US-Atomwaffen: mehr Sicherheit oder höheres Risiko?

Von Servatius Maeßen

Nach den spätpubertären, verantwortungslosen Wortgefechten zwischen dem US-Präsidenten und seinem nordkoreanischen Gegenspieler zu Raketentests und Nuklearwaffenbesitz wird US-seitig ein neues Kapitel zur US-amerikanischen Atomwaffenstrategie aufgeschlagen: Die Modernisierung des Waffenarsenals soll auch Atomraketen mit begrenzter Reichweite umfassen, also „in theater“ oder taktisch einsetzbar. Diese Planung richtet sich an die Adresse von Russland, um Abschreckung mit mehr glaubwürdiger Flexibilität zu gewährleisten. An den „big bang“ mit gegenseitiger Auslöschung glaubt keiner, also sollen Atomwaffen unterhalb dieser Schwelle eine reale und damit weitaus glaubwürdigere Einsatzoption sein.

Waren die Wortgefechte zwischen Donald Trump und Kim Jong-un schon bedrohlich, weil der Einsatz von Atomwaffen Eingang in die psychologische Kriegsführung fand und plötzlich nicht mehr irreal erschien, so stellt sich nun eine Reihe von Fragen:

Sorgen taktische Nuklearwaffen für mehr Sicherheit oder erhöhen sie das Risiko für die Führbarkeit eines begrenzten Atomkriegs?

Lässt Putin die Finger vom Baltikum oder der West-Ukraine, weil ein derartiger Angriff nuklear und begrenzt auf den regionalen Kriegsschauplatz zurückgeschlagen werden könnte?

Ist die Nuklearrüstung ein Tabuthema, an dem man nicht rühren sollte? Sollte man das schlafende Monster eines Atomkriegs nicht wecken und erst recht nicht reizen?

Ich kann mir keine abschließende Meinung bilden, die Argumente pro und contra sind jeweils durchaus nachvollziehbar. Mir ist unwohl und ich bin verunsichert.

Wenn es Ihnen genauso geht, artikulieren Sie sich hier. Und wenn Sie eindeutig Position beziehen können, tun Sie es bitte. Es würde mir auf jeden Fall weiterhelfen.

Nur Mut!

4 Kommentare zu “US-Atomwaffen: mehr Sicherheit oder höheres Risiko?

  1. Als wäre die aktuelle Weltlage nicht unsicher und unkalkulierbar genug, legt Donald Trump mit seiner Ankündigung noch ‚eine Schippe drauf‘.
    Die Frage der Modernisierung des US-amerikanischen Waffenarsenals mit Atomwaffen begrenzter Reichweite kann m.E. nicht alleine auf eine Abschreckungsstrategie gegenüber Russland beschränkt werden. Die ‚Verniedlichung‘ auf ‚Mini Nukes‘ birgt – wie jede Verniedlichung – die Gefahr der Verharmlosung. In Zeiten brüchiger Allianzen, erodierender internationaler Institutionen und kündbarer Abkommen dürfte die Frage inwieweit Entwicklung, Bau und Einsatz solcher Waffen verrechtlicht und Verstöße dagegen sanktionierbar sind, fast rhetorisch sein. Was also nicht ausdrücklich verboten ist, stünde somit auch anderen Groß- und Regionalmächten als Option zur Verfügung.
    Ein weiterer Punkt, der gegen eine Beschränkung auf die USA spricht, ist die Reichweite von Trägersystemen und der daraus folgenden Stationierung, um eine Abschreckung gegenüber Russland auch glaubhaft zu machen. Der Pazifik? Das Südchinesische Meer? Osteuropa? Das Baltikum?
    Wären es die baltischen Staaten und die West-Ukraine in der Trump‘schen Logik überhaupt wert, atomar verteidigt zu werden?
    Es bleibt die vage Hoffnung, dass sich die Akteure der Risiken einer atomaren Aufrüstung und eines begrenzten Einsatzes von Atomwaffen bewusst bleiben und dass sich aus dem gegenwärtigen Chaos wieder Stabilität entwickelt. Wer also schickt den Geist zurück in die Flasche? Donald Trump wird es mit Sicherheit nicht sein.

  2. Kennen wir das nicht schon?
    Der kalte Krieg ist noch nicht so lange beendet und droht schon wieder neu aufzuflackern.
    Neue Atomwaffen tragen vielleicht über kurze Zeit zu mehr Sicherheit bei. Spätestens sobald der potentielle Gegner nachgerüstet hat, dreht sich die Spirale weiter.
    Die Atombombe im Besitz kalkulierbarer Mächte hat zwar bislang Atomkriege aber keine „normalen“ Kriege verhindert.
    Vielleicht hat die Ankündigung Trumps dazu beigetragen, dass Kim Gesprächsbereitschaft zeigt.
    Dies wäre eine positive Entwicklung. Doch darauf zu hoffen, dass weitere Atomversuche eingestellt werden, halte ich für illusorisch.
    Schauen wir nicht nur auf Trump sondern auch auf Putin.

  3. Wer hat was erreicht?
    Kim hat erreicht, dass er nun auf Augenhöhe mit der Weltmacht verhandeln kann. Gibt es so etwas wie koreanischen Sekt? Dann kann er die Korken knallen lassen…

  4. Gespräche sind grundsätzlich nie schlecht. Aber zwei Fragen sehe ich derzeit als nicht beantwortet (und von Trump vielleicht auch gar nicht ernsthaft gestellt) an:
    1. Welches sind eigentlich die (realistischen) Verhandlungsziele?
    2. Welchen Einfluss haben die Gespräche (und mehr noch etwaige Ergebnisse) auf die Rolle Chinas?

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