Nachschau - Veranstaltung am 20.08.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Der Konflikt in der Ukraine –
Fortsetzung europaweit?

Referent:

Oberst a.D. Herbert Danzer

Absolvent der Akademie des Generalstabs der russischen Streitkräfte
Heeresattaché Dtsch. Botschaft Moskau 1999 bis 2002
 

am Donnerstag, 20. August 2015, 19.00 Uhr
im Lehrsaal des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums (IHAZ)
(vormals HFlgWas)
Schäfer-Kaserne Bückeburg-Achum

 

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vom 26.08.2015

"Der Kreml hat die Eskalationsdominanz"

Oberst a. D. Herbert Danzer referiert über Ukraine-Konflikt und mögliche Lösungen

VON HERBERT BUSCH

Bückeburg. „Wir können das Problem nicht lösen, haben aber für die Einschätzung der Gesamtsituation zahlreiche neue Facetten erhalten", hat Klaus Suchland im Anschluss an einen von Herbert Danzer in der Achumer Schäfer-Kaserne zum Thema „Der Konflikt in der Ukraine - Fortsetzung europaweit?" gehaltenen Vortrag bilanziert.

Der Vorsitzende der veranstaltenden Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) sprach sich deutlich gegen Waffenlieferung an die Ukraine aus. „Es bleibt schwierig", lautete das Schlusswort des Referenten.

Der Absolvent der Akademie des Generalstabs der russischen Streitkräfte und frühere Heeresattache der Deutschen Botschaft in Moskau bezeichnete den Ukraine-Konflikt als „die größte Katastrophe in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg", die zudem bedenkliche Signale vermittele. Wie etwa „Gewalt kann sich lohnen", „Nuklearwaffen können vor militärischer Vergeltung schützen" und „verbriefte Garantien von Supermächten können wertlos sein".

Zwar streite Russland eine direkte Beteiligung an den Kämpfen in der Ukraine nach wie vor ab, er verfüge aber über sichere Quellen, die das Gegenteil belegten. Danzer, der vor seiner Pensionierung Leiter eines Internationalen Militärstabes der NATO mit Schwerpunkt Ukraine-Russland war, sprach von 117 Bataillonen vergleichbaren Kampfverbänden. „Die ganze Logistik könnten die Rebellen allein überhaupt nicht leisten", betonte der Experte. Und: „Der Kreml hat die Eskalationsdominanz".

Der Mitarbeiter der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik entwickelte mehrere Szenarien zur möglichen Beendigung der Auseinandersetzungen. Dabei favorisierte der 68-Jährige ein Modell, in dem der Ukraine eine Brückenrolle zukommt - samt Einbindung in die Interessen seiner Nachbarn und freier Bündniswahl. Modellen wie „die Ukraine als Grenzland" (erfordert ein Arrangement der Supermächte über Einflusszonen) oder „die Ukraine als Grauzone" (beseitigt das Konfliktpotenzial nicht) mochte Danzer nicht das Wort reden. Von anderer Seile ins Spiel gebrachte Vorschläge wie die Neutralität des Staates, eine Teilung des Landes oder dessen unkontrollierten Verfall bezeichnete er als „keine brauchbaren Lösungen".

Überdies stellte der Referent eine „Strategie der Einhegung Russlands" zur Diskussion. Diese Verbindung von „Eindämmung" und „Einbindung" enthält vier Bausteine:
• Pluralität der bestehenden Ordnungen, Rehabilitierung des Völkerrechts, neuer Rahmen für bestehende Organisationen;
• angemessene Abschreckung sowie garantierte politische und militärische Rückversicherung;
• Absicherung durch stabilisierende Instrumente der militärischen Vertrauensbildung und Rüstungskontrolle;
• Stärkung der Bereiche der Interaktion, die Perspektiven einer Transformation in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft, Kontakte, freier Informationsfluss und Interpretation der Geschichte eröffnen.

Die „Einhegung" sei nicht zuletzt deswegen angeraten, weil es eine dauerhafte Lösung nur in Kooperation mit Russland geben werde, legte der Fachmann dar. Und: „Wir müssen aus dem Krisenmodus herauskommen."

Danzers Gedankenspiel, die Ukraine mit Blick auf das „panzergünstige Gelände an der Küste" mit Panzerabwehr-Lenkraketen auszustatten „wenn man russische Panzer abschießen könnte, würde das zur Abschreckung beitragen" - rief bei den rund 100 Veranstaltungsteilnehmern unterschiedliche Reaktionen hervor. „Ich teile diese Auffassung nicht", unterstrich GSP-Sektionsleiter Suchland. „ Waffenlieferungen jeglicher Art bringen uns nicht weiter."

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