Nachschau - Veranstaltung am 23.11.2015

 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

NATO Response Force-Einsatz
mit einem multinationalen Korps

 
Referent:

Generalleutnant Volker R. Halbauer

Kommandierender General I. DE/NL Korps, Münster
 

am Montag, 23. November 2015, 19.00 Uhr

 
Foto: Bundeswehr
 

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Bericht der Sektion Bonn

Ready to Lead Military Operations

-schnell – umfassend – entschlossen-

Von Servatius Maeßen
Generalleutnant Volker R. Halbauer - Foto: Kalle Berg

Unter diesem Motto stand der Vortrag des Kommandierenden Generals des Deutsch/Niederländischen Korps , Generalleutnant Volker R. Halbauer. Die Sektion Bonn widmete sich im diesjährigen Themenreigen der Effizienz von Multinationalität, pooling und sharing in militärischen Strukturen. Und so war es folgerichtig, dass der KG eines multinationalen Korps zu Wort kam mit dem Thema NATO Response Force – Einsatz mit einem multinationalen Korps. Das erste DEU/NL Korps ist eins von neun Korps dieser Art, die in Mittel- und Südeuropa disloziert sind. Im Korpsstab in Münster dienen nahezu 400 Angehörige aus 13 Nationen, wobei Deutschland und die Niederlande mit ca. 310 Dienstposten vertreten sind. Auf Dauer unterstellt sind ein Führungsunterstützungs- und ein Stabsbataillon. Im Einsatz führt das Korps-HQ bis zu 60.000 Soldatinnen und Soldaten.

Gedenken an den Terror in Paris - Foto: Kalle Berg

Als Hauptquartier hoher Bereitschaft (High Readiness Force HQ) ist der Korpsstab innerhalb von 30 Tagen verlegefähig: wohin auch immer, für eine große Bandbreite an Aufgaben, in vielfältigem Umfeld.

Dass diese flexiblen Einsatzoptionen intensive Ausbildung und Validierung in Übungen erfordern, liegt auf der Hand. Dabei geht es nicht nur um die Erstbefähigung, sondern auch und vor allem um Kontinuität. „Denn schließlich ersetzen wir jährlich rund ein Drittel des Personals,“ so der KG. Drei Einsätze im Rahmen ISAF in Afghanistan und drei Mal im Status „NATO Response Force“ für jeweils ein Jahr zeugen von Kompetenz und Erfahrung.

Als neue Herausforderung beginnend mit der Vorbereitungsphase im nächsten Jahr steht die Qualifizierung als JOINT TASK FORCE HQ (Land) bevor.

Aufgrund seiner Erfahrungen in Einsätzen und der Kompetenz, neue Konzepte zu entwickeln, bietet das Korps allen beteiligten Nationen an, ihre Ausbildung zu verbessern. „Im Ergebnis bekommen die Nationen von uns eine Ausbildungsplattform von computergestützten Übungen bis zu Übungen mit Volltruppe im freien Gelände,“ erläuterte Generalleutnant Halbauer.

Ein besonderes Augenmerk wird gelegt auf den comprehensive approach, die umfassende, weit über den militärischen Beitrag hinaus gehende Bewahrung oder Wiederherstellung von Sicherheit. Als großer Fortschritt wird die Gründung der COMMON EFFOORT COMMUNITY im vergangenen Mai gesehen. 26 politische, zivile und militärische Organisationen unterzeichneten eine Vereinbarung, gemeinsam ihren Beitrag für mehr Sicherheit und Stabilität in der Welt zu leisten. So wird man sich 2016 in einem gemeinsamen Vorhaben dem Thema „Migration“ widmen.

Ausführliche Aussprache - Foto: Kalle Berg

Im zweiten Teil seines Vortrags erläuterte der KG am praktischen Beispiel die wesentlichen Merkmale von Verbänden und Großverbänden in der NATO RESPONSE FORCE. Der Auftrag ist, in einer Krise die schnelle Demonstration militärischer Handlungsfähigkeit und die Gewährleistung von Präsenz vor Ort. Dabei können die Aufgaben variieren zwischen friedenserhaltenden/-stiftenden Einsätzen, der kollektiven Verteidigung oder der Katastrophenhilfe. Höhepunkt der Einsatzvorbereitung waren die Übungen 2014 und 2015,dDarunter die größte Verlegeübung der NATO in den vergangenen zehn Jahren. Oder eine Gefechtsübung in drei Phasen: Nach der Alarmierungsphase folgte die Verlegung zu Land, Wasser und Luft. In der Integrationsphase mussten sich die Kräfte verschiedener Nationen im Gefecht der verbundenen Waffen in freiem Gelände auf einem Truppenübungsplatz in Polen bewähren. Unterlegt wurde die Darstellung des Übungsablaufs mit eindrucksvollen Filmausschnitten, mit denen die Komplexität der Übungsanlage und die Realitätsnähe erfassbar wurden. Flankiert wurde die Übung von VIP-Besuchern und hohem Medieninteresse.

Seit der Annexion der Krim hat sich die Wahrnehmung der sicherheitspolitischen Lage verändert. Die kollektive Bündnisverteidigung auf der Grundlage von Solidarität, Entschlossenheit und Standardisierung rückt in den Fokus. Dabei gilt es, Erfahrungen aus der Zeit des Kalten Krieges zu nutzen und an heutige Herausforderungen anzupassen. „Für die über 40-Jährigen ist das weniger ein Problem als für die Jüngeren.“ Stellte Generalleutnant Halbauer vielsagend fest. Er sei stolz auf das Erreichte, auf den Geist und die Leistungsbereitschaft seines Korps. Er verschwieg aber nicht, dass dem harte und oft mühselige Arbeit voran ging. Unterschiedliche Einsatz- und Führungsphilosophien unter einen Hut zu bringen, unzureichende Standards zu kompensieren, Ausbildungsqualität anzugleichen, externe Mittel für strategische Verlegungen bereit zu stellen, das sind Herausforderungen, denen erfolgreich begegnet werden muss. Und dann gelte es, das Erreichte durch ständiges Training zu erhalten und noch zu steigern.

Mit dem anschaulichen, lebhaften Vortrag wurde den überaus zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörern überzeugend verdeutlicht, dass die NATO handlungsfähig ist, nicht nur mit Worten und Statements, sondern mit einsatzfähigen und einsatzbereiten Truppen, die ihr Können auf Stand halten und in realen Übungen, die es über Jahre in dieser Form nicht mehr gab, verbessern.

Herzlichen Dank! - Foto: Kalle Berg

Klar wurde auch, dass Multinationalität fordernd ist, aber in hohem Maß integrierend und solidarisierend wirkt. Deshalb hat sich das Prinzip bewährt und sollte behutsam weiterentwickelt werden, aus praktischen Erwägungen ab der Bataillonsebene aufwärts.

In einer intensiven Aussprache stellte sich der Referent kritischen und vertiefenden Fragen, die von Kommunikationstechnik über Verfassungsregelungen und –vorbehalte, EU-Streitkräfte bis zu aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen reichten.

Generationensprung! - Foto: Kalle Berg

Mit langem Applaus dankte das Publikum GenLt Halbauer für eine Darbietung, die dazu angetan war, in bewegten Zeiten Zuversicht zu verbreiten.

Ein herzliches Dankeschön von Bonn nach Münster!

 
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