Nachschau - Veranstaltung am 11.05.2016

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Die Arktis –

Zankapfel der Zukunft um Bodenschätze
trotz Arktisvertrag

Referent:

Dr. Christian Wipperfürth

Politikberater und Publizist
 

am Mittwoch, 11. Mai 2016, 19.30 Uhr
in der „Oase Haus Adelheide“ (Soldatenheim)
(vor Feldwebel-Lilienthal-Kaserne)
Abernettistraße 43, Delmenhorst

 
Foto: www.cwipperfuerth.de
 

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Bericht der Sektion Delmenhorst

Zankapfel Arktis

Publizist Dr. Christian Wipperfürth referiert in Adelheide

Von Rolf Dieter Wienand
Die Arktis - Quelle: NASA, public domain

1,2 Mio. Quadratkilometer, 3,36 mal die Fläche Deutschlands, ist das Areal groß, wegen dem Russland bei der UNO einen Antrag auf völkerrechtliche Anerkennung eingereicht hat, mit dem Anspruch, es sei russisches Territorium. Unterlegt ist der Antrag mit 2000 Seiten Begründung, zuletzt im August 2015 nachgebessert. Zur Bekräftigung sitzt seit vielen Jahren schon eine aus Titan gefertigte russische Flagge auf dem Nordpol unter vielen Metern Eis und Wasser. Entschieden ist noch nichts, denn Kanada hat einen Antrag auf Anerkennung eines Areals der gleichen Größe eingereicht, und beide Gebiete überlappen sich. Die Ansprüche Norwegens, Dänemarks und der USA sind dagegen klein, aber auch nicht unwidersprochen.

Die Rede ist von der Arktis, und damit von erhofften Vorteilen, sollte der Klimawandel, der sich in der Arktis doppelt so schnell auswirkt wie in unseren Breiten, weitergehen und die Eisbarrieren verschwinden lassen. Riesige Vorkommen an Öl und Gas sowie Erzen werden vermutet; Passagen für die Schifffahrt würden frei, und militärische Nutzung würde erleichtert. So hat Russland erklärt, im Gegenzug zur jüngst vollzogenen Inbetriebnahme der lange angekündigten NATO- Raketenabwehrstellung in Rumänien sein militärisches Engagement in der Arktis erheblich ausweiten zu wollen, weit über das hinaus, was an Basen und Waffentechnik schon eingerichtet und aus dem Weltall erkennbar ist.

Ist das eine unmittelbare Bedrohung der Anrainer? Nein, sagt Dr. Christian Wipperfürth in seinem Vortrag „Die Arktis - Zankapfel der Zukunft trotz Arktisvertrages“, den er am 11.05. auf Einladung des Standortältesten Delmenhorst, der Sektion Delmenhorst in der GSP und des Verbandes der Reservisten vor 58 Zuhörern in Delmenhorst hielt. Zu Sowjetzeiten sei die militärische Überlegenheit in der Arktis schon gegeben gewesen, und mindestens ein Staat mit Beobachterstatus im Arktisrat, der Zusammenkunft der Anrainerstaaten des Nordpols, nämlich China, achte genau auf die Lage.

Ist denn die Ausbeutung der Bodenschätze nicht ein entscheidender Vorteil für Russland? Wiederum nein, denn der Aufwand und damit die Kosten gehen in die Milliarden, und die Vorsorge gegen mögliche Umweltkatastrophen verschlingt weitere Milliarden, so war das Deep Water - Ereignis vor Mexiko fast das finanzielle Aus für BP. Eine von Gazprom und Exxon gemeinsam geplante Gasförderung nur 150 km nördlich Murmansk wurde buchstäblich wieder auf Eis gelegt, weil die derzeitigen Energiepreise jede Aktivität unrentabel machen – die bereits investierten Milliarden sind abzuschreiben.

Wie steht es um die Seewege, bekannt als Nordost- und Nordwestpassage? Die Nordwestpassage vom Nordatlantik entlang der kanadischen Küste in den Pazifik wird von Kanada zumindest in Teilen als nationales Gewässer angesehen, was die USA bestreiten. Man ist sich einig, konträre Auffassungen zu haben mit der Folge, dass an der Erschließung und Freihaltung dieses Seewegs, der etliche tausend km Fahrweg einsparen würde, nicht vordringlich gearbeitet wird.

Die Nordostpassage entlang der russischen Küste vom Nordatlantik nach Asien ist zwar nicht unumstritten unter russischem Einfluss, aber niemand macht ernsthafte Anstalten, das zu ändern. Dieser ebenfalls tausende km einsparende Seeweg ist kommerziell befahren worden. Erstes Schiff

war die deutsche „Beluga“, was ein erstauntes „Oha“ bei den Zuhörern hervorrief, denn dem damaligen und hier im Norden sehr bekannten Reeder wird derzeit in Bremen (aus anderen Gründen) der Prozess gemacht. Die Reise gelang mithilfe eines der gewaltigen atomgetriebenen russischen Eisbrecher, von denen ca 50 in Fahrt sind. Alle weiteren Anrainer zusammen kommen übrigens auf ein Zehntel dieser Flotte. Die „Bremen“, ein Kreuzfahrtschiff mit Hauptziel Arktis, benötigt ebenfalls immer russische Eisbrecherhilfe – die Kosten einer Havarie wären immens, wie sich am Beispiel der Rettung der havarierten Kreuzfahrer in der Antarktis vor einiger Zeit ablesen lässt.

Fazit: es hängt von der weiteren Klimaentwicklung und der Entscheidung des UNO-Gremiums ab, ob und wie die Arktis, die ja kein Kontinent, sondern ein eisbedecktes Meer ist, wirklicher Zankapfel wird.

Dr. Wipperfürth ging noch auf die Sanktionen gegen Russland ein. Nach seinem Eindruck will die EU die Sanktionen auslaufen lassen. Seine Behauptung, wie denn dieses Signal in der Welt, vor allem vom Iran und Indien, aufgenommen würde, nämlich als Schwanzeinkneifen der Europäer, führte zu einem regen Frage –und Antwortspiel und einem abschließenden kräftigen Applaus.

 
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