Nachschau - Veranstaltung am 07.10.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

O tempora, o mores

(lat.„Was für Zeiten, was für Sitten“)

Die Überwachung des Internets durch amerikanische, britische
(und möglicherweise sonstige) Nachrichtendienste
und wie man dieser begegnen kann

Referent:

Volker Schardong

IT-Sicherheitsbeauftragter beim Landesbeauftragten
für den Datenschutz Rheinland Pfalz
 

am Mittwoch, 07. Oktober 2015, 19.30 Uhr
im Haus Basten
Konrad-Adenauer-Str. 118, Geilenkirchen

 

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vom 10.10.2015

Weg der Daten führt meist durch die USA

Vortrag des Sicherheitsbeauftragten Volker Schardong im Haus Basten über die Sicherheit von Daten im Internet. „Das Netz kennt alle Adressen.“

Geilenkirchen. „O tempora, o mores“ – der römische Staatsmann Cicero, der mit diesem Ausspruch den Werteverfall im alten Rom anprangerte, würde sich im Grabe drehen, wenn er den heutigen Umgang mit den im Internet transportierten Daten erleben würde. So Volker Schardong, Sicherheitsbeauftragter beim rheinland-pfälzischen Datenschutz, der auf Einladung der Volkshochschule und der Gesellschaft für Sicherheitspolitik im Haus Basten sprach und sein Referat unter das Cicero-Zitat gestellt hatte. Dass die Zuhörer, darunter der CDU Bundestagsabgeordnete Wilfried Oellers, einen spannenden Abend erlebten, lag wohl daran, dass der Referent als Techniker weniger auf juristische Spitzfindigkeiten als auf die Praxis des Datenverkehrs einging.

„Das Internet gibt es eigentlich gar nicht, vielmehr gibt es viele Netze, die Datenpakete transportieren“, stellte Schardong fest, und zwischen diesen Daten werde kommuniziert. Als vor mehr als 40 Jahren das Internet für die militärische Kommunikation in den USA erfunden wurde, habe das Thema Datensicherheit keine Rolle gespielt. Schardong: „Beim ersten VW Käfer hat auch niemand an Sicherheitsgurte gedacht“.

So richtig ins Bewusstsein sei das Thema erst seit den Snowden-Enthüllungen geraten. Für den interkontinentalen Datenverkehr umspannen viele unterseeische Kabel den Erdball – vor allem zwischen Südengland und den USA. „Der britische Geheimdienst lauscht, schließlich hat er die Kabel in seinem Vorgarten“, so der Referent. Auch die Absender- oder Empfängeradresse mit den E-Mail-Endungen „de“ für Deutschland könnten Lauschangriffe nicht verhindern, denn die meisten der benutzten Internet-Dienste lägen in den USA, und der Absender oder Empfänger von Daten habe keinen Einfluss auf den Weg oder Umweg, den die Daten nehmen. Das Netz werde immer den effizientesten Weg nehmen, und der führe meist durch die USA.

Am Beispiel der IP-Adressen schilderte Volker Schardong sowohl die künftige enorme Vergrößerung der Datenmenge als auch deren Angreifbarkeit. Schon jetzt gebe es bei gut sieben Milliarden Weltbewohnern 4,3 Milliarden IP Adressen, also Systemidentifizierungen. Mit der fortschreitenden Vernetzung von zum Beispiel Haushaltsgeräten werde ihre Anzahl sprunghaft auf eine unvorstellbar große Ziffer („mehr als Sandkörner auf der Erde“) ansteigen, „jeder Kühlschrank wird dann immer und eindeutig identifizierbar sein“. Das Netz, so Schardong weiter, kenne alle Adressen, und jeder Provider könne jeden Weg zurückverfolgen. Man könne versuchen, das schwieriger zu machen und mit verschiedenen Programmen den Inhalt zu schützen, aber zumindest wer mit wem kommuniziert habe, lasse sich immer feststellen.

Den verschiedenen Ausspähprogrammen vom Mithören bis zur automatisierten Suche nach Schlüsselwörtern könne man zum Beispiel den Datenfluss in „verschlossenen Containern“ entgegensetzen, womit zumindest der Inhalt geschützt sei. Seine Kollegen bei den Datenschützern hätten sicher viele gute Ideen, aber die Frage sei: „Wie sind die umsetzbar, ohne das Internet neu zu erfinden?“ Zurzeit bleibe allein die Möglichkeit, ständig die eigenen Verhaltensweisen bei der Nutzung des Netzes zu hinterfragen.

In diese Richtung wies auch die Diskussion, die sich an den ausführlichen Vortrag anschloss. Einer der Schwerpunkte dabei war die Frage, wie man die Problematik Kindern und Jugendlichen nahebringen kann. Hier seien auch die Schulen gefordert, hieß es in der Zuhörerrunde, und auch wenn Schulpolitik Landessache ist, bat man den Bundestagsabgeordneten, er möge sich für eine entsprechende Einwirkung auf die Kultusminister einsetzen.

Zugleich klang aber aus der Diskussion eine gewisse Resignation vor dem Hintergrund, dass viele auch eigentlich deutsche Internetdienste in den USA angesiedelt sind. „Letztlich“, so ein Fazit, „wird das alles über den Preis reguliert“. - (mh)

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