Nachschau - Veranstaltung am 20.07.2017

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Fühlen wir uns zu sicher? -
Neue (alte) Krankheiten auf dem Vormarsch!

 
Referent:

Dr. Peter Witte

Ltd. Kreismedizinaldirektor, Landkreis Minden-Lübbecke
Foto: Mühlenkreis Minden-Lübbecke
 

am Donnerstag, 20. Juli 2017, 19.00 Uhr
im Hotel Lindgart (vormals Holiday Inn)
Lindenstr. 52, Minden

 

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vom 28.07.2017

Krankheiten als allgemeines Sicherheitsrisiko

Dr. Peter Witte spricht zum Thema „Neue (alte) Krankheiten auf dem Vormarsch“

Von Herbert Busch

MINDEN. Dass auch Krankheiten über sicherheitspolitische Aspekte verfügen, haben ein von Dr. Peter Witte im Mindener Hotel „Lindgart“ vor der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) gehaltener Vortrag und Erläuterungen von GSP-Sektionsleiter Klaus Suchland aufgezeigt. Die unter dem Leitgedanken „Fühlen wir uns zu sicher? – Neue (alte) Krankheiten auf dem Vormarsch“ vermittelten Ausführungen verdeutlichten die vielfältigen Zusammenhänge und Wechselwirkungen der Thematik.

„Es ist unbestritten, wenn auch noch nicht überall wahrgenommen, dass die neuen (alten) Krankheiten in Europa auf dem Vormarsch sind und unser Gefühl uns dennoch in dem Glauben lässt, dass wir davor geschützt wären“, erklärte Suchland. Ursachen für das Wiedererstarken und Neuentstehen gefährlicher Infektionen seien nicht nur gewalttätige Konfrontationen und Flüchtlingsbewegungen mit ihren bekannten Folgen für die betroffenen Menschen, sondern auch Umwelt- und Klimaveränderungen wie Dürren und Überflutungen, schnelles Bevölkerungswachstum, das veränderte Freizeit- und Reiseverhalten, das Vordringen des Menschen in neue geografische und ökologische Gebiete sowie Änderung der Tierhaltung und Tierfütterung, legte der Sektionsleiter dar.

Auffallend seien zudem sogenannte Zoonosen, also Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragbar sind. Gleichzeitig stellten die Gesundheitsbehörden fest, dass selbst Krankheiten, die längst überwunden schienen, wieder aufflackern und Anlass zur Sorge geben. „Zu einer erfolgreichen Sicherheitspolitik gehören auch das Erkennen und Bekämpfen solcher Krankheiten und das Bestreben, ihre Ausbreitung einzudämmen oder gar zu vermeiden“, betonte Suchland.

Dr. Witte unterfütterte die Anmerkungen des Sektionsleiters mit Faktenwissen. Der Leitende Medizinaldirektor des Landkreises Minden-Lübbecke erhellte die Thematik mithilfe von mehr als 50 statistischen Schaubildern. Erwähnung fanden nicht nur Pest, Cholera und Tuberkulose, sondern auch Pocken, Masern, Giardiasis, Windpocken, Malaria, Kuhpocken, Hepatitis, Noroviren, Salmonellen, Pertussis, Rotaviren, Milzbrand, SARS, Vogelgrippe, Schweinegrippe, Ebola, MRSA und MRGN sowie die exotischen Krankheitsbilder Hanta-Virus, MERS und Zika.

Weltweit betrachtet stellt die Tuberkulose eines der größten Probleme dar. Wittes Schilderungen gemäß ist ein Drittel aller Menschen mit Tuberkulosebakterien infiziert, anderthalb Millionen fallen der Erkrankung pro Jahr zum Opfer. Der Kreis Minden-Lübbecke (rund 310 000 Einwohner) verzeichnete in den Jahren 2012 und 2013 zwölf Fälle, 2015 sieben und 2016 22 (davon 15 bei Flüchtlingen).

In diesem Zusammenhang setzte Witte das GSP-Publikum über zwei Zitate in Kenntnis. Zum einen gab er eine Äußerung des US-amerikanischen Komikers, Schauspielers, Filmregisseurs, Autors und Musikers Woody Allen wieder, der zufolge mehr Menschen an unerfüllter Liebe zugrunde gehen als an Tuberkulose. Zum anderen rief er eine Stellungnahme des Robert-Koch-Instituts vom Oktober 2015 in Erinnerung: „Asylsuchende sind eher eine gefährdete Gruppe als eine, von der für andere eine Gefahr ausgeht“.

Zudem stellte der Referent heraus, dass es sich bei Masern (2013 weltweit 145 000 Todesfälle) keineswegs um eine Kinderkrankheit handele. Für den Kreis Minden-Lübbecke verneinte Witte mit Blick auf die Masern eine Impfmüdigkeit. „Wir haben relativ hohe Impfquoten“, berichtete der Mediziner. Allerdings könne er nichts über die Dunkelziffer sagen. Eine generelle Ablehnung der Impfung sei indes nicht festzustellen. Witte: „Wir erkennen allerdings eine gewisse Sorglosigkeit.“

Überdies räumte Witte mit dem Irrtum auf, dass multiresistente Erreger im Krankenhaus entstünden. Das sei mitnichten der Fall. „Wie diese genau in die Bevölkerung gelangen, weiß derzeit niemand.“

 
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