Nachschau - Veranstaltung am 16.08.2017

 
 
 
 

Nach dem Kampf um Mossul –
wie weiter im Irak?

Referent:

Marco Seliger

Chefredakteur von „loyal – Das Magazin für Sicherheitspolitik“
 

am Mittwoch, 16. August 2017, 19.30 Uhr
im Hotel „Jägerhaus“, Wintergarten
Bronnzeller Str. 8, 36043 Fulda-Bronnzell

 

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Bericht der Sektion Fulda

Das Ende des IS-Kalifats in Mossul

Authentischer Vortrag des FAZ-Autors Marco Seliger

Von Franz Trost
  • Begrüßung durch Sektionsleiter Michael Trost: Freude über das große Interesse - Foto: Gisbert Hluchnik

  • FAZ-Autor Marco Seliger erzielt volle Aufmerksamkeit seiner Zuhörer - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Konzentrierte Aufmerksamkeit - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Anschauliche Darstellung aller Fakten - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Lebhafte Diskussion - Foto: Gisbert Hluchnik

  • v.l. Michael Brand MdB, SL Michael Trost, Oberst Jürgen Steinberger, Leiter GefSimZH Wildflecken - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Mit herzlichem Dank an Marco Seliger - Foto: Gisbert Hluchnik

Über die Terrororganisation IS und deren Vertreibung aus dem nordirakischen Mossul referierte der Chefredakteur von „loyal – Das Magazin für Sicherheitspolitik“ Marco Seliger. Auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Fulda, sprach er vor 65 interessierten Zuhörern im Hotel „Jägerhaus“ in Bronnzell, wobei er sich auf persönliche Eindrücke vor Ort, zuletzt im März dieses Jahres, stützen konnte.

Bei der Begrüßung des Referenten erwähnte Sektionsleiter Michael Trost, dass Seliger als Experte für Verteidigungspolitik auch für die renommierte Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibe und Autor des Buches „Sterben für Kabul“ sei.

Seliger führte in seinem Vortrag aus, dass sich beim Kampf um Mossul die an sich verfeindeten Konfliktparteien der staatlichen irakischen Armee, der kurdischen Peschmerga sowie Volksmilizen zusammen getan hätten, um den gemeinsamen Feind IS zu bekämpfen und zu vertreiben.

Die Millionenstadt Mossul in den Händen des IS

Im Juni 2014 sei der Angriff von etwa 1500 IS-Kämpfern auf die Millionenstadt Mossul erfolgt. Dieser sei auch deshalb erfolgreich gewesen, weil sich in der sunnitischen Stadt sogenannte Schläfer aus Gefolgsleuten von Saddam Husseins Armee und Geheimdienst, also des alten Regimes befunden hätten, die die Angreifer unterstützt hätten. Anders sei zudem die in kurzer Zeit erfolgte Auflösung und Flucht von vier irakischen Armeedivisionen nicht zu erklären. Zudem müsse man konstatieren, dass die Beratung und Ausbildung der irakischen Soldaten durch amerikanische Berater wohl nicht den gewünschten Erfolg gehabt habe. Die Terroristen des IS seien zudem durch rund 40.000 Anhänger aus etwa 100 Staaten unterstützt worden, sodass er sich bis auch nach Afghanistan und in afrikanische Staaten habe ausbreiten können.

Beginn der Rückeroberung mit ca. 100.000 Mann am 17.10.2016

Den Angriff am 17.10.2016 auf Mossul hätten die Befreier mit etwa 20.000 Peschmerga, 60.000 Angehörige der irakischen Armee und nochmals rund 20.000 Angehörige der Volksmilizen geführt.

Mit Lichtbildern veranschaulichte der Referent die Auswirkungen der mörderischen Kämpfe. Nicht nur die Altstadt von Mossul liegt in Schutt und Asche, sodass ein Durchkommen nicht mehr möglich ist, auch die übrigen Stadtgebiete wurden weitgehend bis auf die Grundmauern zerstört. Aufnahmen von erschossenen IS-Kämpfern, die zur Abschreckung einfach liegen gelassen wurden, führten die grausame Wirklichkeit des Geschehens vor Augen. Die Angaben über die Toten und Verwundeten sind vage und werden von den Konfliktparteien heruntergespielt, sodass darüber keine belastbaren Erkenntnisse vorliegen.

Auch Giftgaseinsatz des IS

Aufgrund der Verletzungsspuren von Opfern muss jedoch davon ausgegangen werden, dass der IS auch Giftgas eingesetzt hat, unter anderem dadurch, dass das Gas in lange Gräben geleitet und angezündet wurde. Anhand von Filmaufnahmen, die vom IS selbst stammen, konnte der Referent vorführen, wie die Fahrer durch Panzerplatten verstärkter und geschützter Selbstmörderfahrzeuge aus der Luft ins Ziel gelenkt wurden. Im Gegensatz zu anderen Kriegsgebieten wie Afghanistan oder in afrikanischen Staaten führt der IS auch Angriffe aus der Luft mit bombenbestückten Drohnen, was eine neue Dimension in solchen Konfliktgebieten darstellt. Die erschreckenden Erfolge des IS gehen zudem auf dessen hohe Zahl von Selbstmordattentätern und Scharfschützen zurück.

„Der mutationsfähige Organismus des Schreckens IS besteht fort“

Die Frage, ob mit dem Verlust von Mossul der Abstieg und letztlich Untergang der IS-Terrororganisation eingeläutet sei, wurde vom Referenten klar verneint. Zum einen habe sich die Führungsgruppe des IS rechtzeitig aus Mossul abgesetzt. Ihr derzeitiger Aufenthalt sei nicht bekannt. Selbst wenn deren Anführer Abu Bakr al-Baghdadi tatsächlich getötet worden sei, ändere dies nichts am Bestand des IS, der als „mutationsfähiger Organismus des Schreckens“ anzusehen sei.

Wie geht es weiter, Aufteilung des Irak?

Zudem seien die im Kampf gegen den IS vereinten Konfliktparteien schon damit beschäftigt, die „Kriegsbeute“ für sich zu beanspruchen. So hätten die kurdischen Peschmerga im Verlauf der Kämpfe ihr bisheriges Gebiet vergrößert und wären nicht bereit, sich wieder zurück zu ziehen. Es werde angenommen, dass der Irak in Kurdistan, „Schiistan“ und einen sunnitischen Rumpfteil zerfalle. Bei jeder dieser Volksgruppen sei keine befähigte Person in Sicht, die das Land einen könne. Gelegentlich höre man von einer gewissen Sehnsucht nach der Zeit unter Saddam Hussein, auch wenn dieser ein schrecklicher Diktator gewesen sei.

Die Veranstaltung endete mit einer lebhaften Diskussion der Teilnehmer mit dem Referenten.

 
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