Nachschau - Veranstaltung am 15.10.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Pazifisches Jahrhundert –
Keine Entspannung im Inselstreit

Referent:

Dr. Felix Heiduk

Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Stiftung
Wissenschaft und Politik (SWP) - Forschungsgruppe Asien
 
Foto: SWP
 

am Donnerstag, 15. Oktober 2015, 19:00 Uhr

im EWE – Kundencenter Bremervörde
Marktstr. 20, - rückwärtiger Eingang –, Bremervörde

 

*****

 
vom 24.10.2015

Kein Ende im Inselstreit in Sicht

Vortrag der Gesellschaft für Sicherheitspolitik: Lage im Südchinesischen Meer sorgt weiterhin für Konflikte in Ost-Südostasien

Dr. Felix Heiduk (links), Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), referierte in Bremervörde über die Situation im Südchinesischen Meer. - Foto: Kück

Bremervörde. Das Klima hat sich wieder verbessert, aber es ist noch keine echte Entspannung im Inselstreit zwischen China und den Anrainerstaaten im Südchinesischen Meer zu erkennen. Dies wurde kürzlich bei einem Vortrag im EWE-Kundencenter Bremervörde deutlich, zu dem die Sektion Elbe-Weser der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) und der Kreisverband des Reservistenverbandes eingeladen hatten. Zum Thema referierte mit Dr. Felix Heiduk von der Stiftung Wissenschaft und Politik aus Berlin ein versierter Fachmann. Heiduk stellte eingangs seines Vortrages das Problem des Inselstreites vor. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem zwei Inselgruppen: die Paracel- und die Spratley-Inseln, die aus mehreren dutzend unbewohnter Inselchen und Riffe, Felsen und Sandbänken bestehen. Um diese meist nur wenige 100 Quadratmeter großen Eilande stünden mit China, Taiwan, Vietnam, Malaysia, den Philippinen und Brunei gleich sechs Anrainerstaaten des Südchinesischen Meeres im Konflikt.

China, so der Experte, habe sieben dieser Inselchen mit massiven Sandaufschüttungen zu mehreren Quadratkilometer großen Inseln mit Startbahnen, Häfen und Gebäudebestand ausgebaut. Damit stehe China aber nicht allein da, denn auch die anderen Staaten hätten ähnliche Projekte geschaffen und teilweise sogar Militär dort stationiert.

„China ist derzeit nach aktuellem Stand für 95 Prozent aller Aufschüttungen verantwortlich“, führte Felix Heiduk aus. Beobachter sprächen daher seit 2012 von einem „Wettrennen um das Südchinesische Meer“. Dr. Heiduk zeigte das an verschiedenen kleinen Beispielen auf. Konkret gehe es um überlappende Ansprüche auf Inseln und Gewässer. Aktuell geht es die chinesische „Neun-Punkte-Linie“, die für Aufsehen sorge. Geschaffen von der Nationalregierung unter Chiang Kai-shek im Jahr 1947, wurde sie von der Volksrepublik China unter Mao 1949 übernommen. Parallel besteht der Anspruch auch von Taiwan nach der Emigration von Chiang Kai-shek.

Rund 80 Prozent des rund 1,7 Millionen Quadratkilometer umfassenden Meeres werden von China beansprucht, womit die Wirtschaftszonen der anderen Anrainerstaaten laut Dr. Heiduk „eindeutig beschnitten“ würden. 2009 hatte China eine entsprechende Karte mit der Neun-Punkte-Linie bei den Vereinten Nationen eingereicht, um seine Ansprüche zu untermauern. Einen Tag später folgten die Philippinen und Vietnam. Alle begründeten ihre Ansprüche mit altem Kartenmaterial.

Vietnam führte als Nachfolgestaat von Französisch-Indochina seine Ansprüche auf Grundlage historischer Besitzungen an. Dr. Heiduk führte weiter aus, dass es aber um mehr als nur territoriale oder maritime Dispute gehe. Vielmehr seien auch die ertragsreichen Fischereigründe, Öl- und Gasvorkommen sowie die Handelsrouten als Motivation zu nennen. Auch wenn der Konflikt auf den ersten Blick regional begrenzt scheine, habe er auch eine geopolitische Dimension. Der Referent führte zum einen den Aufstieg Chinas und das Konzept der maritimen Seidenstraße ins Feld, auf der anderen Seite den „Schwenk in der amerikanischen Außenpolitik“ mit stärkerer Hinwendung zu Asien. Dieser sei bislang hauptsächlich auf die Vertiefung und Modernisierung bestehender militärischer Allianzen mit Thailand und den Philippinen begründet gewesen. Nunmehr stünden auch die Stärkung bestehender Allianzen und die Vertiefung der Beziehungen zu aufstrebenden Mächten wie China sowie der Ausbau des US Handels und die Stärkung multilateraler Institutionen auf dem Programm.

Abschließend erörterte Dr. Heiduk mögliche Zukunftsperspektiven. Bei der Frage nach einer möglichen Kriegsgefahr im Südchinesischen Meer sieht er derzeit keinen Automatismus. Dennoch gebe es Risikofaktoren, denn in fast allen Staaten der Region wüchsen die Rüstungshaushalte. Das führe dazu, dass die Bemühungen zur Verbesserung der eigenen Verteidigungskapazitäten von der Gegenseite als expansiv motiviert wahrgenommen würden. Letztendlich könne dies zu einem Rüstungswettlauf und einer verstärkten politischen Instabilität führen.

Nach wie vor seien aber die USA aus militärischer Sicht immer noch die stärkste Kraft in dieser Region. Demgegenüber sei selbst China „immer noch ein Zwerg“. Trotz allem bestünde durchaus das Risiko einer direkten Konfrontation zwischen der US-Navy und Chinas Marine, wenn es um die Nutzung des Südchinesischen Meeres geht, das die USA als internationales Gewässer ansehen. Denn das Gebiet sei für den weltweiten Handel einer der wichtigsten Schifffahrtswege, von dem viele Staaten, nicht nur im asiatischen Raum, abhängig seien. Dr. Heiduk: „Bislang gab es keine ernsten Zwischenfälle, aber ein waghalsiges Manöver könnte zu einer Vertiefung der Spannungen führen.“ - (hdk)

Nach oben Zurück