Nachschau - Veranstaltung am 20.10.2016

 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Putins Russland,
auf dem Weg zur Weltmacht?

Politischer Anspruch und ökonomische Realität

 
Referent:

Professor Dr. Hans-Henning Schröder

Politikwissenschaftler

am Donnerstag, 20. Oktober 2016, 19:00 Uhr
im Haus Schütting
Am Markt 13, 28195 Bremen

 

Zur Veranstaltung:

Als mit Glasnost und Perestroika die sowjetische Hegemonie einem unaufhaltsamen Niedergang entgegenging, zerfällt auch die Macht des Riesenreichs. Heute betrachtet sich Russland als von der NATO eingekreist, es wird von der EU Sanktionen unterworfen und sieht sich durch den Westen und die USA isoliert. Von der einstigen Welt- und europäischen Großmacht Russland bleibt der lose und politisch weitgehend wirkungslose Verbund der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die ehemaligen sozialistischen Bruderstaaten wechselten in die Wirtschafts- und Militärbündnisse des ehemaligen Klassenfeinds.

Russlands amtierender Präsident, Wladimir Wladimirowitsch Putin, hat einen Gegenentwurf. Er sucht die traditionelle Stellung Russlands als europäische Groß- und Weltmacht zu erneuern. Politisches Instrument sollte die Eurasische Wirtschaftsunion werden, ein wirtschaftliches Gegengewicht zur technologisch und kommerziell dominierenden EU. Doch die Entwicklungen verliefen anders. Spätestens nachdem die Ukraine sich Putins Idee versagte, begann Russland wirtschaftlichen und militärischen Druck auf den unwilligen Nachbarn auszuüben. Die EU beschloss im März 2014 Sanktionen gegen Russland.

Der Konflikt um die Ukraine und die Krim belasten Russlands internationale Beziehungen und Wirtschaft schwer. Das BIP ist in 2015 erneut real gesunken. Das Rating der Volkswirtschaft auf Ramschniveau, Industriearbeiter warten auf ihre Löhne, im Verwaltungsapparat kommt es zu massenhaften Entlassungen. Das militärische Engagement Russlands im Donbass, in Syrien, extreme Rüstungsanstrengen und aufwendige Propagandaveranstaltungen belasten das Staatsbudget zusätzlich.

Autonomie- und Demokratisierungsbestrebungen unterdrückt Präsident Putin seit Beginn seiner Herrschaft im Jahr 2000. Eine gut geölte Staatspropaganda setzt auf Russlands Macht und Größe, gestern, heute, morgen und visualisiert die Allmacht eines Präsidenten, der sich der kleinen Leute persönlich annimmt. Die gesellschaftliche Entwicklung folgt den Vorgaben der Putinpartei. Pluralistische, demokratische Entwicklungen sind Opfer einer massiven Repression, die sich gegen Menschen und internationale Organisationen richtet. Der Vortrag untersucht die Frage, ob Russland unter diesen Rahmenbedingungen seinem Anspruch gerecht werden kann.

Zum Referenten:

Herr Prof. Dr. Hans-Henning Schröder (1949) hat in Göttingen und Berlin Geschichte, Slavistik und Soziologie studiert. Zwischen 1979 und 1986 war er an der Freien Universität Berlin und an der Ruhr-Universität Bochum als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. 1986 wechselte er zum Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien in Köln, einem think tank der Bundesregierung, der die Entwicklungen in Osteuropa beobachtete. Im Jahre 1994 habilitierte er sich an der Ruhr-Universität Bochum mit einer Arbeit über sowjetische Sicherheitspolitik.

Nach Auflösung des Bundesinstituts war er von 2001-2006 bei der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen für den Aufbau des Bereichs Gegenwartsanalyse mitverantwortlich.

2006-2014 war er im Deutschen Institut für internationale Politik und Sicherheit (SWP) in Berlin tätig und leitete dort bis 2012 die Forschungsgruppe Russland/GUS, zuletzt als Wissenschaftlicher Direktor.

Nach seiner Pensionierung im Jahre 2014 wurde er vom Auswärtigen Amt beauftragt, in Berlin das „Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien“ (ZOiS) aufzubauen. Er lehrte Politikwissenschaft (regionale Politikanalyse mit Schwerpunkt Osteuropa) an der Freien Universität Berlin und ist Herausgeber der "Russlandanalysen" (https://http://www.laender-analysen.de/russland/).

Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören der politische und gesellschaftliche Wandel in Russland seit 1991 sowie die sowjetische und russische Außen- und Sicherheitspolitik.

 
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