Nachschau - Veranstaltung am 28.10.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Das System Putin

Referent:

Boris Reitschuster

Journalist und Buchautor
bis Februar 2015 Leiter des Moskauer FOCUS - Büros
 

am Mittwoch, 28. Oktober 2015, 19.30 Uhr
in der „Oase Haus Adelheide“ (Soldatenheim)
(vor Feldwebel-Lilienthal-Kaserne)
Abernettistraße 43, Delmenhorst

 

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vom 29.10.2015

„Russland wird zerfallen“

Journalist spricht in Delmenhorst über das „System Putin“

Von Alexander Schnackenburg
Boris Reitschuster - Foto: Alexander Schnackenburg

Delmenhorst. Boris Reitschusters Prognose für Russland unter Wladimir Putin fällt eindeutig aus: „Es wird zerfallen“, erklärte der langjährige Moskau-Korrespondent der Zeitschrift „Focus“ am Mittwochabend seinen rund 180 Zuhörern im Haus Adelheide. Unter dem Titel „Das System Putin“ hatte Reitschuster dort die aktuelle Lage des Landes skizziert und mögliche Erklärungen in den Raum gestellt.

Ausgesprochen scharf äußerte er sich im Zuge dessen über deutsche „Russland-Versteher“, die zumindest eine Teilschuld etwa für die Ukraine-Krise im Westen suchten – und Putin somit entlasteten. „Wenn man Russland liebt, muss man diese Diktatur kritisieren“, stellte er klar, um so dann Parallelen zum System Putin und jenem Stalins aufzuzeigen. Beide hätten eine Politik der Angst in Russland etabliert, welches die Menschen dazu zwinge, beziehungsweise gezwungen habe, mit ihren persönlichen Ansichten hinterm Berg zu halten.

Politik der Angst als Parallele zwischen Stalin und Putin

Aufgrund der langen Tradition dieser Einschüchterungsmethodik in seinem Umfeld, könne sich der Russe per se in der Praxis oft gar nicht vorstellen, dass es so etwas wie Meinungsfreiheit und Menschenrechte andernorts tatsächlich gebe. Er sei vielmehr geneigt, der russischen Propaganda zu glauben, die derartige Grundwerte als Erfindung oder gar Hirngespinst des Westens darstelle.

Kritische Oligarchen kaltgestellt, Zahl der Milliardäre dennoch gestiegen

Reitschuster betonte immer wieder, wie schlecht es der russischen Bevölkerung aktuell gehe. So habe Putin keinesfalls, wie ihm hierzulande oft zugutegehalten werde, mit den Oligarchen aufgeräumt. Er habe vielmehr drei von ihnen kaltgestellt, nämlich jene, die sich als seine Kritiker entpuppt hätten. Die Gesamtzahl der Oligarchen aber sei in Russland unter Putin gestiegen, 35 Prozent des Volksvermögens lägen in der Hand von 110 Milliardären.

Kapitalflucht, Apathie der Behörden, der Zusammenbruch droht

Zur rasant fortschreitenden Umverteilung von unten nach oben komme hinzu, dass die Oberschicht ihr Kapital außer Landes schaffe. Auch arbeiteten die Behörden und Parlamente, denen es aufgrund der langjährigen Einschüchterungspolitik Putins an entscheidungsfreudigen Führungskräften fehle, mittlerweile so schlecht, dass selbst die bestehende, rudimentäre Gesellschaftsordnung zusammen zu brechen drohe. Die Folgen seien nicht absehbar, manch Intellektueller gehe mittelfristig von einem Bürgerkrieg in Russland aus.

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