Nachschau - Veranstaltung am 19.01.2016

 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Schiiten, Sunniten, Alaviten -

die Konfliktparteien im
gegenwärtigen Krisenherd des Nahen Ostens

Referent:

Dr. Michael Többens M.A.

Religionswissenschaftler
 

am Dienstag, 19. Januar 2016, 19:00 Uhr

im EWE – Kundencenter
Marktstr. 20, Bremervörde
(rückwärtiger Eingang)

 

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vom 24.01.2016

Vom Glauben und der Seele der Frau

„Sunniten, Schiiten und Alawiten - den Konfliktparteien im Nahen Osten“

Von Aranka Szabó

Bremervörde. Die diesjährige Vortragsreihe der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und des Deutschen Reservistenverbandes begann mit dem Thema „Sunniten, Schiiten, Alawiten - Die Konfliktparteien im Nahem Osten“. Der Vortrag des Religionswissenschaftlers Dr. Michael Többens erfüllte die Erwartungen der mehr als 100 Gäste nicht.

Muss man die verschiedenen Ausrichtungen des Islams kennen, wenn es um den Syrien- und Irakkonflikt geht? Eigentlich nicht, denn, so sagte der Religionswissenschaftler Dr. Michael Többens bei seinem Vortrag bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik im EWE-Center, „es geht um Macht und nicht um Religion.“ Die unterschiedlichen Machtinteressen nutzen die unterschiedlichen islamischen Glaubensrichtungen, um sie gegeneinander ausspielen zu können.

Dennoch gab Többens einen Überblick über die Geschichte des Islams und die Inhalte der unterschiedlichen muslimischen Glaubensrichtungen der Sunniten, Schiiten und dem Schiismus verwandten Alawiten und zeigte teils geringe Gemeinsamkeiten der muslimischen Strömungen auf, mit der Feststellung: „Es gibt nicht den Islam“.

Um den Syrienkonflikt zu verstehen, ist dieses Wissens wichtig, denn die Alawiten, die gerade einmal zehn Prozent der Bevölkerung stellen, herrschen in Syrien. Andersgläubige, seien es sunnitische Muslime oder Christen, werden diskriminiert, bespitzelt, verfolgt und gefoltert. Da blieb es für die Zuhörer unverständlich, weshalb es in diesem Zusammenhang wichtig ist zu wissen, dass die Sunniten Alawiten für Ketzer halten.

Der Vortrag blieb lückenhaft und trug mit dahingestellten Aussagen nicht dazu bei, den Islam objektiv zu beschreiben. Etwa, als Többens darauf hinwies, dass Christen (und Juden. Anm. d. Redaktion) teils in muslimischen Staaten zu einer Kopfsteuer gezwungen werden, um in Frieden leben zu können. Unerwähnt blieb, dass auch im christlichen Europa Juden lange eine ähnliche Steuer für ihren Schutz zahlen mussten, wie etwa die Reichssteuer.

Auch die Aussage, dass Frauen im Islam keine Seele hätten, sorgte für Aufsehen. Wer sich mit dem Islam beschäftigt hat, weiß, dass im Islam Frauen vor Gott gleichwertig, wenn auch nicht gleichberechtigt, sind. Auch hier fehlte ein kritischer Hinweis auf das Christentum. Während im Islam die Seele der Frau nie zur Diskussion stand, wurde sie im Christentum durchaus in Frage gestellt.

Ungenau war die Erklärung, wie der Aufstand in Syrien begonnen hat. Schulkinder schrieben nicht, dass Volk wolle den Untergang des Präsidenten Assads, sondern den Untergang des Regimes, bei dem das alawitische Regime durch Vetternwirtschaft, Geheimdienste und Korruption ihre Macht erhält.

Viele Zuhörer blieben nicht zur abschließenden Diskussionsrunde.

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