Nachschau - Veranstaltung am 17.03.2016

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr
und seine Rolle in der Flüchtlingshilfe

 
Referent:

Generalmajor Jürgen Knappe

Kommandeur Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr
 

am Donnerstag, 17. März 2016, 19.00 Uhr

 

*****

 
Bericht der Sektion Bonn

Die Flüchtlingslage aus anderer Perspektive

Von Servatius Maeßen

Die Flüchtlingsfrage ist das beherrschende innenpolitische Thema in Deutschland. Parteipolitische Machtspiele, Beschwörer des Untergangs des Abendlandes, Besserwisser und Nichtwisser, Brunnenvergifter und nachvollziehbar Besorgte bestimmen die kontroverse Diskussion. Tatkräftige Lösungen vor Ort verdanken wir den unzähligen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern –eigeninitiativ oder in Hilfsorganisationen – und auch der Bundeswehr.

Deren Flüchtlingshilfe wird operativ koordiniert im Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr (KdoTerrAufgBw). Darüber referierte der Kommandeur, Generalmajor Jürgen Knappe, unter dem Thema Das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr und seine Rolle in der Flüchtlingshilfe.

Als Einstieg stellte er sein Kommando vor. Dem Inspekteur der Streitkräftebasis nachgeordnet übernahm es mit der Neuausrichtung der Bundeswehr als eins von zahlreichen Fähigkeitskommandos die Aufgaben der früheren Wehrbereichskommandos. U.a. gehören zu diesem Kommando 15 Landeskommandos, der General für Standortaufgaben in Berlin, die von Reservisten betriebenen 31 Bezirks- und 404 Kreisverbindungskommandos und 30 Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien, das Feldjäger- und das ABC-Abwehrkommando, die Zentren Operative Kommunikation und Zivil-Militärische Zusammenarbeit, die Truppenübungsplätze, das Wachbataillon und 11 Sportfördergruppen. Der Personalumfang liegt bei ca. 23.000, davon sind ca. 10.000 militärische, ca. 1.000 zivile und ca. 12.000 Reservistendienstposten.

Das Thema. - Foto: Kalle Berg

Die Zivil-Militärische Zusammenarbeit ist planerisch und konzeptionell gekennzeichnet durch die Zusammenarbeit mit den sogen. „Blaulicht-Organisationen“ wie z.B. Polizei, Feuerwehren, Technisches Hilfswerk, Deutsches Rotes Kreuz. Im Einsatz von Bundeswehrkräften ist zu unterscheiden zwischen der Katastrophenhilfe im Rahmen des militärischen Katastrophenalarms und der Amtshilfe der Bundeswehr auf Anforderung der Landesregierungen.

Die laufende Flüchtlingshilfe erfolgt im Rahmen dieser Amtshilfe. Dabei ist das KdoTerrAufgBw verantwortlich für die überregionale Führung der Flüchtlingshilfeleistung der Bundeswehr und die lagegerechte Information für das Bundesministerium der Verteidigung und das Kommando Streitkräftebasis. Die Bundeswehr unterstützt und hilft, die Durchführungsverantwortung obliegt Ländern und Kommunen.

Die Hilfeleistungen umfassen eine Fülle von Maßnahmen: administrative Unterstützung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Aufbau von Lagern und Inneneinrichtungen mit Bw-eigenem Material, Bereitstellung von Verpflegung, Sicherstellung sanitätsdienstliche Betreuung, Personentransport.

Diesen Leistungen liegen fast 1.000 Hilfeanträge zugrunde, von denen mehr als 80% bewilligt wurden. Fast 700 Bundeswehrangehörige unterstützen das BAMF. Aktuell werden nahezu 100 Einzelprojekte mit ca. 1.200 Soldatinnen und Soldaten und über 300 Zivilbeschäftigten vor Ort bewerkstelligt.

„Weil diese Amtshilfe kein originärer Bundeswehrauftrag ist, läuft der Einsatz- und Ausbildungsbetrieb in den entsendenden Einheiten und Verbänden weiter. Deshalb ist die Entlastung durch Reservistinnen und Reservisten sehr willkommen“, so General Knappe. Für die Unterbringung von Flüchtlingen wurden ca. 60 Liegenschaften und sieben Truppenübungsplätze der Bundeswehr identifiziert, deren Nutzung je nach Flüchtlingsaufkommen zunächst bis Ende 2016 terminiert ist.

„Dass die Soldatinnen und Soldaten die Amtshilfe in Uniform leisten, hat sich bewährt, weil sie damit neben Respekt auch Anerkennung erhalten. Alle verantwortlichen Stellen zollen den Bundeswehrkräften und ihren Leistungen höchstes Lob, aber, und darauf lege ich Wert, es ist nicht unsere originäre Aufgabe. Die Motivation des eingesetzten Personals ist hoch, sie speist sich aus der Notsituation und der Hilfsbedürftigkeit der Flüchtlinge“, war das Fazit des Kommandeurs KdoTerrAufgBw.

In einer lebhaften Aussprache wurden rechtliche Fragen erörtert, über Ausbildungsvoraussetzungen diskutiert, die Freiwilligkeit hinterfragt und die Kostenfrage zur Sprache gebracht.

Für seinen eingängigen, klaren Vortrag und seine Offenheit in der Diskussion wurde Generalmajor Knappe mit lang anhaltendem Beifall verabschiedet.

 
Nach oben Zurück
Veranstaltungskalender
 

GSP-Veranstaltungskalender

 
Legende: Termin exportieren - Zur Sektionsseite - Termininfo versenden - Terminerinnerung anfordern - Bei Veranstaltung anmelden