Nachschau - Veranstaltung am 17.09.2014

 
vom 23.09.2014

Religiöse Gewalt bis zum Endpunkt

Krisen-Experte spricht im Kreishaus über die komplizierte und gefährliche Situation im Irak und in Syrien

Von Hendrik Roß

Die Truppen der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) sorgen bald jeden Tag für Schlagzeilen: ob durch schwere Kämpfe im Irak und Syrien oder veröffentlichte Videos von Enthauptungen. Wie soll die westliche Welt auf die schreckliche Gewalt im Nahen Osten reagieren?

Die Goslarer Sektion der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik hat sich des Themas angenommen und einen Experten für internationale Krisen eingeladen. Dr. Heinrich Heiter, Politikwissenschaftler, war vierzehn Jahre Leiter der Politischen Bildungsstätte Helmstedt und beschäftigt sich seit Ende der 1990er Jahre intensiv mit den Entwicklungen im Nahen Osten. Er versuchte, die komplexe Situation, die sich in den vergangenen Jahren und Monaten dort entwickelt hat, etwas zu strukturieren und den 60 Menschen, die ihm im Kreishaus zuhörten und mit ihm diskutierten, die Zusammenhänge verständlicher zu machen – welche Gefahr geht von IS für Syrien und den Irak aus?

Stand 2.9. - Quelle: Institute for the study of war

Die Organisation

IS, ISIS, ISIL – der Name der sunnitischen Terror-Organisation, die im Irak und in Syrien kämpft, hat sich verändert. Entstanden sei die Gruppe 2006 im Zuge des Widerstands gegen die US-Invasion in den Irak. „Nach Ausrufung des islamischen Kalifats nennt sich die Gruppe Islamischer Staat (IS)“, erklärte Heiter. Das war Ende Juni. Davor sprach man vor allem von ISIS, was für islamischer Staat im Irak und Syrien steht. ISIL, was vor allem im englischen Sprachraum eine gebräuchliche Abkürzung sei, steht für Islamischer Staat im Irak und in der Levante. Die syrische Stadt Rakka sei das Zentrum des IS und soll Hauptstadt des islamischen Kalifats werden. „Man darf sich nicht vorstellen, dort herrscht nur Anarchie“, erklärte Politikwissenschaftler Heiter. Der IS suche nicht nur militärische Auseinandersetzungen, „sie versuchen, gesellschaftliche Strukturen aufzubauen.“ Allerdings mit einem Weltbild, das für uns unmöglich zu verstehen sei. Es gehe ihnen nicht um Unterwerfung, sondern die Ausrottung der aus ihrer Sicht Ungläubigen – „religiöse Gewalt bis zum Endpunkt“, wie Heiter es nannte.

Wie sich die Terror-Gruppe finanziert, könne zum Großteil nur spekuliert werden. „Ein erheblicher Teil kommt wohl aus Lösegeldern“, meinte Heiter. Für den vor Kurzem von IS-Kämpfern hingerichteten US-Jornalisten James Foley sollen 100 Millionen Dollar gefordert worden sein. „Die Amerikaner bezahlen nicht, die Europäer wohl schon“, so Heiter. Weitere Gelder sollen durch Schutzgelder und den Erlös aus Ölverkäufen fließen. Heiter sprach außerdem von „religiösen Stiftungen“, die Geld aus dem anliegenden arabischen Ausland beschaffen.

Die Situation im Irak

Der Irak sei mittlerweile dreigeteilt, beschrieb Heiter die heikle Situation. Vor allem um Baghdad herum habe sich die irakische Armee positioniert, entlang der Flüsse Euphrat und Tigris hätte der IS seine Vormachtstellung ausgebaut. Und dann gibt es noch die Kurden im Norden. „Es gibt Schätzungen, dass insgesamt 35 Millionen Kurden im Irak, dem Iran, der Türkei und Syrien leben“, beschreibt Heiter. Einen kurdischen Staat gebe es indes nicht. Heiter: „Das bietet natürlich Nährboden für Konflikte.“ Die Peschmerga, die Armee der Kurden, kämpfe also nicht nur gegen den IS, sondern auch für Autonomie. „Es ist auch ein Problem, dass sie vom Westen lange überschätzt wurde.“ Im Irak unterstützen die USA den Kampf gegen IS mit Luftangriffen.

Die Situation in Syrien

In Syrien ist es bald noch komplizierter: Präsident Baschar al-Assad kämpft seit Jahren um die Macht in seinem Land. Doch: „Die Rebellen sind am Ende“, sagte Heinrich Heiter. Anfangs habe Assad den Kampf zwischen IS-Truppen und den syrischen Rebellen eher abwartend betrachtet. IS soll Syrien sogar Öl aus einer eroberten syrischen Quelle verkauft haben. Doch mittlerweile habe sich das strategische Umfeld verändert, sagte Heiter: „Assad bietet den Amerikanern zwar seine Hilfe an.“ Einen US-Alleingang wie im Irak lehne er allerdings ab.

 
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