Nachschau - Veranstaltung am 24.02.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Sprengfalle Kopf –
Zur Psychopathologie von Selbstmordattentätern

Referent:

Professor Dr. Ortwin Buchbender

Bad Münstereifel
 

am Dienstag, 24. Februar 2015, 19:00 Uhr
im Hotel „Holiday Inn“
Lindenstraße 52, Minden

 

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vom 25.02.2015

Militärhistoriker Ortwin Buchbender zu Gast in Minden

Von Kerstin Rickert
„Gegen die Fantasie kann man nichts machen“, sagt Ortwin Buchbender. Daher helfe nur Aufklärung. - Foto: Rickert

Minden (kr). „Ideologien besetzen den Verstand. Religionen besetzen die Fantasie“, sagt Prof. Dr. Ortwin Buchbender. Der Militärhistoriker und ehemalige leitende wissenschaftliche Direktor der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation referierte auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Minden, im Holiday Inn zum Thema „Sprengfalle Kopf - zur Psychopathologie von Selbstmordattentätern“.

Wie ist es möglich, dass Menschen sich selbst in die Luft sprengen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Ortwin Buchbender schon seit vielen Jahren. Er selbst hat es zweimal miterlebt, dass Selbstmordattentäter in seiner unmittelbaren Nähe sich selbst und viele unschuldige Menschen in den Tod rissen. Einmal in Israel und einmal im irischen Belfast noch zu Zeiten der IRA. Beide Male hatte er Glück.

Die Nachrichtenmeldungen, die er gesammelt habe, ergäben inzwischen einen riesigen Stapel, sagte er. Auch die Frauen und Kinder, die zu Selbstmordattentätern gemacht würden, nehme zu, deutet der Wissenschaftler auf die jüngsten Entwicklungen hin und verweist auf einen Artikel über die Machenschaften der islamischen Terrormiliz Boko Haram in Nigeria. „Kinder des Todes“ würden sie darin genannt: kleine Mädchen von sieben, acht oder zehn Jahren, die ganz bewusst als Selbstmordattentäter ausgewählt würden.

„Männer“, sagt Buchbender, „werden eher auf Waffen kontrolliert als Frauen und Kinder.“

Was aber lasse sie zu Selbstmordattentätern werden, fragt er in der Runde. Rational sei dieses Phänomen nicht zu verstehen, ist Buchbenders Theorie, und es handele sich bei diesen Attentätern auch nicht um Verrückte. Das werde immer noch häufig falsch dargestellt. “Mit Psychopathologie hat das nichts zu tun“, ist Buchbender überzeugt, „eher mit Gehirnwäsche.“

Um das Phänomen nachzuvollziehen zu können, müsse man zum Anfang zurück. Und dieser Anfang liege in der Geschichte der Schia begründet. „Der klassische Selbstmordattentäter war immer Schiit“, erklärt Buchbender. Die Tragödie von Kerbela im Jahre 680 sei bis heute nicht verwunden. Damals sei der dritte Iman Hussain, Enkel des Propheten Mohammed, im Kampf gegen den Kalifen Yazid von seinen eigenen Anhängern, den kufischen Schiiten, verraten und von seinen Widersachern umgebracht worden. Der Tod Hussains gelte den Schiiten bis heute als kollektive Schuld. Yazid sei die Inkarnation des Bösen, während der Märtyrertod Hussains beispielsweise jährlich am Aschura-Tag nachempfunden werde, ähnlich wie die Passion im Christentum.

Bei den Selbstmordattentätern werde durch Beeinflussung ein übermächtiges Feindbild aufgebaut, einhergehend mit der festen Überzeugung, das Martyrium zu gewinnen und sich im Paradies wiederzufinden. Der Märtyrer-Status habe zudem eine Wanderung unternommen, von den Schiiten zu den Sunniten, im Dienste eines politischen oder ideologischen Ziels. Als Beispiel nennt er die Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

Selbstmordattentäter werden einer langen mentalen Beeinflussung ausgesetzt, einer Gehirnwäsche, und sie werden instrumental hervorragend ausgebildet“, sagt Buchbender. Das Ansehen, das sie als Märtyrer genießen, sei dabei nicht zu unterschätzen. „Was man dagegen machen kann? Gegen Fantasien kann man nichts machen“, stellte der Wissenschaftler fest. „Wichtig ist Aufklärung."

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