Nachschau - Veranstaltung am 22.10.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Der Westen, Russland
und die Weltpolitik

Referent:

Dr. Christian Wipperfürth

Publizist zur russischen Außen- und Energiepolitik
 
Foto: cwipperfuerth.de
 

am Donnerstag, 22. Oktober 2015, 19:00 Uhr (!)
im Gorch-Fock-Haus
Viktoriastr. 15, Wilhelmshaven

 

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vom 25.10.2015

Experte: „Russland will respektiert werden“

Ein Historiker warf Schlaglichter auf Verhalten der Regierung in Moskau

WILHELMSHAVEN /IO - Warum die russische Regierung sich in den aktuellen politischen Krisen verhält, wie es sich eben verhält, das fragen sich viele Bürger in den westlichen Ländern. Annexion der Krim, Unterstützung für Syriens Präsident Baschar al-Assad – bei vielen löst das Vorgehen von Russlands Präsident Wladimir Putin Kopfschütteln aus.

Der Russland-Experte Dr. Christian Wipperfürth aus Berlin hat dazu am Donnerstagabend im Gorch-Fock-Haus unter anderem diese These aufgestellt: Russland will provozieren. Es sei weltweit die einzige relevante Stimme, die sich lautstark gegen die Politik und den Machtanspruch der westlichen Staaten erheben könne und nutze das auch aus. Wer dabei im einzelnen Regierungschef in Syrien sei, so Wipperfürth, das sei der Regierung in Moskau ziemlich gleichgültig.

Der Wunsch zu provozieren sei dabei auch Folge der Sanktionspolitik der Europäer und der Amerikaner im Zuge der Ukraine-Krise; denn die Sanktionen träfen die russische Wirtschaft empfindlich, sagt der Experte. Die Unternehmen dort seien für ihre Finanzierung zum großen Teil auf westliche Banken angewiesen. Die eigenen Finanzinstitute seien kaum in der Lage, den Firmen ausreichend hohe Kredite zu gewähren.

„Auf der russischen Seite gibt es ein großes Bedürfnis, respektiert zu werden“, so Wipperfürth. Wenn Russland aber das Gefühl habe, nicht respektiert zu werden, so wolle es doch jedenfalls gefürchtet werden.

Weltpolitisch betrachtet beschleunigten die Sanktionen die Entwicklung Russlands hin zu China, so der Experte. Das sei allerdings noch kein Partner-Ersatz für den Westen. Zum einen sei es nicht so hoch industrialisiert und zum anderen – ganz profan – fehlten auch die Verkehrswege. Tatsächlich würden etwa für Russland bestimmte chinesische Waren erst per Seeweg nach Europa transportiert, bevor es von hier aus dann über Land nach Russland gelange.

Wie also umgehen mit der russischen Regierung? Da bricht der Experte erstmal eine Lanze für die deutsche Außenpolitik: „Zwar wird nicht laut auf den Tisch gehauen, im Hintergrund spielt sich aber eine sehr stringente und effektive Politik ab.“

Wipperfürth regt im Umgang mit Russland eine entschlossene Haltung an. „Es sollte noch mehr Nato-Manöver geben und die Russen sollten zugucken können.“ Dann sei vielleicht eine Entspannungspolitik möglich.

Christian Wipperfürth sprach auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Wilhelmshaven-Friesland. Er selbst ist Historiker und Politikwissenschaftler, und wissenschaftlich mit der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin verbunden.

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