Nachschau - Veranstaltung am 26.08.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Afrika auf dem Sprung

Referent:

Dustin Dehéz

Politikberater und Publizist Manatee Global Advisors, Frankfurt
 

am Dienstag, 26. August 2015, 19.30 Uhr
im Haus Basten
Konrad-Adenauer-Str. 118, Geilenkirchen

 

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vom 31.08.2015

Die GSP erlaubte einen ganz anderen Blick auf Afrika

Von Markus Bienwald
Dustin Dehez, Politikberater und Publizist, referierte auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik im Geilenkirchener Haus Basten zum Thema Afrika. - Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Wie weit weg das moderne Afrika von Peter Scholl Latours „verlorenem Kontinent“ entfernt ist, zeigte der jüngste Vortrag der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), im Geilenkirchener Haus Basten. Herbert Wölfel als Leiter der Sektion Aachen/Heinsberg freute sich nicht nur, diesen interessanten Abend gemeinsam mit 50 Gästen und der Deutsch-Atlantischen Gesellschaft, sondern auch mit dem Partner Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg vorstellen zu können. Als Referent hatte die GSP Dustin Dehez gewonnen, 1978 in Bremen geborener Politikberater und Publizist.

Als jemand, der temporär in seiner zweiten Heimat Ghana lebt, wollte er sich dennoch nicht wirklich das Emblem „Afrika-Spezialist“ an die Brust heften lassen. „Das Afrika gibt es nicht“, machte er klar, „es sind 54 Staaten.“ Allerdings verwahrte er sich, den Kontinent noch immer als instabil und von politischen Morden und Putschversuchen geprägt anzusehen. In den 1960er-, 70er- und 80er-Jahren sei die Wahrscheinlichkeit eines Abdankens politischer Führer durch Mord oder Putsch zwar groß gewesen. „Doch in der Mehrheit Afrikas hat sich die Demokratie stabilisiert“, betonte er.

Dort liege aber auch eine Crux, mit der Afrika im Reigen internationaler Demokratie zu kämpfen habe. Denn die selbst auferlegte Beschränkung auf zwei Amtszeiten bei gewählten Präsidenten werde gerne mal torpediert. „Was wir heute haben, ist ein gefährlicher Trend, dass die Generation, die einst für den Demokratisierungsprozess kämpfte, nun versucht, autoritär zu regieren“, betonte Dehez. Die vornehmlich auf die Präsidenten ausgelegte Staatsstruktur sei ebenfalls ein schwieriges Thema. „Denn in den meisten afrikanischen Staaten werden sie feststellen, dass die Exekutive ein deutliches Übergewicht hat“, schloss der Referent. Dies habe auch nachteilige Auswirkungen auf die empfundene Staatsmacht im Land. Während in den Städten eher überbürokratisierte Strukturen vorlägen, sei in den Randbezirken das Wirken der Staatsmacht beinahe nicht spürbar.

Auch in der Bevölkerung hat diese politische Veränderung Spuren hinterlassen, wie Dehez betonte. So gebe es in den großen Städten Wohnbezirke, die Wohnen auf westlichem Niveau böten, aber auch die bekannten Slums. Das hängt aber auch mit der teils boomenden Wirtschaft zusammen, die mit Afrikabildern von vor zehn oder 20 Jahren nicht mehr viel gemein habe. „Die Entwicklung der afrikanischen Volkswirtschaft geht steil nach oben“, beschrieb der Referent. Das führe aber auch dazu, dass sich ein Flüchtlingsproblem gerade erst entwickele, „denn so ironisch das klingt: man muss sich Flucht erst mal leisten können“. Der Flüchtlingsproblematik auf der einen Seite stehe aber auch die mutmaßliche Bevölkerungsentwicklung in Afrika gegenüber. Denn bei aktuell rund einer Milliarde Afrikanern werde es nicht bleiben, für das Jahr 2050 wird mit 2,5 Milliarden Menschen und für 2100 gar mit 4,5 Milliarden gerechnet. „Das wird ein unausweichliches ökonomisches Gewicht Afrikas zur Folge haben“, schloss Dehez. Und es werde Folgen für die Menschen vor Ort haben, „denn alle Sicherheitsprobleme, die wir vor 30 bis 40 Jahren hatten, sind dann auch in Afrika präsent.“ Das sei nicht zu unterschätzen, so Dehez abschließend, denn gerade Europa brauche die Wassertransportwege entlang der afrikanischen Küste, die sich beispielsweise am Suez-Kanal als stark befahrenes Nadelöhr zeigten. - (mabie)

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