Nachschau - Veranstaltung am 26.04.2016

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Arabisches Erwachen –
wohin gehen Ägypten und die Region?

 
Referent:

Oberst i.G. Engelbert Theisen

Ehem. Militärattaché an den deutschen Botschaften in Kairo (Ägypten) und Khartoum (Sudan)
 
Begrüßung:

Dr. Michael Schneider

Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten
und Bevollmächtigter des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund
 
Moderation:

Dr. Florian Seiller

GSP-Sektionsleiter Berlin
 

am Dienstag, 26. April 2016, 18:30 – 20:00 Uhr
(Einlass ab 18:00 Uhr)
Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund
Luisenstr.18, 10117 Berlin

 

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Bericht der Sektion Berlin

Arabisches Erwachen

Vortrag über die Lage in Ägypten und dessen Rolle in der Region

Von Dr. Florian Seiller
Oberst Engelbert Theisen beim Vortrag in der Vertetung des Bundeslandes Sachsen-Anhalt beim Bund - Foto: Harro Zimmermann

Die Bilder von den Großdemonstrationen auf dem Tahir-Platz in Kairo gingen rund um die Welt. Hunderttausende gingen auf die Straße, um das System Mubarak zu Fall zu bringen. Aus der Januar-Revolution von 2011 ging schließlich die der Muslimbruderschaft nahestehende Partei „Freiheit und Gerechtigkeit“ als stärkste politische Kraft hervor. Doch dieser Erfolg war nur von kurzer Dauer. Nach der Absetzung von Staatspräsident Mursi im Sommer 2013 übernahm General Al-Sisi die Macht in der Arabischen Republik Ägypten und regiert seitdem mit harter Hand.

Was ist geblieben vom „Arabischen Frühling“? Wie hat sich die Lage in Ägypten seitdem entwickelt? Welche Rolle spielt das Land in der arabischen Welt? Und wohin entwickelt es sich in den nächsten Jahren? Mit Oberst i.G. Engelbert Theisen, ehemaliger Verteidigungsattaché der Bundesrepublik Deutschland in Ägypten und im Sudan (2011-2015), konnte die Berliner GSP-Sektion einen profunden Kenner der Region gewinnen. Nach der Begrüßung durch Ministerialrat Henning Baumeister, stellv. Dienststellenleiter des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund, beleuchtete Oberst i.G. Theisen in einem spannenden Vortrag die innenpolitische, soziale und wirtschaftliche Situation Ägyptens, die starke Rolle des Militärs, die Beziehungen zu den Nachbarstaaten, den Kampf gegen den islamistischen Terror und die Bemühungen der Regierung, das Land als arabische Regionalmacht zu etablieren. Dabei wurde auch die komplexe Gemengelage in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel deutlich.

Wie schwierig es ist, die Lage in dem Land stabil zu halten, veranschaulichte Oberst i.G. Theisen unter anderem anhand der besonderen geographischen und ökonomischen Gegebenheiten, aber auch anhand der demographischen Entwicklung. So konzentriert sich der Großteil des 90 Millionen-Volkes auf das Nildelta. Bis Mitte dieses Jahrhunderts könnte die Bevölkerungszahl auf 150 Millionen Menschen anwachsen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch, nur für wenige gibt es berufliche Perspektiven. Obwohl das einstige Land der Pharaonen als eines der am stärksten industrialisierten auf dem afrikanischen Kontinent gilt, ist es nach wie vor stark agrarisch geprägt. Über ein Drittel der Menschen lebt von der Landwirtschaft. Dabei gelten lediglich vier Prozent der Fläche als landwirtschaftlich nutzbar. Die Volkswirtschaft ist in hohem Maße vom Nil, vom Tourismus und von den Deviseneinnahmen durch den Suez-Kanal abhängig. Auch die Streitkräfte spielen im Wirtschaftsleben eine starke Rolle. Ägypten benötigt daher dringend weitere Unterstützung bei der ökonomischen Entwicklung. Deutschland engagiert sich vor Ort mit einer Vielzahl von Entwicklungsprojekten, etwa im Umweltbereich und beim Ausbau der Infrastruktur, in hohem Maße auch in Bildung und Forschung. Gelingt es nach Auffassung Theisens nicht, das Land weiter zu stabilisieren und den Menschen, vor allem den vielen jungen, Perspektiven zu geben, müsse man mit erheblichen Migrationsbewegungen in Richtung Europa rechnen. Dies würde auch spürbare Auswirkungen auf die Stabilität in der Region mit sich bringen.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund einen hochinformativen und packenden Vortrag. Bei der Aussprache im Anschluss und beim gemeinsamen Umtrunk wurde noch eifrig weiterdiskutiert.

Den Themen Migration und Terrorismus wird sich die GSP-Sektion Berlin in ihren beiden nächsten Veranstaltungen ausführlich widmen.

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