Nachschau - Veranstaltung am 28.09.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Wo bleibt unser Restmüll?
In Afrika oder in den Weltmeeren?

Referent:

Dipl.-Volkswirt Henning Wilts

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie
Projektleiter Forschungsgruppe 3
„Stoffströme und Ressourcenmanagement“
 

am Montag, 28. September 2015, 19.00 Uhr
im Offiziersheim
der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne
Minden

 

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vom 02.10.2015

„Sortieren macht keinen Sinn"

GSP-Vortrag thematisiert Facetten der Müll- und Schrottentsorgung

VON HERBERT BUSCH

Bückeburg/Minden. Mit Blick auf die Abfallentsorgung muss augenscheinlich umgedacht werden. Und zwar erheblich. Das legt zumindest ein Vortrag nahe, den Diplomingenieur Henning Wilts vor der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) gehalten hat. „Den Hausmüll zu sortieren macht überhaupt keinen Sinn, kostet aber ein Vermögen", sagte der Experte vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie.

Wilts leitet in Wuppertal die Forschungsgruppe „Stoffströme und Ressourcenmanagement", die sich unter anderem mit der Abfallentsorgung unter Einbeziehung des „Ökologischen Rucksacks" beschäftigt. Ziel der Forschungen ist es, die endlichen Material-, Energie- und Naturressourcen zu schonen und somit Konflikte zu reduzieren. Im Offiziersheim der Mindener Herzog von Braunschweig-Kaserne lautete sein Thema „Wo bleibt unser Restmüll? In Afrika oder den Weltmeeren?".

Der Diplomingenieur behandelte die Felder „Deutschland, der Recycling-Weltmeister", „Abfallverbringungen - Elektroschrott in Afrika", „Plastikmüll - Grenzen der Kreislaufführung" und „Vom Abfallmanagement zur Kreislaufwirtschaft".

Das Abfallautkommen betrug Wilts Angaben gemäß 2012 in Deutschland insgesamt rund 380 Millionen Tonnen, wovon der größte Teil (199 Millionen Tonnen) aus Bau- und Abbruchabfällen bestand. Sogenannte Siedlungsabfälle machten 47 Millionen Tonnen aus. Bei diesen wurde eine Verwertungsquote von 83 Prozent (2000: 51 Prozent) erreicht. Beim nach Afrika und Asien transportierten Elektronikschrott lauteten die Angaben des Fachmanns „knapp 10 Millionen Tonnen", die offiziellen 3,3 Millionen Tonnen gegenüberstünden. Bei Handys klafften das Recycling-Potenzial (rund 100.000 Tonnen) und die Zahl der tatsächlich eingesammelten Geräte (rund 5000 Tonnen) eklatant auseinander.

Die Behandlung des in die „Dritte Welt" exportierten Schrotts sei dort häufig mit hohen Gesundheits- und Sicherheitsrisiken verbunden. Der größte Teil der Arbeiter lebe unterhalb der international festgelegten Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag. Wilts: „Kinder im Alter von fünf Jahren sind bereits in leichten Tätigkeiten aktiv, Kinder im Alter von zwölf Jahren führen schwere Arbeiten aus."

Zum Abfall in den Weltmeeren legte der Referent dar: „Von Menschen produzierter Abfall im Meer ist ein zunehmend ökologisches, wirtschaftliches und gesundheitliches Problem." Im Pazifik existierten riesige Plastikmüllansammlungen. „So groß wie Texas", verdeutlichte der Experte. Bestandteile dieser „Garbage Patches" legten während ihrer sehr langen Lebensdauer extreme Distanzen zurück. Und über die Nahrungskette kämen sie auch in die Herkunftsländer zurück.

Hinsichtlich der anzustrebenden Kreislaufwirtschaft machte der Experte enorme Einsparungsmöglichkeiten aus. Schätzungen für Europa führten bis zu 650 Milliarden Euro pro Jahr an. Zunächst müsse auf eine Reduzierung der zu deponierenden Abfallmengcn hingearbeitet werden und darauf, dass Abfälle in geeignete Anlagen gelangen. Schließlich sei anzustreben, jeden Abfall als Ressource zu behandeln.

„Deutschland ist noch immer Vorreiter im Bereich Abfall und dieser stellt bei uns kein direktes Umweltproblem dar", sagte Wilts. Aber: „Wir verlagern unsere Umweltprobleme, machen nicht genug aus unserem Abfall und verursachen damit anderswo massive Umweltbelastungen." Und an die Sinnlosigkeit des Hausmüllsortierens erinnernd: Womöglich hätten einige Befürworter und Profiteure dieses Systems Angst zu sagen, „dass das alles Schwachsinn ist". Sortieren sei in bestimmten Bereichen nicht unwichtig, moderne Sortieranlagen funktionierten prima, „aber ein Handy bekommt man nicht auseinandersortiert".

Zukunftsweisende Impulse verspricht sich Wilts vom jüngst beim Fraunhofer-Institut in Freiburg eingerichteten Lehrstuhl „Recyclingwirtschaft 4.0". Dort sei unter anderem gesagt worden: „Alles was ihr da an Abfalltechnik macht, ist so etwas von vorgestern."

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