das Land in den politischen und wirtschaftlichen Ruin führte. Der eigenständige Nationalismus gegenüber der Sowjetunion – Rumänien war zum Beispiel nicht Mitglied des Militärbündnisses Warschauer Pakt – täuschte nur über die großen politischen Probleme hinweg.

Während sich ab Mitte der achtziger Jahre in anderen kommunistischen Ländern politische Veränderungen andeuteten, hielt der rumänische Diktator mit Gewalt am hergebrachten Zwangs- und Unterdrückungssystem fest. Er und seine Vasallen glaubten, durch die Partei, die Armee und die gefürchtete Geheimpolizei (Securitate), die Bevölkerung im Griff zu haben und jede Widerstandsbewegung im Keim unterdrücken zu können. Die Sprengkraft und Auswirkungen in den Ostblock des Berliner Mauerfalls am 9. November 1989 wurden auch in Rumänien unterschätzt.

Mit Gewalt gegen das eigene Volk

In Temesvar (Timisoara), einer Stadt im Westen des Landes, gab es die evangelische Gemeinde des aus Ungarn stammenden regimekritischen Pfarrers Laszlo Toekes. Aufgrund seiner Renitenz gegen das Staatssystem sollte er versetzt werden, um danach wieder Ruhe in dem Bezirk zu haben. Aber die ungarisch geprägte Gemeinde wollte das nicht hinnehmen und es kam zu Demonstrationen. Polizei, Truppen des Innenministeriums und auch Armeeeinheiten lösten sie schließlich auf. Die Forderungen der Demonstranten “Nieder mit Ceausescu“ oder „Nieder mit der Diktatur“ wurden im ganzen Land wahrgenommen. Am 16./17. Dezember eskalierten die Auseinandersetzungen mit den Ordnungskräften, die mit Waffengewalt gegen die Bevölkerung vorging. Dabei gab es an die einhundert Tote. Trotz dieser Ausschreitungen machte der Präsident vom 18. bis 20. Dezember noch einen Staatsbesuch im Iran. Ein Beweis dafür, dass die gefährliche Situation vom Regime nicht erkannt worden war.

Organisierte Jubelveranstaltungen nutzen nichts mehr

Nach seiner Rückkehr versuchte die Regierung am 21. Dezember mit einer organisierten Solidarkundgebung auf dem Platz der Republik in Bukarest Stimmung für den Staatspräsidenten zu machen. Aber auch hier kam es zu Auseinandersetzungen mit oppositionellen Kräften, die wiederum nur mit Waffengewalt niedergeschlagen wurden. Schon am nächsten Tag versammelten sich wieder Tausende Bürger in der Stadt, darunter waren viele Betriebsbelegschaften. Ceausescu forderte von seinen Führungskadern die Demonstration gewaltsam aufzulösen. Diese verweigerten ihm den Gehorsam, somit war das Ende der Machtherrschaft abzusehen.

Flucht im Hubschrauber aus der Hauptstadt

In dieser Situation verließen das Herrscherpaar und einige Mitarbeiter mit einem Hubschrauber das Gelände des Königschlosses. Der Verteidigungsminister Vasile Milea hatte sich am 21. Dezember durch Selbstmord dem weiteren Geschehen entzogen. Ersetzt wurde er durch General Victor Stanculescu. Der Hubschrauber flog zu Ceausescus Residenz nach Snagov. Von hier wurde die Flucht mit dem Auto in Richtung Karpaten fortgesetzt. Sie endete am 22. Dezember mit der Festnahme durch eine Militäreinheit. Im ganzen Land war die Lage verworren und unübersichtlich. Armee, Truppen des Innenministeriums und Securitate standen sich feindlich gegenüber. Ein offener Kampf hätte zu einem unermesslichen Blutvergießen geführt.

Neue Männer – alte Kader an der Macht

In Bukarest hatte inzwischen der „Rat der Front der nationalen Errettung“ die Führung übernommen. Dieser hatte sich in der Nacht des 24./25. Dezember im Gebäude des staatlichen Fernsehens willkürlich gebildet. Als Sprecher des Gremiums fungierte Ion Iliescu. Dieser war einst kommunistischer Funktionär, dann aber bei Ceausescu wegen seiner Moskautreue in Ungnade gefallen und aus dem Machtapparat entfernt worden. Er war dann von 1989 bis 1996 und von 2000 bis 2004 Staatspräsident Rumäniens.

Letzte Worte Ceausescus: „Die Geschichte wird mich rächen“

Am 25. Dezember nachmittags war das Ehepaar Ceausescu in eine Kaserne in Targoviste gebracht worden. Hier wurde es vor ein improvisiertes Militärgericht gestellt und zum Tode verurteilt. Sie wurden gefesselt an die Kasernenmauer geführt und das Urteil durch ein Exekutionskommando aus Soldaten vollstreckt. So wie manche Gräber, der insgesamt mehr als tausend Toten, die es zwischen dem 22. bis 25. Dezember in Rumänien gegeben hatte, befinden sich auch die des Ehepaars Ceausescu heute auf dem Bukarester Friedhof Ghencea. Auch an diesem Weihnachtstag werden Anhänger des alten Regimes an die Gräber pilgern und Erinnerungsgaben niederlegen.

Nach oben Zurück