Nachschau - Veranstaltung am 18.02.2016

 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Kann man den Medien noch vertrauen?
Ein Plädoyer für Qualitätsjournalismus

Referentin:

Gemma Pörzgen

Journalistin
 

Öffentliche Veranstaltung

 

am Donnerstag, 18. Februar 2016, 19:00 Uhr

im EWE – Kundencenter
Marktstr. 20, Bremervörde
(rückwärtiger Eingang)

 

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Schülerveranstaltung

 

am Freitag, 19. Februar 2016

im Gymnasium Bremervörde
Tetjus-Tügel-Straße 9, 27432 Bremervörde

 

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vom 26.02.2016

Facebook oder Tageszeitung?

Journalistin Gemma Pörzgen diskutiert mit Schülern des Bremervörder Gymnasiums über Medien

Von Theo Bick

Bremervörde. Wie sicher sind Jugendliche heutzutage noch im Umgang mit Medien? Und welche Quellen nutzen sie, um sie über aktuelle Themen zu informieren? Diese und weitere Fragen diskutierte die Journalistin Gemma Pörzgen am Freitag mit einer Gruppe Schülerinnen und Schüler des Bremervörder Gymnasiums. Als Einleitung für den Diskussionsteil legte Pörzgen in ihrem Vortrag „Kann man den Medien noch vertrauen? Ein Plädoyer für den Qualitätsjournalismus“ ihre Sicht auf die deutsche Medienlandschaft dar.

Als Einstieg in ihren Vortrag bediente sich Pörzgen der Schilderung eines Klischees. Die Rolle des Journalisten sei in deutschen Fernseh-Krimis – etwa im „Tatort“ – fast immer dieselbe: die des aufdringlichen Störenfriedes, der die aufrechten Ermittler bei ihrer Arbeit nervt und schlimmstenfalls behindert. Dabei seien freie und unabhängige Medien ein „Grundpfeiler unserer Demokratie“, führte Pörzgen aus. Doch diese für Deutschland jahrzehntelang gültige Erkenntnis gehe immer mehr verloren, sagte die Journalistin mit Blick auf 22 Übergriffe auf Berufskollegen im Jahr 2015 in Deutschland und den inflationären Gebrauch des Begriffs „Lügenpresse“.

Dabei sei die Medienschelte in den letzten Jahren keineswegs ein Phänomen bei Randgruppen, sondern komme vermehrt aus der gesellschaftlichen Mitte. Nicht immer zu unrecht, wie Pörzgen eingestand. So bezeichnete die 54-Jährige die trotz anfangs sehr dürftiger Quellenlage reißerische und extrem umfangreiche Berichterstattung über den Germanwings-Absturz als „Tiefpunkt der Branche“. Der Vorfall verdeutliche jedoch die Tendenz zu einer monothematischen Berichterstattung, bei der einzelne Großthemen alle anderen in den Medien überlagerten oder verdrängten.

Auch hätten speziell die Printmedien aus Kostengründen viele Korrespondentenstellen abbauen müssen und beschränkten sich bei der Auslandsberichterstattung notgedrungen auf Krisen, Kriege und Naturkatastrophen. Der Wert von Informationen sei zudem immer stärker vom Grat ihrer Unterhaltung abhängig.

Dennoch gilt laut Pörzgen: „Es gibt immer noch hervorragende Medien wie die SZ, die FAZ oder professionelle Lokalzeitungen.“ Und es lohne sich, dafür Geld auszugeben, wandte sich Pörzgen an die Schüler. „Ich werbe um Euer Vertrauen“, so Pörzgen.

Unverändert wichtig, zu lesen

Eher schleppend verlief der Einstieg in die anschließende Diskussion zwischen Schülern und Referentin. Als letztere jedoch wiederholt vom Umgang und Kontakt ihrer beiden Töchter im Teenager-Alter mit der heutigen Medienlandschaft berichtete, tauten die Jugendlichen etwas auf. „Es ist unverändert wichtig zu lesen“, machte sich Pörzgen für den Printjournalismus stark, als deutlich wurde, dass Informationen über das politische Geschehen – wenn überhaupt – häufig stark verkürzt und ohne die Quelle zu hinterfragen über die so genannten sozialen Medien wahrgenommen werden.

Zwar sei die große Vielfalt in der Medienlandschaft generell ein Vorteil und die Auswahl des Lieblingsmediums Geschmackssache. Ein Zeitungsartikel allerdings beleuchte eine bestimmte Thematik in der Regel detaillierter als ein kurzer TV-Beitrag oder ein kurzes Facebook-Statement. Und speziell komplizierte Themen bedürften in der Regel einer ausführlicheren Betrachtung, erwiderte die Journalistin auf den Einwand einer Schülerin, Zeitungsartikel seien oft kompliziert und schwer verständlich.

Das Verständnis von Artikeln und komplizierten Sachverhalten gelte es sich durch regelmäßige Lektüre zu erarbeiten, sagte die Referentin und versprach gleichzeitig: „Es lohnt sich.“ Pörzgen ging sogar noch weiter: „Als Bürger und später Erwachsener mit Wahlrecht habt ihr die Pflicht, euch ausreichend zu informieren.“

Organisiert wurde der Vortrag von Gemma Pörzgen am Gymnasium Bremervörde auf Initiative der Sektion Elbe-Weser der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, Kreisgeschäftsstelle Rotenburg. Auf deren Einladung hatte die Journalistin bereits einen Tag zuvor im Bremervörder Kundencenter der EWE ihren Vortrag gehalten und mit politisch interessieren Bürgerinnen und Bürgern diskutiert.


Zur Person:

Gemma Pörzgen (54), wohnhaft in Berlin, ist Journalistin mit Osteuropa-Schwerpunkt. Sie wuchs in Moskau auf und studierte Politikwissenschaften und Slawistik.

Nach einigen Jahren als Nachrichtenredakteurin bei der Frankfurter Rundschau arbeitete sie als Auslandskorrespondentin in Südosteuropa und in Israel/Palästina.

Vor mehr als 20 Jahren gründete sie mit Kollegen die deutsche Sektion von „Reporter ohne Grenzen“, deren ehrenamtliches Vorstandsmitglied sie seit mehreren Jahren ist.

Quelle: www.gemma-poerzgen.de

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