Wir erinnern

 

Jalta 1945: Konferenz der „Großen Drei“
auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim

Von Peter E. Uhde
Gruppenfoto nach dem Abschluss der Verhandlungen; von links: Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin - Foto: USA C-543 (Color) / Wikipedia, gemeinfrei

Am 4. Februar wird die Konferenz im Lividia-Palast eröffnet. Bis zum 11. Februar werden in der ehemaligen Sommerresidenz von Zar Nikolaus II. Entscheidungen und Beschlüsse gefällt, die zu einer neuen Weltordnung nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges führen.

Marschall Josef. W. Stalin, Vorsitzender des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion, hat auf die Halbinsel eingeladen. Franklin D. Roosevelt, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Winston S. Churchill, Premierminister seiner Majestät König Georg VI. sind ihr gefolgt. Ihre Berater und Mitarbeiter bilden einen Tross von annähernd 700 Personen. Die Delegationen sind an drei Orten untergebracht. Bis zur ersten Presseveröffentlichung wird die Konferenz geheim gehalten. In dieser Verlautbarung erfährt die Öffentlichkeit nur, dass sich Roosevelt, Stalin und Churchill im „Gebiet des Schwarzen Meeres“ aufhalten.

Stalin schlägt Roosevelt für die Konferenzleitung vor

Mit diesem Schachzug hat er das Duo Amerikaner und Briten gespalten, Roosevelt ist nun der „Schiedsrichter“ zum Ausgleich der Interessen. Simultanübersetzungen, wie bei heutigen „Gipfeltreffen“ gibt es nicht, das verlängerte alle Sitzungen. Stenografische Protokolle werden ebenfalls nicht geführt. Schriftlich existieren nur das Schlusskommuniqué, ein Geheimprotokoll und Notizen von Besprechungen der Militärs.

Ablauf der Krim-Konferenz, so der eigentliche Name

Mittags treffen sich die Generalstabschefs, dann die Außenminister und gegen 16.00 Uhr folgt die Vollsitzung. Militärs und Diplomaten bereiten die Gesprächsthemen ihrer Chefs vor. Schon am zweiten Konferenztag ist Deutschland das zentrale Thema. Stichworte hierzu sind u.a. Aufgliederung nach der Niederlage, zukünftige Regierungsform, Inhalt einer „bedingungslosen Kapitulation“, Reparationsleistungen. Gegen Stalins Willen wird auch den Franzosen eine Zone zugesprochen. Die Behandlung der polnischen Frage, seiner zukünftigen Grenzen und der Regierungszusammensetzung wird kontrovers diskutiert.

Die Gründung der Vereinten Nationen wird beschlossen

Die Vollsitzung am dritten Tag beginnt mit einer Überraschung. Die Sowjets stimmen der Zusammensetzung des Sicherheitsrates und der anzuwendenden Abstimmungsverfahren der zu gründenden Weltorganisation zu. Eine Forderung der Sowjets ist, je ein Sitz für die Ukraine, für Weißrussland und Litauen. Am vierten Tag fällt die Entscheidung, dass die Sowjetunion drei Monate nach Kriegsende in Europa in den Krieg der USA gegen Japan eintritt. Roosevelt geht davon aus, dass sich der Krieg im pazifischen Raum noch länger hinziehen wird. Stalin bekommt dafür den Südteil der Halbinsel Sachalin, die Häfen Port Arthur und Dairen sowie die Kurilen zugesprochen. Für den kranken Roosevelt ist das Konferenzziel erreicht. Er kann der amerikanischen Öffentlichkeit die Gründung der Weltorganisation und Russlands Kriegseintritt im Pazifik verkünden. Die Eröffnungskonferenz der neuen Weltorganisation, wenn man will als Nachfolger des Völkerbundes, wird auf den 25. April 1945 in San Francisco festgelegt. Stalin gibt an diesem Abend ein großes Galadinner.

Theorie und Praxis klaffen auseinander

Polen, der Balkan und Deutschland sind an den nächsten Tagen immer wieder Gesprächsthema. Die Amerikaner entwerfen eine „Deklaration über das befreite Europa“. Hier heißt es u.a. „Die drei Großmächte werden gemeinsam allen befreiten Völkern Europas beistehen, Voraussetzungen für den inneren Frieden zu schaffen, Sofortmaßnahmen zur Linderung der Not durchführen, interimistische mit Regierungsbefugnissen ausgestattete Behörden zu bilden, die alle demokratischen Kräfte in der Bevölkerung repräsentieren und verpflichtet sind zur frühest möglichen Errichtung von frei gewählten, dem Volkswillen verantwortlichen Regierungen…“

Die letzten Korrekturen am Schlusskommuniqués werden noch vor dem Mittagessen des letzten Tages gemacht. Zwischen beiseitegeschobenen Tellern, Gläsern und Bestecken wird es unterzeichnet. Unter eines der bedeutendsten Dokumente der Nachkriegsära setzen Roosevelt, Stalin und Churchill formlos ihre Unterschriften. Ohne Zeremoniell schließt, nach Kaffee und Kuchen sowie kaukasischem Cognac, die „Krimkonferenz“.

Churchill sieht den Eisernen Vorhang

In Berlin werden die Beschlüsse von Jalta als Ausverkauf des Westens an die Sowjetunion gedeutet. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels erklärt am 25. Februar „die Massenabschlachtung der Völker, wahrscheinlich noch unter dem Beifall der Londoner und New Yorker Judenpresse“ sei beschlossen. Später benutzt er auch die Formulierung, dass sich vor dem sowjetisch besetzten Territorium „sofort ein eiserner Vorhang herunter senken würde“. Churchill merkt bald, dass sich „Jalta“ nicht als Erfolg auf der Habenseite der Politik verbuchen lässt. Der kranke Roosevelt stirbt am 12. April 1945. Sein Nachfolger wird Harry S. Trumann. Am 12. Mai 1945 schreibt Churchill an ihn „Ein eiserner Vorhang ist vor ihrer [der Russen] Front niedergegangen. Was dahinter vorgeht, wissen wir nicht“. Die knappste Einschätzung des Konferenzergebnisses stammt vom stellvertretenden russischen Außenminister Andrej Wyschinski. „Jalta? Was heißt Jalta? Jalta das bin ich!“, erklärt er, als sich Rumänien gegen Eingriffe der Sowjets wehrt.

Im März 2014, siebzig Jahre nach den Beschlüssen von Jalta, hat Moskau die Krim annektiert. Die damit begonnene neue Konfrontation zwischen West und Ost, setzt sich fort. Nicht nur die ehemaligen Ostblockstaaten, die freie westliche Welt betrachtet die Entwicklung mit Sorge. Auf der 51. Münchner Sicherheitskonferenz ist das in diesen Tagen wieder deutlich sichtbar geworden.

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