Nachschau - Veranstaltungen am 11.01.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Erlebnisse und Erfahrungen
als deutscher Offizier in der Türkei

 
Referent:

Oberstleutnant Helge Lammerschmidt

Kommandeur Panzerpionierbataillon 130, Minden
Foto: Pressestelle PzPiBtl 130
 

am Donnerstag, 11. Januar 2018, 19.00 Uhr
im Hotel Lindgart
Lindenstr. 52, 32423 Minden

 

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vom 18.01.2018

Als deutscher Offizier in der Türkei

Helge Lammerschmidt berichtet über seine Erlebnisse und Erfahrungen

Von Herbert Busch

BÜCKEBURG/MINDEN. „Erlebnisse und Erfahrungen als deutscher Offizier in der Türkei“ – das ist das Thema eines Vortrages gewesen, den Helge Lammerschmidt im Mindener Hotel „Lindgart“ vor der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) gehalten hat. Der Oberstleutnant und Kommandeur des in der Weserstadt stationierten Panzerpionierbataillons 130 zog ein durchaus bejahendes Fazit. „Insgesamt habe ich einen sehr positiven Eindruck mitgenommen“, fasste der Referent zusammen.

Lammerschmidt war rund vier Jahre lang beim Nato-Allied Land Command (Alliiertes Landkommando) im Dienst. Die in Izmir an der türkischen Ägäisküste stationierte Einheit übernahm 2012 die Aufgaben der Landkommandos Heidelberg und Madrid. Im früheren Smyrna kümmern sich rund 350 Soldaten (davon 48 deutsche) insbesondere um die Synchronisierung der Führungsstrukturen für Heereseinsätze und Heeresübungen innerhalb des Verteidigungsbündnisses.

Die von rund 4,5 Millionen Menschen besiedelte Metropole kann Lammerschmidts Erkenntnissen gemäß nicht als repräsentativ für die Türkei betrachtet werden. „Die Stadt ist sehr westlich orientiert“, führte der Referent aus, der mehrfach betonte, vor der GSP seine private Meinung und nicht die offizielle Haltung der Bundeswehr zu vertreten. Gerade das Private war es jedoch, was die zahlreichen Zuhörer in den Bann zog. Etwa, als er vom Einkaufen oder über Besonderheiten der türkischen Sprache berichtete. Beim Einkauf unterscheidet sich Izmir nicht sehr von anderen europäischen Metropolen. „Rossmann“ und „Media-Markt“ sind ebenso vertreten wie deutsche Baumärkte und „Ikea“. Allerdings mit dem Unterschied, dass etwa das schwedische Möbelhaus andere Öffnungszeiten offeriert als in Deutschland. „Ikea hat 365 Tage im Jahr von morgens um 8 bis abends um 10 Uhr geöffnet“, erläuterte der Oberstleutnant, der dort mit Ehefrau und zwei Töchtern wohnte.

Hinsichtlich der Sprache machte Lammerschmidt darauf aufmerksam, dass Humor, Ironie und Sarkasmus im Türkischen anders funktionieren als hierzulande. Indes: „Bei dringendem Bedarf ist spätestens in drei Minuten jemand da, der perfekt Deutsch spricht.“

„Aber alles in allem betrachtet haben wir mit der türkischen Bevölkerung und den dort gefundenen Freunden und Nachbarn weitaus mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze erlebt“, erklärte der Bataillonskommandeur.

Religion beispielsweise sei für ihn kein Problem gewesen. „Die Türken sind sehr offen; wenn man an einer Moschee vorbeigeht, wird man eingeladen, hineinzukommen und sich ein Bild zu verschaffen.“ Was auch auf Frauen zutreffe. „Das machen sie meiner Meinung nach ohne jeden Hintergedanken, sie wollen den Fremden auch nicht bekehren“, gab der Referent zu verstehen. „Wenn Sie sich mit einem Türken über Religion unterhalten, dann kann der sehr gut damit leben, dass Sie Christ sind oder einer anderen Religion angehören. Wenn Sie allerdings sagen, an gar nichts zu glauben, stößt das auf Unverständnis.“

Zukünftige Entwicklungen betrachtend, prognostizierte Lammerschmidt eine erneute Annäherung der Türkei an die EU. Präsident Recep Tayyip Erdogan sei kürzlich in Frankreich gewesen und habe mit Präsident Emmanuel Macron gesprochen. Andererseits gebe es Tendenzen, die auf eine Orientierung Richtung Russland hinwiesen.

Mit Blick auf den Putschversuch im Juli 2016 gab der Oberstleutnant zu bedenken, dass seinerzeit ein von einem Nato-Stützpunkt gestartetes Luftfahrzeug das türkische Parlament und die Unterkunft des Präsidenten bombardiert habe. „Dass der Präsident darauf reagiert, ist meiner Meinung nach nicht ganz unlogisch; über das Wie kann man diskutieren, aber da haben die Türken teilweise eine andere Wahrnehmung, als wir sie von außen haben“, legte Lammerschmidt dar.

Er habe in Izmir gelernt, tolerant zu sein und nicht vorschnell zu urteilen. „Wir sind nie benachteiligt worden, kein einziges Mal; Türken sind längst nicht so verbissen, wie wir das annehmen.“ Unterdessen verfüge jede Medaille über zwei Seiten, man müsse sie auch einmal drehen und sich die andere Seite angucken, hob der Kommandeur hervor. Zur Erlernung der Toleranz hätten fraglos auch die auf zahlreichen Dienstreisen gemachten Erfahrungen beigetragen, sagt der Referent.

Der Oberstleutnant hat aber nicht die gesamte Zeit an der Ägäisküste verbracht. „Am Ende meiner Nato-Zeit“, gab er ein weiteres Detail preis, „hatten sich 96.000 Bonusmeilen auf meinem Konto angesammelt.“

 
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