Sektion Fritzlar

Nachschau - Schülerveranstaltung am 18.10.2014

 

„Spannungen betreffen uns alle“

Dr. Kinan Jäger referiert an der Alten Landesschule über die Lage im Nahen Osten

Der Sektionsleiter der Gesellschaft für Sicherheitspolitik aus Fritzlar, Hans-Joachim Feih (l.), und der Referent Dr. Kinan Jäger (r.) mit angehenden Abiturienten der ALS. Foto: pr

„Der Westen weiß nicht, wie er den Konflikten im Nahen Osten begegnen soll. Aber wenn wir nichts tun, kommt die Bedrohung, etwa in Form der Terrororganisation IS, zu uns nach Europa“, fasste Dr. Kinan Jäger das Dilemma zusammen.

Korbach (r). Der Nahostexperte referierte vor Politikkursen der angehenden Abiturienten an der Alten Landesschule in Korbach und löste damit eine intensive Diskussion unter den Jugendlichen aus.

Reiche und viele Arme

Auch anhand vieler aktueller Beispiele zeigte der Lehrbeauftragte an der Universität in Bonn die Zersplitterung des Nahen Ostens auf. Neben einigen Reichen, vor allem auf der arabischen Halbinsel, gebe es viele arme Menschen. Religiöse und ethnische Minderheiten würden oft unterdrückt.

„Viele Menschen im Nahen Osten haben alles verloren, ihren Job, ihr Haus, Teile ihrer Familie und daher nichts mehr zu verlieren. Sie versuchen nach Europa zu fliehen oder schließen sich bewaffneten Milizen an, was die gesamte Lage weiter verschlimmert“, berichtete Dr. Jäger, der selbst in Syrien geboren wurde.

Ein aktuell bedrohliches Beispiel sei der sogenannte „Islamische Staat“, der sich durch den Verkauf von Öl und uralten Kulturgütern sowie durch Schutzgelderpressung finanziere. Wenn es der Terrorgruppe gelänge, wichtige Verkehrswege für den Öltransport in die Industrieländer zu kappen, würden dort der Energiesektor und die Wirtschaft akut gefährdet. „Das ist das Horrorszenario: Die Islamisten drehen uns den Ölhahn zu“, betonte Dr. Jäger. Der Westen dürfe dem Zusammenbruch von Staaten, möglichen Genoziden sowie dem Heranwachsen einer perspektivlosen Nahost-Generation ohne Arbeit und Familie nicht tatenlos zusehen, machte er in seinem Vortrag deutlich.

In der folgenden Diskussion darüber, wie der Westen auf diese Bedrohung reagieren solle, stimmten einige Schüler für ein aktives militärisches Engagement des Westens mit Bodentruppen. Am besten solle dies unter Führung der Vereinten Nationen geschehen. Andere plädierten dafür, moderate Kräfte der Region in eine Friedenslösung einzubinden (etwa die Arabische Liga) und eine Pufferzone für die Flüchtlinge einzurichten.

Aufklärung und Bildung

Skeptisch zeigte sich Dr. Jäger zu einem militärischen Eingreifen: „Der Westen hat sich in Irak und Afghanistan schon zu sehr die Finger verbrannt und will keine Menschenleben aufs Spiel setzen.“ Stattdessen plädierte er für mehr Aufklärung und Bildung, in Nahost und in Europa, um den Zulauf von Sympathisanten zu stoppen. Dazu könne auch der Besuch von Moscheen beitragen.

Zudem regte er einen neuen Marshallplan an, der die ganze Region umfassen solle. „Wir müssen auf jeden Fall etwas tun, denn die vielen Spannungen in Nahost betreffen uns alle“, lautete sein Fazit.

Die Veranstaltung an der Alten Landesschule ermöglicht hat Hans-Joachim Feih, Sektionsleiter der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. aus Fritzlar. Diese setzt sich für politische Bildung ein und wird dabei von der Bundesregierung unterstützt.

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