Nachschau - Veranstaltung am 21.07.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Chlorhähnchen, Hormonfleisch und Gentechnik

Wird der Verbraucherschutz unter dem Deckmantel
des Freihandels ausgehöhlt?

Referent:

Dr. Thieß Petersen

Senior Expert, Bertelsmann Stiftung
 

am Dienstag, 21. Juli 2015, 19.00 Uhr
im Hotel "Bad Minden"
Portastr. 36, 32429 Minden

 

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vom 25.07.2015

„Kein Nullsummenspiel"

Diplom-Volkswirt Thieß Petersen referiert über das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP

VON MICHAEL WERK
Als größten „Knackpunkt" in Sachen „Transatlantisches Freihandelsabkommen" bezeichnete Diplom-Volkswirt Thieß Petersen das durch NSA-Aktionen „gestörte Vertrauen" gegenüber den USA. - Foto: wk

Minden/Bückeburg. Das gemeinsame transatlantische Freihandelsabkommen TTIP, über das die Europäische Union und die USA seit mittlerweile zwei Jahren verhandeln, ist hierzulande für viele Zeitgenossen eines der großen Reizthemen unserer Zeil. Einen deutlichen Aufschwung für die heimische Wirtschaft versprechen sich die Befürworter dieses Vertrages. Die Gegner indes befürchten eine Übervorteilung durch die nicht zuletzt aufgrund ihrer NSA-Spionageaktivität in großen Misskredit geratenen US-Amerikaner.

Obwohl die hiesige Wirtschaft bislang ein großer Profiteur der Globalisierung sei, zähle Deutschland gemeinsam mit Österreich und Luxemburg zu den insgesamt nur drei Ländern Europas, in denen die Mehrheit der Bevölkerung gegen dieses Freihandelsabkommen eingestellt ist. In den anderen 25 EU-Ländern überwiege dagegen die Anzahl der Fürsprecher. Das berichtete der bei der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh beschäftigte promovierte Diplom-Volkswirt Thieß Petersen anlässlich eines Vortrages, zu dem die Sektion Minden der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) in das Hotel „Bad Minden" eingeladen hatte. Dabei standen die „Chancen und Risiken eines transatlantischen Freihandelsabkommens" im Fokus dessen Referats.

Mittlerweile gebe es weltweit insgesamt mehr als 350 Freihandelsabkommen, führte der Experte weiter aus. All diese Verträge hätten zum Ziel, Handelshemmnisse wie beispielsweise Zollbestimmungen abzubauen, um den gegenseitigen Im- und Export von Waren zu fördern und eben das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. An dieser Stelle präsentierte Petersen ein Diagramm, dem zu entnehmen war, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2011 pro Kopf von ungefähr 21300 Euro auf 28500 Euro gestiegen war. Von diesem Zuwachs waren rund 1500 Euro auf die Globalisierung zurückzuführen.

Eine andere Grafik zeigte, dass in demselben Zeitraum mehr als 40 untersuchte Länder einen mehr oder weniger starken globalisierungsinduzierten Anstieg des Pro-Kopf-BIP verzeichnet haben, wobei die Industrienationen allerdings die größten Profiteure waren.

„Die Globalisierung bringt also tatsächlich Wirtschaftswachstum", betonte Petersen. Von dem „Transatlantischen Freihandelsabkommen" würden Analysten übrigens erwarten, dass dies im Verlauf von 15 lahren innerhalb Europas zu einer BIP-Steigerung um 3,9 Prozent und in den USA um 4,9 führen wird, während alle anderen Regionen den Studien nach „verlieren" werden. Gleichwohl müsse man davon ausgehen, dass jene Verlierer-Regionen in irgendeiner Form auf diese Entwicklung reagieren werden, sodass die Wachstumseffekte des TTIP unterm Strich geringer ausfallen dürften.

Trotz einiger Unterschiede bei den von der Bertelsmann-Stiftung ausgewerteten Studien decken sich diese laut Petersen jedoch in folgenden Punkten: „Die USA und die 28 EU-Staaten profitieren alle in Form eines höheren realen Bruttoinlandsprodukts je Einwohner." Da die Preise für importierte Produkte aus den USA und der EU sinken werden, steige die Kaufkraft der Bürger in den USA und in der EU. Die alleinige Abschaffung von Zöllen bringe allerdings nur wenig Wachstumsimpulse, weil die Zölle im transatlantischen Handel sehr niedrig seien. Und: „In den meisten Studien gibt es für die Länder, die an TTIP nicht beteiligt sind, negative BIP-Effekte." Dies gelte vor allem für die traditionellen Handelspartner, also Kanada, Mexiko, Australien und Japan, aber auch Afrika. Aber: „Das Bruttoinlandsprodukt der Welt als Ganzes steigt" - ergo sei das TTIP „kein Nullsummenspiel", wobei, wenn alle Versprechen gehalten werden, auch der Arbeitsmarkt gestärkt werde.

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