Nachschau - Veranstaltung am 17.06.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Umgang mit Vorurteilen und die Angst
vor dem Unbekannten - Xenophobie

Referent:

Prof. Dr. Andreas Zick

Leiter des Instituts für interdisziplinäre
Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld
 

am Mittwoch, 17. Juni 2015, 19.00 Uhr
in der Schäfer-Kaserne
„Lehrsaal Bückeburg”
Bückeburg-Achum

 

am Donnerstag, 18. Juni 2015
als Schülerveranstaltung
am Gymnasium Adolfinum
Lulu-von-Strauß-und-Torney-Straße
31675 Bückeburg

 
Foto: Uni Bielefeld
 

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vom 24.06.2015

Mit Konfliktforscher Professor Andreas Zick unterwegs zu sich selbst

Bielefelder Wissenschaftler als Überraschungsexperte im Adolfinum

von Volkmar Heuer-Strathmann

"Xenophobie? Ist das was mit Insekten?" "Hat das was mit Musik zu tun? Eingeborenenmusik?" "Irgendeine Stoffwechselkrankheit?" Der Titel des Vortrags im Gymnasium Adolfinum weckte die unterschiedlichsten Vorstellungen unter Schülern und Lehrkräften. Eingeladen war Professor Andreas Zick von der Universität Bielefeld, um über "Xenophobie" zu referieren. Finanzielle Unterstützung durch die "Gesellschaft für Sicherheitspolitik" hatte die Sonderaktion möglich gemacht.

Was die Schüler der Jahrgänge 10 und 11 dann erleben durften, überraschte selbst Schulleiter Michael Pavel, der anlässlich von Lehramtsprüfungen auch schon Zeuge von methodisch Unmöglichem wird. Mit Understatement ("Ich habe keine Ahnung, wie Schule funktioniert.") und viel Selbstironie ("Ja, wir Professoren sind spießig!") nahm der 53-jährige Experte für Sozialisation und Konfliktforschung die über 200 Versammelten mit auf eine Exkursion zu sich selbst.

Ausgangspunkt - nackte Fakten im Nachrichtenstil: "Eine halbe Million Flüchtlinge sind in diesem Jahr in Deutschland zu erwarten". In einer "Schule ohne Rassismus" finden Daten zum Selbstbild der in Deutschland lebenden Erwachsenen natürlich besonders viel Aufmerksamkeit. Demnach hält sich eine Mehrheit für offen, kontaktfreudig und tolerant, eine ebenso klar ausgewiesene Mehrheit plädiert aber angesichts von weltweit ansteigenden Flüchtlingszahlen nicht etwa für zunehmende Kontingente und echte "Willkommenskultur" . Man äußert sich - so die Studien der Bielefelder Sozialwissenschaftler - eher besorgt um die "deutsche Identität", es herrscht große Unsicherheit, was das Eigene und das Fremde in der multikulturellen Gesellschaft anbelangt.

Im Extremfall lautet die Diagnose "Xenophobie" - die krankhafte Abwehr des Fremden, die rationaler Überlegung nicht zugänglich ist, zumal sich der Betreffende für kerngesund hält. Zick ermutigte die Jugendlichen, sich selbst zu beobachten, wenn es um Reaktionsmuster geht. Das Projekt "Schule ohne Rassismus" nennt der wortgewandte Campus-Entertainer auf Nachfrage einen guten Ansatz, er ist sich aber mit einzelnen Schülern darin einig, dass das Schild vor der Schule nicht allein Mahnung und Selbstverpflichtung bedeute. Wie ein Banner könne es zu Reklame verkommen oder dem Selbstbetrug dienen - bis hin zur Selbstherrlichkeit.

Zick zeigte sich beeindruckt von der Zahl der Schüler die auf Wurzeln in fremden Ländern verwiesen und mit dem Modewort "Migrationshintergrund" nur klischeehaft umrissen sind, sei es nun die Türkei, dem Unland Kurdistan, Griechenland, Polen, Vietnam, Italien, Russland, die USA, Litauen, China, Bulgarien, Rumänien, die Ukraine, die Niederlande oder Ungarn. Viel spricht dafür, dass man im Forum des Adolfinums bald Schüler aus Syrien, Irak, Libyen, Nigeria, Sudan oder Somalia herzlich willkommen heißen darf. - vhs

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