Nachschau - Veranstaltung am 23.02.2017

 
 
 

Sicherheitspolitisches Eintagesseminar

zum Thema

Quo Vadis – Türkei?

 
Referent:

Dr. Ralf Bambach

Privatdozent, Politikwissenschaftler und Philosoph, Hamburg
 

am Donnerstag, 23. Februar 2017, 09:00 Uhr – 17:00 Uhr

im OSTEL Jugendhotel
Feldstraße 9, 27432 Bremervörde

 
Foto: Monsees
 

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vom 04.03.2017

„Quo Vadis, Türkei?“

Tagesseminar der Gesellschaft für Sicherheitspolitik im „Ostel“

Dr. Ralf Bambach - Foto: bz

Bremervörde. Die abendlichen Veranstaltungen und Vorträge (siehe Artikel rechts) der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) haben längst einen festen Platz im Bremervörder Veranstaltungskalender. Kürzlich hat die GSP zum ersten Mal ein Tagesseminar durchgeführt, das in den Räumlichkeiten des „Ostel“ Jugendhotels stattfand. Der Titel des Seminars lautete: „Quo Vadis, Türkei?“.

Rund 20 Gäste waren dabei, als Referent Dr. Ralf Bambach, Politologe und Philosoph, in vier Abschnitten einen weiten Bogen von der Entwicklung der modernen Türkei aus dem Osmanischen Reich, das seinerseits aus dem zerfallenen byzantinischen Reich hervorgegangen war, über die Jungtürkische Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg und der türkischen Allianz mit dem deutschen Kaiserreich bis hin zur konsequenten Westorientierung Kemal Atatürks schlug. Laut Dr. Bambach betrieb Atatürk die einzige erfolgreiche Kulturrevolution des Landes – angefangen bei der Errichtung eines republikanischen Staates und endend bei der Einführung von Familiennamen.

Die Türkei war niemals eine Kolonie, jedoch steht sie im Fokus geopolitscher Interessen zwischen dem Westen und Russland, die von je her nach Zugängen zu strategisch bedeutsamen Seegebieten strebten. Dabei muss die Türkei gewisse geografische Zwänge, wie beispielsweise ein fast völliges Fehlen eigener Energiequellen oder kommerziell nicht schiffbarer Wasserstraßen, durch ein geschicktes Ausnutzen seiner Position im internationalen Geflecht ausgleichen, um als Einheit bestehen und die Verheißung, Teilnehmer im europäischen Konzert zu sein, wahr werden lassen zu können.

Zwischen den Ausführungen des Experten gab es stets die Gelegenheit, untereinander oder mit dem Referenten zu diskutieren. Von besonders großem Interesse waren für die Seminarteilnehmer die aktuellen Entwicklungen in der Türkei und in Europa.

Erdogan genieße ein hohes Ansehen in der türkischen Bevölkerung, was er sich unter anderem durch immense Investitionen in die Infrastruktur, den Bau von Schulen, Straßen und Krankenhäusern gerade in ländlichen Gebieten erworben habe, so der Experte. Somit ließen sich die politischen Erfolge Erdogans mit einem Neo-Osmanismus einerseits und handfesten Vorteilen andererseits erklären. Doch Erdogan – laut Bambach ein Realpolitiker, der zumindest den Vorteil biete, dass man mit ihm im Gegensatz zu anderen politischen Geistern, die sich weltweit an der Macht befinden, verhandeln könne – sehe seine Erfolgsaussichten gefährdet.

Die jüngsten Wahlen hätten dem türkischen Präsidenten keine verbesserte Position eingebracht, so dass er mit anderen, nicht immer unbedingt demokratischen Mitteln, versuche, seine Macht zu festigen und auszubauen. Den Einfluss des Militärs, das sich nicht wie in Deutschland dem Primat der Politik unterordnete, sondern sich als Wächter der Demokratie verstand, scheint Erdogan entscheidend beschnitten zu haben.

In Deutschland leben drei Millionen türkischstämmige Menschen, die für Erdogan potentielle Wähler darstellen. Es sei daher keine Überraschung, dass er versuche, den Wahlkampf nach Deutschland zu tragen, so Bambach. Neben der Frage des Umganges mit Erdogan als Autokraten stelle sich somit auch die Frage, wie man mit diesem Ansinnen umgehen soll, ohne dabei demokratische Prinzipien wie Versammlungsfreiheit oder das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verletzen. Der Referent: „Klar ist, die Türkei hatte schon seit jeher Bedeutung für Europa, und wir können und dürfen diese nicht ignorieren“.

Ist Ausgrenzung besser statt Dialog, und würde sie am Ende wirklich denjenigen nützen, denen wir helfen zu wollen vorgeben? In der Konsequenz lautet möglicherweise die eigentliche Frage des GSP-Seminares vielleicht vielmehr: „Quo Vadis, Europa?“ (bz)

 
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