Nachschau - Veranstaltung am 04.05.2017

 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Ist der Islam noch zu retten?

 
Referent:

Hamed Abdel-Samad

Deutsch-ägyptischer Politikwissenschaftler und Erfolgsautor
 

am Donnerstag, 04. Mai 2017, 19:30 Uhr
in der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule
Pestalozzistraße, Geilenkirchen

 
Foto: Peter Wollring
 

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vom 09.05.2017

Flagge zeigen und Mut zur Demokratie beweisen

Hamed Abdel-Samad stellt sein Buch „Ist der Islam noch zu retten?“ vor. Referent steht unter Polizeischutz. Öffnung durch Integration der Kinder.

Von Dettmar Fischer
Herbert Wölfel, Sektionsleiter der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Sektion Aachen-Heinsberg, Referent Hamed Abdel-Samad, Dr. Ulla Louis-Nouvertné, stellvertretende VHS-Leiterin, und Burghard von Reumont, Regionalleiter Aachen-Düren-Heinsberg der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, (v.l.nr.) hatten zum Vortrag „Ist der Islam noch zu retten?“ in die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen eingeladen. Foto: defi

Geilenkirchen. Einen denkwürdigen Abend erlebten die Besucher einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem Politikwissenschaftler und Soziologen Hamed Abdel-Samad in der Aula der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in Geilenkirchen. Die Anton-Heinen- Volkshochschule des Kreises Heinsberg hatte in Kooperation mit der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Sektion Aachen- Heinsberg und der Deutschen Atlantischen Gesellschaft des Regionalkreises Aachen eingeladen.

200 Besucher waren der Einladung gefolgt. Oberst a.D. Herbert Wölfel, Sektionsleiter der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, lobte nach der zweistündigen Veranstaltung die Besucher. Sie hätten Mut zur Demokratie und Flagge gezeigt, ganz so, wie es der neue Bundespräsident gefordert habe.

Polizei in Zivil und Uniform

Was Wölfel mit Mut meinte, konnte der Besucher beim Betreten des Veranstaltungsraumes erahnen: Personenkontrollen und Polizeipräsenz in Zivil und Uniform.

Hamed Abdel-Samad reist seit vier Jahren nicht mehr allein. Gerade erst habe die Volkshochschule Konstanz, so erklärte Abdel- Samad, eine Veranstaltung mit ihm abgesagt. Dabei sei es doch nicht Aufgabe der Veranstalter, für seine und die Sicherheit der Besucher zu sorgen. LKA, Staatsschutz und örtliche Polizei würden diese Aufgabe übernehmen.

Der mehrfach wiederholte Dank der Veranstalter an die gastgebende Schule machte aber deutlich, dass es wohl keine gewöhnliche Veranstaltung war, die an diesem Abend in der Anita-Lichtenstein- Gesamtschule stattfand. Hamed Abdel-Samad hat ein bewegtes Leben hinter sich. Sein Wikipedia-Eintrag ist lang. Als Islamkritiker hat er sich einen Namen gemacht. Nach einem Vortrag in Kairo im Juni 2013 erhielt er Morddrohungen und steht seitdem unter Polizeischutz. Zusammen mit Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik, hat Hamed Abdel-Samad sein neues Buch verfasst: Ist der Islam noch zu retten? – Eine Streitschrift in 95 Thesen.

Eigentlich, so Abdel-Samad schmunzelnd, habe er ja eine Streitschrift in 114 Thesen, den 114 Suren des Korans entsprechend, schreiben wollen. Doch es sei nun mal Lutherjahr, da habe er halt nachgeben müssen. Hamed Abdel-Samad lebt seit 20 Jahren in Deutschland, studierte in München. Er schätzt die spirituelle Kraft des Islams. Er tritt aber für eine Trennung von Religion und Staat ein. Religionsunterricht ja, aber bitte nicht konfessionell gebunden.

Eine Öffnung der in Deutschland lebenden Familien aus islamischen Ländern, müsse über die Integration der Kinder erfolgen. Sie müssten die Freiheit haben, die das Grundgesetz in Deutschland allen Menschen zuspricht: die Freiheit, etwa am Schwimmunterricht teilzunehmen oder auf das Kopftuch zu verzichten. Engagiert forderte Abdel-Samad die Werte ein, die das Gesetz in seinen Artikeln beschreibt: 1. Die Würde des Menschen ist unantastbar, 2. Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, 3. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, und erst unter 4. folge: die Freiheit des Glaubens. Wenn man die ersten Artikel des Grundgesetzes befolge, dürfte es eigentlich auch mit Artikel 4 keine Probleme geben, argumentierte Abdel-Samad.

Schwieriger Dialog

In der Diskussionsrunde fragte eine junge Dame, wie sie muslimischen Frauen begegnen könne, die radikal für „ihre Rechte“ eintreten würden, etwa in Bezug auf das Kopftuch. Hier sehe sie sich schnell als Rassistin gebrandmarkt, erklärte die Fragerin. Da sei ein Dialog sicherlich schwierig, bekannte Abdel-Samad. Er verwies aber auf die „unglaubliche Belastung“, der diese jungen Menschen ausgesetzt seien. Zwischen den Ansprüchen der eigenen Familie und der westlichen Gesellschaft müssten sie ihren Weg finden. Der Dialog müsse zu Hause beginnen.

Der Dialog mit den „Anderen“ kam leider nicht in Schwung. Ein von Statur kleiner Syrer meldete sich höflich zu Wort. Er nannte seinen Namen. Er sei Muslim. Und er sagte, er wolle selbstverständlich nicht mit Abdel-Samad diskutieren. Wer aber Fragen an ihn habe, dem hinterlasse er gerne seine Telefonnummer.

 
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