Nachschau - Veranstaltung am 22.11.2014

 
 
 
 
 
vom 24.11.2014

Multireligiöse Welt fordert heraus

„Schaumburger Plattform“ erörtert das Spannungsfeld von „Glaube und Sicherheit“

VON HERBERT BUSCH
Die „Schaumburger Plattform“ führt im Hubschraubermuseum fünf Referenten und rund 160 Besucher zusammen. - Foto: bus

Bückeburg. „Der politisch-religiöse Radikalismus der Gegenwart verdeutlicht die Sprengkraft, die Religion in sich birgt, und macht deutlich, dass die saubere Trennung von Politik und Religion eine Illusion ist", dieses Zitat des protestantischen Theologen und Professors Friedrich Wilhelm Gral hat Klaus Suchland der nunmehr vierten "Schaumburger Plattform" vorangestellt.

Die von der aus der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolilik hervorgegangenen Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) organisierte Plattform stellt Suchlands Erläuterungen zufolge ein Forum dar, das außerhalb der großen Zentren politischer Entscheidungsprozesse Informationsangebote unterbreitet, die auch beim sogenannten Normalverbraucher Interesse und Aufmerksamkeit wecken. „Und die ihm deutlich machen, dass Fragen zur Sicherheit in heutiger Zeit komplex, häufig schwer verständlich und miteinander vernetzt sind", ergänzte der Vorsitzende der Mindener GSP-Sektion.

Die unter dem Motto „Sicherheit hat viele Gesichter - Glaube und Sicherheit" und der Schirmherrschaft des Bischofs der evangelisch-lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, Dr. Karl-Hinrich Manzke, stehende Veranstaltung führte im Hubschraubermuseum fünf Referenten zusammen, die den rund 160 Teilnehmern Details der Thematik überaus facettenreich erörterten.

Dr. Maria Flachsbarth, MdB und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Berlin, referierte zur Frage „Politik und Glaube - ein Antagonismus?". Dr. Friedmann Eißler, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin, sprach über "Religion und weltanschaulicher Pluralismus - Begegnung und Auseinandersetzung".

„Islam (Religion) und Politik - wer hat das Sagen?" lautete die von Dr. Silvia Horsch-Al Saad, Institut für islamische Theologie, Osnabrück, behandelte Fragestellung.

Dr. York-Herwarth Meyer, Militärdekan beim evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr, Berlin, schilderte „Erfahrungen und Erwartungen aus seelsorgerischer Sicht mit anderen Konfessionen im Auslandseinsatz der Bundeswehr" und Dr. Dirck Ackermann, der beim Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr als leitender Militärdekan fungiert, trug zum Thema „Soldaten in der Verantwortung - Impulse christlicher Friedensethik für das soldatische Selbstverständnis" vor.

Bischof Manzke erinnerte in seinem Grußwort daran, dass alle großen Religionen über friedliche Wurzeln verfügten. Im Miteinander der Gemeinschaften komme es darauf an, „sehr genau hinzuschauen und sich nicht zu schnelle Urteile zuzumuten". Im Grußwort der GSP-Präsidentin erläuterte Ulrike Merten-Hamann Hintergründe der Namensänderung der von ihr geleiteten Gesellschaft. So habe etwa seit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes das zu behandelnde Themenspektrum sehr viel an Breite gewonnen.

Oberst Uwe Klein, seit Anfang November General der Heeresflieger und Kommandeur der Achumer Heeresfliegerwaffenschule, hob in einer kommentierenden Zusammenfassung hervor, „dass die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Politik sehr schnell auch eine sicherheitspolitische Dimension erreicht." Insbesondere stelle sich die Frage, „ob die säkularisierten Demokratien zur Integration nicht-christlicher Religionsgemeinschaften und ihrer Menschen in einer Art und Weise fähig sind, die sowohl die liberalen Grundsätze als auch diejenigen der betroffenen Glaubensgemeinschaften vereinbart."

„Unsere multikulturelle und multireligiöse Welt", führte Klein aus, „stellt eine der grundlegenden Herausforderungen unserer Zeit und unserer Gesellschaften dar. Sie erfordert nicht zuletzt eine neue und große gemeinsame Anstrengung im Nachdenken über das Verhältnis von Religion und Politik, auch wenn uns in diesem Teil der Welt diese Frage lange Zeit bereits beantwortet erschien."

Maria Flachsbarth: „Ich selbst bin überzeugt, dass es eine gute Kooperation von Staat und Religionsgemeinschaften im Rahmen der für alle geltenden Gesetze geben muss. Ich wünsche mir, dass viele Menschen sich einbringen für eine funktionierende Demokratie und Gesellschaft." Ahnlich Friedmann Eißler: „Ich meine, dass es Sicherheit im Glauben nicht in dem Sinn geben kann, dass man fest gefügte Gebäude oder Fundamente vor sich hat, die einfach gesichert da wären. Je tiefer unsere eigenen Wurzeln in unseren Realitäten, unseren Werten und in unserem Glauben gegründet sind, desto weiter können die Äste dieses Stammes ausgreifen."

Silvia Horsch-Al Saad sagt dazu: „Ich benutze nur die Formulierung 'IS', damit ich in diesem Zusammenhang das Wort „islamisch" nicht in den Mund nehmen muss. Der 'IS' ist eine Bewegung, die aufgrund ihrer Selbstgerechtigkeit, ihres Fanatismus und ihrer Gewalttätigkeit den Islam in eine Perversion verkehrt."

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