Nachschau - Veranstaltung am 23.08.2016

 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Wie wir und die anderen ticken -
interkulturelle Kompetenz und Kommunikation

 
Referent:

Oberregierungsrat Dipl.-Geogr. Hartmut Stiffel

Zentrum Innere Führung der Bundeswehr, Koblenz
 

am Dienstag, 23. August 2016, 19.00 Uhr
im Vortagssaal "Bückeburg"
am Internationalen Hubschrauber-Ausbildungszentrum (IHAZ)
in der Schäferkaserne
Bückeburg - Achum / Flugplatz

 
Foto: Stiffel
 

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vom 30.08.2016

Spart Blut und schont Nerven

„Interkulturelle Kommunikation": Warum sie so wichtig ist / Gesellschaft für Sicherheitspolitik hört Experten

Von Michael Werk

BÜCKEBURG. "Wie wir und die anderen ticken - Interkulturelle Kommunikation" ist das Thema eines Vortrages gewesen, zu dem die Sektion Minden der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) in die Achumer Schäfer-Kaserne eingeladen hat. Den Anstoß hierzu hatte unter anderem die Flüchtlingskrise gegeben, im Zuge dieser in den vergangenen zwölf Monaten zahlreiche Menschen aus dem arabischen Raum nach Deutschland gekommen sind, die es hier zu integrieren gilt. Dies ist - neben den rein sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten - nicht zuletzt deshalb eine große Herausforderung, weil sich auch aus kulturellen Unterschieden heraus Probleme ergeben können - vom kleinen Missverständnis bin hin zum ernsten Konflikt.

"Der Umgang mit Menschen anderer Kulturen, ihr Verhalten und ihre Denkweisen lösen in uns nicht selten Verwirrung und Erstaunen aus, wenn Sie uns nicht sogar schockieren", erklärte der Sektionsvorsitzende Klaus Suchland hierzu. Gleichwohl sei es für alle Beteiligten "üherlebenswichtig", aufeinander zuzugehen und "auf Augenhöhe miteinander zu reden sowie dabei - im übertragenen Sinne - zu geben und zu nehmen, um im Ergebnis konfliktfrei miteinander auszukommen. Offenheit und Einfühlungsvermögen einerseits und Selbstbewusstsein gepaart mit kritischer Reflexion eigener Vorurteile und Stereotypen" andererseits seien ebenfalls wichtig, um die Integration der aufgenommenen Flüchtlinge zu fördern.

"Interkulturelle Kommunikation ist ein Thema, das leider viel zu sehr venachlässigt wird, obwohl dessen Bedeutung immens ist", bestätigte Hartmut Stiffel, Mitarbeiter beim Zentrum Innere Führung der Bundeswehr und Referent des Abends, denn nicht nur aktuell, sondern auch in Zukunft werde dieses Thema die Gesellschaft beschäftigen. Er selbst behandelte in seinem Vortrag im Wesentlichen den Aspekt der Offenheit, die Einheimische den Flüchtlingen wie anderen Migranten gegenüber an den Tag legen sollen. Wozu nach den Ausführungen des Oberregierungsrates übrigens auch gehört, die eigene - deutsche - Kultur nicht zum allein gültigen Maßstab zu machen.

"Was ist überhaupt Kultur?", stellte er als Frage in den Raum. Um gleich darauf die rhetorische Aufforderung hinterherzuschieben, dass man ja mal versuchen könne, die eigene Kultur in drei schlanken Sätzen zu beschreiben - was allerdings nicht funktionieren werde, da ein jeder in der Bevölkerung "ein ganz eigenes Kulturverständnis" habe. Exemplarisch verwies er auf regionale Traditionen, sprachliche Besonderheiten und Ansichten, die es hierzulande zuhauf gebe.

Im Klartext: „Jeder von uns hat eine ganz eigene persönliche ldentität", betonte Stiffel. Und daran scheitere es, einen allgemeingültigen Kulturbegriff zu formulieren. "Kultur lasse sich also eben nicht abgrenzen und somit könne man auch nicht von "Kulturkreis" sprechen. Die Haltung, dass sich Migranten anzupassen haben, sei daher "ein sehr realitätsferner Anspruch", da man von diesen Menschen nicht verlangen könne, ihre kulturelle Identität abzulegen.

Probleme entstehen zudem durch die „ethnische Perspektive", indem man bei Menschen mit Migrationshintergrund von deren "Äußerem auf deren Einstellung schließt." Zwar sei ein solches "Schubladendenken" insofern verständlich, als dass man Tag für Tag eine Fülle an Informationen "katalogisieren" müsse. "Doch die meisten Probleme entstehen im Kopf - und es ist ungemein schwierig, ein Vorurteil zu verlassen."

Flüchtlingen und anderen Migranten auf der Ebene der interkulturellen Kommunikation zu begegnen, bedeutet laut Stiffel, sich im Bewusstsein der "Durchaus positiv" eigenen kulturellen Prägung mit dem anderen auf angemessene Weise auseinanderzusetzen, wobei auch Sensibilität gefordert ist. Dies mit dem Ziel, auf Basis des deutschen Grundgesetzes einen tragfähigen Konsens zu erreichen, um friedlich koexistieren zu können. Was im Übrigen auf beiden Seiten eine "permanente Weiterentwicklung" erfordere. Bezogen auf die Bundeswehr verriet er noch, dass bei den Streitkräften diesbezüglich die bei zahlreichen Auslandseinsätzen gewonnene Erkenntnis herrscht: "Interkulturelle Kommunikation spart Blut und schont die Nerven!"

Die Sektion Minden der GSP werde noch einige Male auf dieses Thema zurückkommen, um dieses zu vertiefen - zumal die Flüchtlingskrise in 2017 nicht abebben werde, kündigte Suchland gegen Ende der Veranstaltung an. So wolle man sich etwa mit der Vollverschleierung bei Musliminnen sowie mit Kinderehen bei Flüchtlingen befassen.

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