Nachschau - Veranstaltung am 19.06.2017

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Das neue Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR):
Ein Eckpfeiler der gesamtstaatlichen Sicherheit

 
Referent:

Generalleutnant Ludwig Leinhos

Inspekteur Cyber- und Informationsraum (CIR)
Foto: Bundeswehr
 

am Montag, 19. Juni 2017, 18:00 – 19:30 Uhr
(Einlass ab 17:30 Uhr)
in der Airbus-Repräsentanz Berlin
John F. Kennedy Haus, 5. Etage
Rahel-Hirsch-Str. 10, 10557 Berlin

 

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Bericht der Sektion Berlin

„Künftig wird die Sicherheit Deutschlands auch im CIR verteidigt“

Bedrohungen im Cyber- und Informationsraum erreichen neue Dimension

Von Dr. Florian Seiller
v.l.n.r.: Dr. Florian Seiller, GSP-Sektionsleiter; Generalleutnant Ludwig Leinhos, InspCIR; Stefan Schröter, DWT-Sektionsleiter. - Foto: GSP-Berlin

Die unaufhaltsam fortschreitende Digitalisierung bringt uns vielfältige Vorteile, macht Staat, Wirtschaft und Gesellschaft jedoch auch verwundbarer für Angriffe. Komplexität und Professionalität von Cyberangriffen nehmen stetig zu. Sowohl Quantität als auch Qualität von kriminellen, terroristischen, militärischen und nachrichtendienstlichen Bedrohungen im Cyberraum haben in den letzten Jahren eine neue Dimension erreicht. Das zeigte sich insbesondere an Vorfällen wie STUXNET (2010), MIRAI (2016) oder WannaCry (2017), die erhebliche Schäden anrichteten, oder beim Angriff auf das Bundestagsnetz (2015). Bei Konflikten wie etwa in Georgien (2008) oder der Ukraine (2014/2015) wurden Regierungs- und Energienetze lahmgelegt. Daneben finden Auseinandersetzungen zunehmend im Informationsraum statt, werden das Internet, Medien und soziale Netzwerke gezielt zur Verbreitung von Propaganda und Falschmeldungen genutzt. Ziel ist die Destabilisierung und Schwächung des Gegners. Operationen im Cyber- und Informationsraum sind wesentlicher Teil der hybriden Einflussnahme und Kriegführung geworden. Dabei soll vor allem auch politische Wirkung unterhalb der Schwelle eines bewaffneten Angriffs erzielt werden.

Nicht nur Kritische Infrastrukturen und die Wirtschaft befinden sich im Visier staatlicher oder nichtstaatlicher Angreifer. Auch die Bundeswehr ist vermehrt Angriffen im Cyber- und Informationsraum ausgesetzt. Cyber durchzieht mittlerweile sämtliche Bereiche der Streitkräfte: Führungsinformations- und Waffensysteme weisen einen hohen Grad an Technisierung und Vernetzung auf. Bürokommunikation, Personalmanagement, Rechnungswesen, Logistik und Lieferketten laufen über Computer und Internet. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden mehrere hunderttausend Attacken auf IT-Systeme der Bundeswehr registriert, darunter auch eine Reihe hochprofessioneller. Täglich wehrt die Bundeswehr eine vierstellige Zahl von Cyberangriffen auf ihre Netze ab.

Nachdem sich die GSP-Sektion Berlin und die DWT-Sektion Berlin-Brandenburg bei ihrer gemeinsamen Veranstaltung vom Spätherbst 2016 dem Thema zivile Cybersicherheit gewidmet hatten, rückten sie nun die militärische Dimension von Cyber und die Maßnahmen der Bundeswehr in den Fokus.

Aufstellung des Kommandos Cyber- und Informationsraum (KdoCIR)

Die Bundeswehr reagierte auf das erweiterte Bedrohungsspektrum mit der Gründung eines sechsten militärischen Organisationsbereichs. Neben Heer, Luftwaffe, Marine, Sanitätsdienst und Streitkräftebasis verfügt die Bundeswehr seit Anfang April dieses Jahres über das Kommando Cyber- und Informationsraum (KdoCIR), in dem alle CIR-relevanten Aufgaben und Fähigkeiten gebündelt werden. Kernaufträge sind der Schutz und Betrieb der IT-Systeme der Bundeswehr im In- und Ausland sowie Aufklärung und Wirkung im Cyber- und Informationsraum inklusive Ausbau der defensiven und offensiven Cyberfähigkeiten der Bundeswehr. Dazu gehören Computer Netzwerk Operationen, die Fernmelde und Elektronische Aufklärung und der Elektronische Kampf, ferner das Geoinformationswesen und Operative Kommunikation sowie große Teile des Militärischen Nachrichtenwesens. Von großer Bedeutung wird ferner die Kooperation mit Verbündeten und Partnernationen sein.

Ausgehend von den zentralen Grundlagendokumenten auf internationaler (NATO, EU) und nationaler Ebene (z.B. Cyber-Sicherheitsstrategie, Strategische Leitlinie Cyber-Verteidigung) stellte der erste Inspekteur CIR, Generalleutnant Ludwig Leinhos, Aufgaben, Strukturen und zentrale Herausforderungen des neuen militärischen Organisationsbereichs sowie Grundsätze der ressortübergreifenden Zusammenarbeit vor.

Nachdem seit dem Startschuss Anfang April 2017 eine Erstbefähigung zur Führung des nachgeordneten Bereichs hergestellt werden konnte, sind seit Anfang Juli das Kommando Strategische Aufklärung, das Führungsunterstützungskommando (neuer Name: Kommando Informationstechnik der Bundeswehr) und das Zentrum für Geoinformationswesen dem neuen KdoCIR mit Dienstsitz in Bonn unterstellt. Der Organisationsbereich umfasst rund 13.500 Dienstposten. Die volle Einsatzbereitschaft (FOC) soll im Jahr 2021 erreicht werden. Dann soll der Bereich über eine Personalstärke von bis zu 15.000 Dienstposten verfügen. Zur Erstellung eines permanenten Cyber-Lagebildes wird ein Gemeinsames Lagezentrum eingerichtet, das zugleich als Schnittstelle zum Nationalen Cyber-Abwehrzentrum (NCAZ) fungieren soll. Als ein gemeinsames identitätsstiftendes Symbol werden die Angehörigen des Organisationsbereichs ein blaues Barett mit eigenem Abzeichen tragen.

Anpassung der ministeriellen Strukturen

Auch die ministeriellen Strukturen wurden angepasst. Bereits im Herbst 2016 war im BMVg eine neue Abteilung Cyber/IT (CIT) mit einem Chief Information Officer (CIO) an der Spitze eingerichtet worden. Sein Verantwortungsbereich umfasst die Digital- und Cyberpolitik, die IT-Strategie und -Architektur, die IT- und Cybersicherheit, die Realisierung und den Betrieb des IT-Systems der Streitkräfte sowie die inhaltliche Steuerung der BWI Informationstechnik GmbH.

Weitere Herausforderungen

Im weiteren Verlauf ging Generalleutnant Leinhos auf den Aufbau eines Cyber-Clusters an der Universität der Bundeswehr in München, die Einrichtung eines Cyber Innovation Hub und die Schaffung einer Cyber-Reserve ein. Forschung, Lehre und Aus- und Weiterbildung sollen konsequent ausgebaut und Innovationen rascher verfügbar gemacht werden. Darüber hinaus beschreitet die Bundeswehr neue Wege bei der Personalgewinnung, um eine schlagkräftige Cyber-Community aufzubauen. Eine besondere Herausforderung stellt dabei der Wettbewerb mit der Wirtschaft dar. Als wichtige Neuerung sind flexible Einstiegsmodelle, auch für Seiteneinsteiger ohne militärische Vorbildung, sowie die Weiterentwicklung monetärer Anreize vorgesehen.

In seinem sehr informativen Vortrag und der anschließenden Diskussion machte der Drei-Sterne-General deutlich: Die Bundeswehr ist auf einem gutem Weg, die mit der Digitalisierung verbundenen Herausforderungen zu bewältigen. Der neue Organisationsbereich ist ein wesentlicher Eckfeiler der gesamtstaatlichen Cyber-Sicherheitsarchitektur und leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur nationalen Sicherheitsvorsorge und zur Stärkung der NATO und EU.

 
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