Nachschau - Veranstaltung am 21.04.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Islamismus als Herausforderung
für unsere Gesellschaft

Referenten:

Melanie Miehl
Dr. Thomas Lemmen

Islamwissenschaftler
 

am Dienstag, 21. April 2015, 19.00 Uhr

 

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Eigenbericht der Sektion Bonn

Gehört der Islam zu Deutschland?

Von Servatius Maeßen

Die bedrohlichen Entwicklungen und die Gräueltaten des Islamischen Staats (IS) und von Boko Haram in Nigeria, die Pegida-Bewegung und die fatale Attraktivität terroristischer Gruppen für junge Menschen waren der Anlass, sich diesen Phänomenen grundsätzlich zu nähern: Mit dem Thema Islamismus als Herausforderung für unsere Gesellschaft referierten zwei Vortragende aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Während Melanie Miehl, Islamwissenschaftlerin und Autorin, die den Islam als Religion und den Islamismus als daraus abgeleitete politische Struktur beleuchtete, beschäftigte sich Dr. Thomas Lemmen, Referent beim Erzbistum Köln und Dozent an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Sankt Augustin, mit der Ausprägungsform des Salafismus in Theorie und Praxis.

Der Islam als Religion ist friedlich und menschenfreundlich. Der Koran verkündet Glaubensgrundsätze und Verhaltensnormen seiner Zeit. Der Islamismus ist die politische Ideologie des Islam und unterscheidet sich puncto Demokratie, Menschenrechte, Trennung von Politik und Kirche sowie pluralistischer Gesellschaftsform diametral von unseren westlichen Norm- und Wertvorstellungen. Beginnend mit den Kreuzzügen des Mittelalters und signifikant mit der Eroberung Ägyptens durch Napoleon fühlte sich der Islamismus bedroht und spätestens mit der Kolonisierung der arabischen Völker wurde intensiv nach alternativen Lebensmodellen gesucht, um der westlichen Gottlosigkeit entgegen zu treten. Ein eigenes Herrschaftsmodell, bei dem alle Macht von Gott ausgeht, wurde die Demokratie konterkariert. Die Grundrechte des Menschen haben sich dem Kollektiv unter zu ordnen. Religion und Staat bilden eine Einheit. Pluralistische Lebenformen sind gottlos. Diese politische Ideologie wird entweder radikal, konfrontativ, gewaltsam und öffentlich oder aber taktisch klug, subversiv und in kleinen Schritten umgesetzt. Eine Sondergruppe bilden dabei die Salafisten, deren Hauptimperativ die Einheit Gottes und die Ausrichtung jedweden Tuns auf ihn ist. Wer diesen Imperativ nicht anerkennt, wird getötet, nicht nur Andersgläubige, sondern auch Muslims.

Dr. Thomas Lemmen. - Foto: Markus Gerundt

„Islam, Islamismus/Salafismus, Extremismus, Terrorrismus – hier bestehen Zusammenhänge, aber kein Automatismus. Deshalb ist Differenzierung wichtig!“ so Frau Miehl.

Dr. Lemmen stieg ein mit der Feststellung, dass der Salafismus in Deutschland ein Phänomen der jüngsten Zeit ist. Seit 1999 werden seine Aktivitäten registriert. Angesichts des Medieninteresses und der öffentlichen Aufmerksamkeit sollte man allerdings bedenken, dass sich der Anteil an Islamisten/Salafisten an der muslimischen Bevölkerung in Deutschland im einstelligen Prozentbereich bewegt. Der Salafismus hat keine einheitliche, überschaubare und zentrale Organisation. So bewegen sich bei uns ca. 20 unabhängige Wanderprediger, die mit vielfältigen Methoden ihre Botschaften unter das Volk zu bringen versuchen.

Entweder wird die Lehre von der Einheit eines Gottes und dessen Allmacht gewaltlos missionarisch verbreitet oder revolutionär als „Jihad-Salafismus“, der auch vor Kampf und Krieg und Venichtung nicht zurück schreckt. Gemeinsam ist beiden Formen, dass demokratische Werte und Normen abgelehnt werden. Ein Wesensmerkmal ist die intensive und gekonnte Nutzung der modernen Medien in allen Erscheinungsformen. Hierdurch findet man den Zugang zu jungen Menschen. In Verbindung mit gelebter Fürsorge wird hier den sich gesellschaftlich ausgegrenzt Fühlenden und Benachteiligten ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt, ihr Selbstbewusstsein gestärkt und in den Konvertiten ein Überlegenheitsgefühl gegenüber Ungläubigen erzeugt.

Volles Haus und engagierte Aussprache. - Foto: Markus Gerundt

Zu beiden Themenbereichen entwickelte sich eine lange, lebhafte, mitunter kontroverse Aussprache, bei der es um Medienpräsenz, schweigende Mehrheiten, Verbote, Verfassungsschutz, Mitschuld von USA und NATO an aktueller Entwicklung oder niedere Instinkte der „Gotteskrieger“ ging. Die abschließende Frage des Moderators „Gehört der Islam zu Deutschland?“ beantworteten Frau Miehl und Dr. Lemmen ohne zu zögern mit „Ja!“. Eine nachvollziehbare Antwort, wenn darunter die schweigende Mehrheit der Millionen friedlicher Muslime in Deutschland verstanden wird.

Lob und Dank. - Foto: Markus Gerundt

Es war ein sehr informativer Vortragsabend, der nachdenklich gestimmt hat und der nicht nur den Beifall der Damen von WOMEN IN INTERNATIONASL SECURITY (WIIS.de) erhielt, die erstmalig eine mit der Sektion Bonn vereinbarte Kooperation mit Leben erfüllten.

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