Nachschau - Veranstaltung am 20.04.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Friedens(t)räume mit Gebet oder Gewehr verwirklichen?

Referent:

Militärpfarrer Martin Hüfken

Ev. Militärpfarrer an der Unteroffiziersschule des Heeres, Delitzsch
 

am Montag, 20. April 2015, 19.00 Uhr
im großen Sitzungssaal des Kreishauses
Klubgartenstraße 6, 38640 Goslar

 

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vom 22.04.2015

Kann es gerechten Frieden ohne Gewalt geben?

Militärpfarrer Martin Hüfken spricht bei der Sicherheitspolitischen Partnerschaft Goslar über den Konflikt zwischen Gebet und Gewehr

Von Hendrik Roß

Goslar. Militärpfarrer Martin Hüfken beginnt seinen Vortrag mit einer Geschichte: Im Jahr 1526 habe ein Soldat Martin Luther gefragt, ob „Kriegsmänner“ überhaupt in den Himmel kommen können. Luther soll sinngemäß geantwortet haben: „Ja, wenn ihr Krieg gerecht ist“. Ähnlich wird auch heute noch argumentiert.

Die Sicherheitspolitische Partnerschaft Goslar hatte zu einem Vortrag des evangelischen Geistlichen eingeladen. „Friedens(t)räume mit Gebet oder Gewehr verwirklichen“ hat er seinen Vortrag genannt. Im Kern geht es um die Frage: Wie kann man einen gerechten Frieden schaffen?

Hüfken, der seit 2010 als Militärpfarrer an der Unteroffiziersschule des Heeres in Delitzsch arbeitet, nennt vier Kriterien: zum einen den „Schutz vor Gewalt“, die „Förderung von Freiheit“, den „Abbau von Not“ und die „Anerkennung kultureller Vielfalt“. Das alles müsse gegeben sein, um von „gerechtem“ Frieden sprechen zu können.

Auch die Bundeswehr leiste dafür ihren Beitrag, notfalls auch mit Gewalt. Eine völlige Abwesenheit von Gewalt könne es sowieso nicht geben. „Aber es kommt darauf an, wer die Gewalt ausübt“, sagt der Pfarrer. Es müsse eine Gewaltenteilung geben, niemand dürfe zu viel Macht besitzen. Seine Aufgabe als Militärseelsorger sei es, den Soldaten zu innerem Frieden zu verhelfen – das „Gewissen schärfen und trösten“, wie er es nennt. Nur so könnten sie sich auch für einen gerechten Frieden im Äußeren einsetzen.

In seinem Arbeitsalltag trifft Hüfken auf verschiedenste Problemlagen. „Die Bundeswehr ist ein Abbild unserer Gesellschaft, die Probleme sind die gleichen“, sagt er. Stress in der Beziehung, Schulden, Sucht – alles Dinge, mit denen auch Soldaten zu kämpfen haben. Im Auslandseinsatz - Hüfken war mehrere Monate in Afghanistan – sei das Bedürfnis nach Seelsorge noch um ein Vielfaches höher.

Im lebenskundlichen Unterricht werden an der Unteroffiziersschule Themen wie Leben und Tod oder unterschiedliche Menschenbilder diskutiert. Auch bei der Bundeswehr treffen schon einmal verschiedene Weltanschauungen aufeinander. „Es ist bereits vorgekommen, dass ein Moslem aus Palästina plötzlich neben einem Juden sitzt und beide tragen die gleiche Uniform“, erzählt Hüfken. Da sei es wichtig, interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln.

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