Nachschau - Veranstaltung am 24.11.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Die Situation der Kurden im Nahen Osten

Referent:

Ali Ertan Toprak

Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland (BAGIV)
Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland (KGD)
Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschlands
 

am Dienstag, 24. November 2015, 19.30 Uhr
im Café Schwarz
Breitenburger Str. 14-16, Itzehoe

 

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Bericht der Sektion Itzehoe - Steinburg

„Das größte Volk ohne eigenen Staat“

Ali Toprak spricht über die Situation der Kurden im Nahen Osten

Von Winfred Krech

Mit Ali Toprak, dem Präsidenten der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland (BAGIV), Bundesvorsitzenden der Kurdischen Gemeinschaft Deutschland (KGD) und Mitglied der Zukunftskommission der CDU, ist es Winfred Krech, dem Sektionsleiter der Gesellschaft für Sicherheitspolitik im Kreise Steinburg, wieder einmal gelungen, einen kompetenten Referenten zur Situation im Nahen Osten nach Itzehoe zu holen.

Und wenn da ein "Deutschkurde" in seinen einleitenden Worten zur Situation der Kurden fordert, "die deutschen Werte offensiver zu verteidigen", sich ausdrücklich dafür ausspricht, dass sich Zuwanderer mit deutschen Interessen und Zielen identifizieren und deutsche Werte im Alltag leben sollen, dann kann er sich der Aufmerksamkeit seiner Zuhörer gewiss sein. Der Lebenslauf des Referenten, der typisch ist für eine Karriere in der bundesdeutschen Parteien- und Verbandslandschaft, beweist die Ernsthaftigkeit dieser Forderungen.

Die Geschichte der Kurden, die Toprak als das größte Volk ohne eigenen Staat definiert, ist gekennzeichnet durch Teilungen, Unterdrückung und Verfolgung, einen steten Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung. Hinzu kommen Probleme durch innerkurdische Auseinandersetzungen, die häufig ihre Ursache in religiösen Differenzen haben. Im Nahen Osten stellen die Kurden neben Israel die einzige säkulare und vor allem demokratische Kraft dar. Ihnen ist aber bislang ihre Anerkennung durch UN, EU und NATO versagt geblieben.

Vor allem würde ein kurdischer Staat den "neo-osmanischen" Bestrebungen des türkischen Präsidenten Erdogan, den Toprak als "türkischen Putin" charakterisierte, im Wege stehen. Toprak sieht in der Türkei einen der Hauptverursacher der derzeitigen Flüchtlingsströme und wirft Erdogan vor, den IS seit drei Jahren zu unterstützen, um so den Nahen Osten weiter zu destabilisieren. Für ihn spekuliert Erdogan, den er für den gefährlichsten Politiker im Nahen Osten hält, darauf, die Türkei als einzige bedeutsame stabile Macht im Nahen Osten zu etablieren. Das Chaos als ein Weg zur Ausweitung der Macht der Türkei, die Toprak derzeit für den Westen verloren gibt.

Auch der Irak, auf dessen Gebiet die meisten Kurden leben und dem Toprak ebenso wenig eine große Zukunft wie Syrien einräumt, lehnt einen kurdischen Staat ab, da er den Zugriff auf die großen Erdölfelder im kurdischen Gebiet behalten will.

Wer sich derzeit mit der Situation im Nahen Osten auseinandersetzen will, kommt auch am aktuellen Flüchtlingsproblem nicht vorbei. Die Kürzungen der UNHCR-Mittel für die Flüchtlinge sind auch für Toprak ein schwerer Fehler, da sie viele Flüchtlinge in den Lagern bewogen haben, sich auf den Weg nach Europa zu machen.

Auf die aktuellen Anschläge in Paris eingehend, wies Toprak auf die Strategie des IS hin, Meldungen über Niederlagen wie die Wiedereroberung der Stadt Sindschar durch die Kurden mit demonstrative Gräueltaten und Attentate aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verdrängen.

 
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