Wir erinnern

 

Der nicht beendete Krieg

Von Peter E. Uhde

Am 25. Juni 1950 begann der Korea-Krieg, der bis heute nicht mit einem Friedensvertrag beendet wurde. Nach drei Jahren kam es am 27. Juli 1953 zu einem Waffenstillstand, dieser hält die beiden Kriegsparteien auf der geteilten Halbinsel auf Abstand. Kein anderes Land und Volk ist geographisch und ideologisch so zerschnitten wie Korea. Nördlich des 38. Breitengrades existiert die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) und im Süden die Republik Korea (Südkorea). An der etwa 248 Kilometer langen und vier Kilometer breiten entmilitarisierten Zone stehen sich zwei Gesellschaftssysteme bis an die Zähne bewaffnet gegenüber, im Süden unterstützt durch die Schutzmacht Amerika. Für die Einhaltung des Waffenstillstandes sind bis heute die Vereinten Nationen zuständig.

Zwei Staaten bilden sich

Auslöser dieser Situation war vor 65 Jahren der Angriff der nordkoreanischen Armee gegen Südkorea. In Nordkorea hatte sich seit Mai 1945 eine kommunistische „Provisorische Regierung gebildet, die die „Volksrepublik Korea“ ausruft und im September 1948 die „Koreanische Demokratische Volksrepublik“ bildet. Die Sowjetunion hilft beim Aufbau einer Armee mit Personal und Waffen. In Südkorea kam der aus dem US-Exil zurückgekehrte Syngman Rhee an die Macht und proklamierte im August 1948 die Republik Korea. Nach den Staatsgründungen verließen die US-Truppen und die der Sowjetunion die Halbinsel. 1949 wurden die NATO und die Volksrepublik China gegründet. Ein erfolgreicher Atomwaffentest der Sowjetunion im August brach das A-Waffenmonopol der USA. Kommunistische Befreiungsbewegungen in Südostasien wurden stärker. Anfang 1950 erklärten die USA, dass Korea und Formosa, „Rettungsinsel“ der chinesischen Zentralregierung von Tschiang-Kai-schek, nicht zu ihrer militärischen Interessenzone gehörten. Im Februar schlossen Peking und Moskau einen Freundschafts- und Beistandspakt, wodurch sich die nordkoreanischen Machthaber gestärkt sahen und der Entschluss zum Angriff fiel.

Überraschungsangriff brachte schnellen Erfolg

Am Sonntag, dem 25. Juni um 4 Uhr griff die Armee massiv an, am 27./28. wurde Seoul eingenommen. Der Sicherheitsrat der VN forderte Nordkorea auf seine Truppen zurück zu ziehen. Die USA begannen mit Munitions- und Waffenlieferungen. Der Sicherheitsrat sanktionierte erstmals seit Gründung der VN militärische Operationen. General Douglas MacArthur wurde Oberbefehlshaber des United Nations Command. Nach anfänglichem Landgewinn, gelang es MacArthur Ende September Seoul wieder einzunehmen und auch die alte Grenze, den 38. Breitengrad zu erreichen. Es stellte sich die politische Frage, den Krieg zu beenden oder bis zur Niederlage Nordkoreas zu kämpfen. US-Präsident Truman befahl den Einmarsch in Nordkorea, der Anfang Oktober begann. Nach dem Einsatz von etwa 200.000 chinesischer „Freiwilliger“ mussten sich die VN-Truppen zurückziehen und am 4. Januar 1951 fiel Seoul wieder. Der entstandene politische Konflikt zwischen Truman und MacArthur wurde durch dessen Ablösung im April 1951 gelöst. „General MacArthur war bereit einen Weltkrieg zu riskieren. Ich war es nicht“, war Trumans Begründung. Militärische Forderungen u.a. nach Vergeltungsangriffen auf Chinas Rüstungsindustrie war politisch nicht durchzusetzen.

Dwight D. Eisenhower versprach Kriegsbeendigung

Im Juli 1951 begannen Waffenstillstandsverhandlungen, sie schlugen fehl, neue Kämpfe mit Versuchen möglichst Geländegewinne zu machen folgten. Eisenhower wurde ab Mai 1952 Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Eines seiner Wahlversprechen war die Beendigung des Krieges. Nach dem Tod von Josef W. Stalin im März 1953 wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Am 27. Juli um 10 Uhr wurde das bis heute gültige Waffenstillstandsabkommen in einer Baracke in Panmunjon unterzeichnet. Während des Krieges kämpften fast eine Million Soldaten aus folgen Nationen auf koreanischem Boden: Amerika, Südkorea, Türkei, Australien, Großbritannien, Belgien, Frankreich, Luxemburg, Kanada, Kolumbien, Südafrika, Neuseeland, Äthiopien, Griechenland, Niederlande, Philippinen, Thailand. Indien, Schweden und Dänemark stellten Lazaretteinheiten.

Deutsches Rotes Kreuz Lazarett half der Bevölkerung

Die VN-Truppen hatten 95.000 Tote, Nordkorea und China mehr als 1,5 Millionen. Bei der koreanischen Zivilbevölkerung wurden nahezu drei Millionen Tote geschätzt. Zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung Koreas hatte Bundeskanzler Konrad Adenauer 1953 den Amerikanern ein Lazarett versprochen. Ab Mai 1953 war es in Pusan mit 250 Betten einsatzbereit, es bestand bis März 1959. Leiter der chirurgischen Abteilung war Dr. Eberhard Daerr, der als Oberstabsarzt in die Bundeswehr eintrat und 1969 Inspekteur des Sanitäts- und Gesundheitswesen wurde. Der Koreakrieg, die damit verbundene Verschärfung des „Kalten Krieges“ und das Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft Mitte 1953 forcierten die Planungen für die Aufstellung eigener deutscher Streitkräfte.

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