Nachschau - Veranstaltung am 28.09.2017

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Eine Nachbereitung
der Bundestagswahlen vom 24. September

 
Referent:

Dr. Florens Mayer

Leiter des Berliner dimap - Büros
Foto: Landtag Rheinland-Pfalz/Torsten Silz
 

am Donnerstag, 28. September 2017, 19:00 Uhr
in der Aula des Gymnasium Dionysianum
Anton-Führer-Straße 2, 48431 Rheine

 

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vom 06.10.2017

Lethargie-Effekt schadete Merkel

Wahlforscher Mayer lieferte eine aufschlussreiche Analyse der Bundestagswahl ab

Von Newsdesk
Der Berliner Wahlforscher Florens Mayer vom Meinungsforschungsinstitut Dimap analysierte im Gymnasium Dionysianum die Ergebnisse der jüngsten Bundestagswahl. - Foto: Sebastian Kröger

Rheine. Florens Mayer, Leiter des Berliner Büros des Meinungsforschungsinstitutes dimap, hat neulich auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und des Gymnasium Dionysianum vor etwa 170 Zuhörern, darunter waren auch rund 60 Schüler einen Vortrag in der Aula gehalten. Er analysierte die Bundestagswahl und die Faktoren, die zu ihrem Wahlergebnis geführt haben.

Er begann damit zu erläutern, wie die Wahlprognosen insgesamt erarbeitet werden und ging dann im Detail auf die Erstellung der sogenannten „18 Uhr Prognose“ am Wahlsonntag ein. Um diese Prognose zu erstellen, werden in 624 Wahlbezirken etwa 100.000 Wähler nach der Abgabe Ihrer Stimmen durch das Meinungsforschungsinstitut befragt. Auf dieser Basis ist es dann möglich, einen relativ exakten „Trend“ vorherzusagen. Bei dieser Bundestagswahl gab es insgesamt über alle Parteien hinweg nur eine etwa dreiprozentige Abweichung vom späteren tatsächlichen Wahlergebnis.

Im Folgenden gab er spannende Erläuterungen zu einem sich ändernden Wählerverhalten. Bei den letzten Wahlen stiegen sowohl die Zahl der Wähler, die sich erst in „letzter Minute“ entscheiden, als auch die Anzahl der Briefwähler auf fast 30% an. Die Anzahl der Wechselwähler ist sogar auf ca. 34% angestiegen.

Das eigentliche Wahlergebnis der etablierten Parteien hat die Wahlforscher wenig überrascht. Für den Kanzlerkandidaten der SPD war es ein schwieriger Wahlkampf mit wenigen Chancen auf Erfolg. Die Aussage „Mir ist nicht klar, welche Politik Martin Schulz umsetzen will“ wurde von ca. 66% aller Wähler und noch von ca. 47% der SPD Stammwähler geteilt. Dem gegenüber wurden Angela Merkel von ca. 70% aller Wähler und ca. 90 % der CDU Stammwähler gute Kompetenzen als Kanzlerin bescheinigt. Das dennoch verhältnismäßig schlechte Wahlergebnis der CDU führte Mayer nicht zuletzt auf einen sogenannten „Lethargie-Effekt“ zurück – „Die gewinnen ja sowieso“.

Auch bei den weiteren Parteien gab es interessante Analysen. Hier arbeitete Dr. Mayer zum Teil sehr deutliche Unterschiede zwischen der Selbstwahrnehmung der Parteien und deren Kompetenzfeldern bei ihren Stammwählern und der Wahrnehmung bei allen Wählern heraus. Dies konnte er an Beispielen bei der Partei der Linken, den Grünen, der FDP als auch der AFD verdeutlichen. Als erstmals in den Bundestag gewählte Partei trug er mit weiteren Fakten und Meinungsbildern noch zum Abschneiden der AFD vor, die vor allem von Protestwählern profitierte. Eine Betrachtung der Wählerwanderungen zwischen den Parteien schloss die Analyse der Bundestagwahlen ab.

Abschließend zu seinem Vortrag stellte er eine aktuelle Umfrage vor, nach der 51% der Wähler eine sogenannte „Jamaika-Koalition“ bevorzugen, während sich nur 31% eine Weiterführung einer CDU/CSU/SPD Koalition wünschen.

In der sich anschließenden intensiven Diskussion wurden neben weiteren konkreten Fragen zur Bundestagswahl auch weitere Aspekte erläutert. Diese umfassten sowohl, warum in dem Wahlkampf z.B. das Thema Europa eher stiefmütterlich behandelt wurde, als auch den Umgang der Parteien und der Medien mit der AFD. Insbesondere auch Fragen zur Wirkung der Wahlprognosen auf die Wähler, zur Berichterstattung der Medien und der Macht und Verantwortung der Meinungsforschungsinstitute wurden diskutiert.

 
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