Nachschau - Veranstaltung am 26.02.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Arbeitgeber Bundeswehr -
Lage und Perspektive

Referent:

Brigadegeneral Jürgen Knappe

Bundesamt PersManagementBw
 

Donnerstag, 26. Februar 2015

 

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Eigenbericht der Sektion Bonn

Die Konkurrenz ist groß – Personalgewinnung für die Bundeswehr

Von Servatius Maeßen
Der Referent BrigGen Jürgen Knappe - Foto: Karl-Heinz Berg

Die Neuausrichtung der Bundeswehr hat viele Facetten: Einsatzkonzepte, Aufbau- und Ablauforganisation, Ausrüstung, Ausbildung, Stationierung und – von existenzieller Bedeutung für die Einsatzbereitschaft – die Nachwuchsregeneration. Diesem Thema widmete sich der Geschäftsführende General des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr, Brigadegeneral Jürgen Knappe, bei seinem Vortrag Arbeitgeber Bundeswehr - Lage und Perspektive, für die Sektion Bonn in der GSP.

Das Bundesamt selbst ist ein Produkt der Neuausrichtung der Bundeswehr. Das Rational bei seiner Gründung war die bundeswehrgemeinsame fachliche und organisatorische Bündelung aller Aufgaben für ein umfassendes zivil/militärisches Personalmanagement, das die Option zur Schaffung eines Binnenmarkts und eine optimale Potenzialausschöpfung enthalten sollte. Entstanden ist dabei eine Bundesbehörde mit fast 6.000 zivilen und militärischen Dienstposten, die nicht nur im Amt selbst, sondern auch in unterstellten Organisationselementen wie Karriere- und Assessment-Centern, Karriereberatungsbüros und Standort-Teams für den Berufsförderungsdienst angesiedelt sind.. Der Generalauftrag lautet: Sicherstellung der personellen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr!

Die maßgeblichen Faktoren, die auf die Personalgewinnung Einfluss haben, sind die sicherheitspolitische Lageentwicklung, die Finanzlage des Bundes, der demografische Wandel und damit einhergehend gesellschaftliche Trends und die wirtschaftliche Entwicklung. Diese Faktoren stellen zugleich die Herausforderungen für die Personalgewinnung dar. „Verkürzt kann man sagen: Die Gesellschaft wird älter, weniger und anders. Das müssen wir nicht nur registrieren, sondern auch akzeptieren und daraus die Konsequenzen ziehen“, so General Knappe.

Dabei folgt das Personalmanagement einem immerwährenden Kreislauf von Personalgewinnung, Personalentwicklung, Personalbindung und Personalausgliederung. Dieser Kreislauf gilt in gleicher Weise für Soldaten, Reservisten, Beamte und Tarifbeschäftigte. „Neue Potenzial erschließen, benötigte Potenziale halten und die Vielfalt der Potenziale nutzen – das ist dabei Devise und Leitgedanke!“ Dabei agiere die Bundeswehr nicht auf einer Insel, sondern mitten in der Gesellschaft. Dem müsse bei der Wahl der Methoden, der Gestaltung der Arbeitsbedingungen und dem Angebot des Dienstgebers Rechnung getragen werden. Das Streben nach Individualität, Karriere und Familie zu vereinbaren, eine gesunde „work-life-balance“ zu verwirklichen und im partnerschaftlichen Dialog ernst genommen zu werden, diese Forderungen sind nicht unmilitärisch, sondern ihre Beachtung trägt der Realität Rechnung.

„Moderne Lebensverhältnisse und zeitgemäße Arbeitsbedingungen schulden wir nicht nur dem Menschen, sondern sie sind die Voraussetzung, um in der sich verschärfenden Konkurrenzsituation mit gewerblicher Wirtschaft bestehen zu können“, erklärte Knappe.

Freimütige Aussprache - Foto: Karl-Heinz Berg

Die Bewerberlage bei Offizieranwärtern ist zu Zeit ebenso wie bei den Mannschaften sehr gut, bei den Feldwebeln ist ein deutliches Fehl bei technischen Spezialisten, z.B. bei der IT, zu beklagen. Dieses ich auch in den technischen Laufbahnen der zivilen Beschäftigten zu beobachten und eine Folge der Konkurrenz gerade auf diesem Gebiet.

Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr hat gerade die zivile Seite gravierende Einschnitte verzeichnen müssen, die zum Teil nur durch Einstellungsstopps erreicht wurden. Daraus entstanden Verwerfungen in der Altersstruktur, die man mittelfristig durch die Überführung ehemaliger Zeitsoldaten in zivile Arbeitsverhältnisse zu begegnen sucht.

Die Frauenquote beim militärischen Personal verändert sich wenig. Sie liegt zurzeit bei ca. 10% insgesamt betrachtet, bei 43% im Sanitätsdienst und bei 7% ohne den Sanitätsdienst. Bevorzugte Tätigkeitsfelder der Frauen liegen im Stabs- und Nachschubdienst und bei den Studiengängen bei den Geistes- und Wirtschaftswissenschaften.

Aufmerksames Plenum - Foto: Karl-Heinz Berg

Das Personalstrukturmodell (PSM) 185 sieht als Umfangsstärken der Bundeswehr 185.000 Soldaten und 55.000 zivile Beschäftigte vor. Für Soldaten sind das überwiegend Karrieren auf Zeit, während das Zivilpersonal einen Lebenszeitberuf ausübt.

Mit einem Bündel von attraktivitätssteigernden Maßnahmen soll eine ausreichende Regeneration gewährleistet werden. Neben Infrastruktur und Besoldung gehören hierzu überschaubare Werdegänge, Reduzierung sogenannter „Pflichttore“, Bündelung von Dienstposten, Stehzeitverlängerung, Teilzeitangebote und Telearbeitsplätze. „Die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr lässt sich nachhaltig nur sicher stellen, wenn in einem konstruktiven Dialog Interessen der Bundeswehr und persönliche Interessen harmonisiert werden und optimiert werden“, so Knappes Überzeugung.

Fröhlich herzliches Dankeschön - Foto: Karl-Heinz Berg

Nach seinem inhaltlich und rhetorisch überzeugenden Vortrag stellte sich General Knappe zahlreichen, auch kritischen Fragen z.B. zum Beurteilungswesen, zu besonderen Altersgrenzen, Übernahmen zum Berufssoldat oder zur gesellschaftlichen Akzeptanz des Soldatenberufs. Auch in der Diskussion erwies sich der Referent als kompetenter und freimütiger Gesprächspartner. Der große Abschlussapplaus kam von Herzen und war mehr als verdient!

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