Nachschau - Veranstaltung am 24.02.2016

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Hacktivism

Auswirkungen von Cyberaktivitäten auf Industrie und Politik

Referent:

Oberstleutnant Volker Kozok

Technischer Referent in der Rechtsabteilung
des Bundesministeriums der Verteidigung
 

am Mittwoch, 24. Februar 2016, 19.30 Uhr
im Haus Basten
Konrad-Adenauer-Str.118, Geilenkirchen
(Eingang Friedlandplatz)

 

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vom 27.02.2016

„Hacktivism“ ist nicht nur strafbar, sondern auch gefährlich

Von Markus Bienwald
Volker Kozok ist einer der Sicherheitsexperten, wenn es um das Thema Hacker und Cyberkriminalität geht, und zeigte im Geilenkirchener Haus Basten kleine Einblicke in sein riesiges Fachwissen. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. „Locky“ ist derzeit ein nicht nur aktuelles, sondern auch gutes Beispiel dafür, wie so genannte „Hacker“, also Menschen, die mit voller und schlechter Absicht in Computer und EDV-Systeme eindringen, agieren. Was es abseits dieses populären Falls von unfreundlicher Datenübernahme und Erpressung auf dem PC so alles gibt, das zeigte Volker Kozok bei seinem Vortrag „Hacktivism“ auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Aachen/Heinsberg, und der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg nun im Haus Basten.

Gut 50 Interessierte waren gekommen, ob denen allerdings nur die Hälfte der vom Referenten gebrauchten Fachbegriffe bekannt waren, durfte bezweifelt werden. Das lag allerdings nicht an der Gästeschar, sondern eher am ausgesprochen fachspezifischen Thema. Kozok – seines Zeichens beruflich als Technischer Referent in der Rechtsabteilung des Verteidigungsministeriums beschäftigt – freute sich ausdrücklich, dass auch Frauen anwesend waren, „die trauen sich wenigstens, Fragen zu stellen“. So direkt und augenzwinkernd wie dieser Ausspruch war der Parforceritt mit dem Experten durch die Geschichte und Geschichten aus der Cyber-Kriminalität.

Eine Stunde war im Nu verflogen, und ob sich die Anwesenden grobe und kleinteilige Unterscheidungen zwischen Gruppen von Cyber-Aktivisten nun merkten, oder nicht, tat dem Informationsfluss keinerlei Abbruch. Im Gegenteil vermochten die vom Privatmann Kozok – er trat ausdrücklich als solcher vor das Mikrofon – locker eingebundenen Geschichten aus der Historie der elektronischen Kriminalität auch so Eindruck zu hinterlassen. Ein prominentes Beispiel dafür, dass selbst die Bosse größerer Sicherheitsunternehmen nicht davor gefeit sind, selbst zum Ziel von Hackerangriffen zu werden, hatte er auch parat. So drehte sich am Superbowl-Wochenende Anfang Februar 2011 nicht nur alles darum, das kühlste Bier und die größten Steaks zum amerikanischen Sportereignis schlechthin zu servieren. In der oft fälschlicherweise so bezeichneten „Netzgemeinde“, zu der laut Kozok übrigens alle Nutzer des Internets gehören, nicht nur Spezialisten oder Hacker, ging es um die Ankündigung eben jenes Sicherheitsexperten, Gesichter hinter der bekannten „Anonymous“-Gruppe von Netzaktivisten zu enthüllen. Aufgeschreckt von dieser Ankündigung ließen die Aktiven ihre in viele kleine Verzweigungen und kleinere Gruppen oder Einzelpersonen ausgeprägten, Hacker-„Muskeln“ spielen, kehrten den Spieß um, und ließen das Unternehmen, das sich auf Sicherheit von Computern und Netzwerken spezialisiert hatte, an nur zwei Tagen wie eine Seifenblase platzen.

Auch wenn der Referent durchaus Sympathie für die geballte Vorgehensweise der Aktivisten zeigte, stellte er als Fan eines starken Rechtsstaates mit kontrollierenden Instanzen die Illegalität solchen Handelns heraus. „Das ist kriminell“, betonte er. Wenig Zweifel ließ er allerdings auch daran aufkommen, ob das moderne Individuum in der aktuellen Informationsgesellschaft in der Lage sei, seine Kommunikation geheim zu halten. „Machen Sie sich keine Sorgen, die kriegen alles mit“, so der Experte in Bezug auf die vor allem aus und in den USA mittlerweile gebräuchlichen Vorgehensweisen. Klare Worte hatte er im Übrigen auch für diejenigen dabei, die meinen, dass Information mit Wissen zu verwechseln ist. „Wir leben in einer Informationsgesellschaft, nur durch Verfügbarkeit der Dinge wird sie noch lange nicht zur Wissensgesellschaft“, unterstrich Kozok.

Wie Freiwild verfügbar sind allerdings Identitäten von Menschen im Netz, und auch deren Wirkungsfelder und Aussagen, wie er noch demonstrierte. Denn das beliebte „googeln“ einer Person lieferte beim Referenten selbst nicht nur abstruse Wirkungsfelder, die er nie innehatte, ab, sondern zeigte auch auf, wie einmal getätigte Aussagen von manchen Protagonisten immer wieder in wahllosen Zusammenhängen eingefügt wurden. So bleibe das Internet unterm Strich zwar ein Quell endloser Daten und potenziell sicherlich auch gefährlich. „Aber nachts um drei im Stadtpark in Geilenkirchen spazieren zu gehen, kann genauso gefährlich sein, wenn sich dort dunkle Gestalten herumtreiben“, schloss er.

 
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