Nachschau - Veranstaltung am 20.04.2017

 

Gemeinde Buseck
Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V.
Offizier-Verein Frankfurt am Main 1867 e.V.

 
 

29. Busecker Forum
für Sicherheitspolitik

mit dem Thema

Der Koran -
Botschaft der Liebe, Botschaft des Hasses

 
Referent:

Hamed Abdel-Samad

Autor
 

am Donnerstag 20. April 2017, 19.30 Uhr
im Kulturzentrum Buseck
Am Schlosspark, 35418 Buseck

 
Foto: Peter Wollring
 

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Bericht der Sektion Frankfurt/M. - Gießen

Der Koran – Botschaft der Liebe, Botschaft des Hasses

Hamed Abdel-Samad plädierte in Buseck für einen menschlichen Islam

Von Walter-Hubert Schmidt
(von links) Oberstleutnant d.R. H.-Peter Hess, Hamed Abdel-Samad und Oberstabsfeldwebel a.D. Jürgen Gemmer – Foto: Walter-Hubert Schmidt

Gießen. Unter großem Sicherheitsaufwand stand das 29. Busecker Forum für Sicherheitspolitik. Hamed Abdel-Samad, der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler und Islamkritiker war zu einem Vortrag zum Thema: „Der Koran – Botschaft der Liebe, Botschaft des Hasses“. Abdel-Samad steht unter Polizeischutz, weil er in Vergangenheit Morddrohungen – u.a. wegen seines Auftritts bei der AfD – erhalten hat.

Knapp 200 Besucher wollten Abdel-Samads Thesen zum Islam hören. So viele Gäste wie nie zuvor bei den Busecker Foren. Mehrfach ging der Islamkritiker auf Probleme ein – betonte aber auch, die bei weitem nicht alle Muslime betreffen würden: „Der Großteil ist friedlich und friedliebend, aber es reicht schon eine kleine Minderheit, die radikal ist, die so indoktriniert ist, die so verbissen und verbittert ist, um diese Gesellschaft zu destabilisieren“. Integration von denen, die für Erdogan gestimmt hätten, sei gescheitert. Integration bedeute nicht nur gut Deutsch zu sprechen und einen guten Job zu haben, sondern sich bewusst als Teil dieses Landes verstehe, hinter dem diesem Land und seiner Demokratie, hinter diesem Grundgesetz stehe und nicht nur von den Vorzügen dieses Land profitiere – aber seine Identität wo anders verorte und sogar im Gegensatz zur hiesigen Identität dieses Landes verstehe, so der Referent. Es seien nicht nur die Jungen, sondern die Krawattenislamisten, die gut Deutsch sprächen, gute Job hätten, die hier geboren seien und an deutschen Universitäten umsonst studiert hätten.

Eine Lösung für die Probleme des Islam sieht der Deutsch-Ägypter in der Privatisierung der Religion und eine stärkere Akzeptanz von Kritik: „Die Probleme, die wir heute mit der Auslegung des Korans haben, hat die Bibel hinter sich.“ Das liege daran, dass Religionskritik zugelassen worden sei, „deshalb ist Islamkritik aus meiner Sicht nicht nur ein Menschenrecht, sondern sogar eine Menschenpflicht“.

„Im Islam sind wir leider noch nicht so weit“, meinte Abdel-Samad zu Kritikfähigkeit des Islam. Was viele Muslime nicht verstehen wollten, sei eine Diskussion zum Wohle der Menschen. „Ich unterscheide immer zwischen der Ideologie und den Menschen. Ich erkenne bei den Menschen die Vielfalt, die Lernfähigkeit – ich kritisiere Verhaltensweise von bestimmten Menschen“, so Abdel-Samad im Kulturzentrum Buseck.

Im Koran fände man Passagen, die friedlich, aber auch gewaltverherrlichend und sehr hasserfüllt seien. Das verwirre die Menschen. „Alles gibt es, das ist das Problem. Ich vergleiche den Koran mit einem Supermarkt“. Man weiß nicht, welche Passagen zu welcher Epoche gehöre, so der Islamkritiker. Er lese den Koran als ein von Menschen gemachtes Buch. Darin liege das Problem. Erst durch die Anerkennung der menschlichen Dimension konnte man die Texte der Bibel einordnen. Mit dem Koran sei es schwierig, weil man davon ausgehe, dass dieses Buch direkt von Gott offenbart wurde und es das allerletzte Buch Gottes sei. Fundamentalisten würden den Koran als allgemeingültige Verfassung sehen, gegen die kein Widerspruch erhoben werden könne – es das „letzte Wort Gottes“. Er habe allerdings nie verstanden, warum Gott im siebten Jahrhundert den Koran vorgegeben haben soll und seitdem nicht mehr zu den Menschen sprach, meinte Abdel-Samad. Die Welt sie komplizierter geworden. Er verstehe nicht, warum sich Gott aus der Debatte verabschiedet habe. Man müsse die Texte im historischen Kontext lesen. Als Mohammed in Mekka predigte, lebte er ein friedliches Zusammenleben vor. Erst in der Zeit von Medina kamen neue Anhänger dazu. Neue Kriege führten zu Änderungen in der Einstellung bis hin zu hasserfüllten Passagen.

Mehrfach sprach Abdel-Samad historische Vergleiche an. Davon hält er nichts. „Was früher einmal war, das interessiert mich nicht.“ Stattdessen müsse man viel mehr darauf achten, was getan wurde, um dahin zu kommen, wo wir heut sind.

Auch auf die Frage, ob Demokratie und Koran miteinander vereinbar seien, meinte der Redner: „Nein, denn der Koran sieht Gottes Wort als oberstes Gesetz an.“ Der Koran sei nicht mit der Demokratie vereinbar, „aber jeder Moslem ist demokratiefähig“. Man müsse unterscheiden zwischen den Menschen und der Ideologie: „Nicht jeder Moslem ist ein Koran auf zwei Beinen. … es gibt die Theorie und die Realität, die meisten Muslime haben sich der Realität angepasst.“ Als Beispiel führte Abdel-Samad die nach Koran erlaubte Ehe mit vier Frauen. „Aber kaum ein Muslim tut das, die meisten sind schon mit einer überfordert“.

 

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Fotoshow

von der Veranstaltung

 
  • Begrüßung durch Busecks Bürgermeister Dirk Haas - Foto: Walter-Hubert Schmidt

  • Anmoderation durch GSP-Sektionsleiter Hans-Peter Hess - Foto: Walter-Hubert Schmidt

  • Gespanntes Publikum - Foto: Walter-Hubert Schmidt

  • Volles Haus im Kulturzentrum Buseck - Foto: Walter-Hubert Schmidt

  • Hamad Abdel-Samad beim Vortrag - Foto: Walter-Hubert Schmidt

  • (von links) Bürgermeister Dirk Haas und GSP-Sektionsleiter Hans-Peter Hess - Foto: Walter-Hubert Schmidt

  • Abdel-Samad signierte vor Ort seine Bücher über den Koran - Foto: Walter-Hubert Schmidt

  • Hamad Abdel-Samad im Gespräch mit Bürgermeister Dirk Haas - Foto: Walter-Hubert Schmidt

  • (von links) Oberstleutnant d.R. H.-Peter Hess, Hamed Abdel-Samad und Oberstabsfeldwebel a.D. Jürgen Gemmer – Foto: Walter-Hubert Schmidtt

 
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