Nachschau - Veranstaltung am 19.04.2017

 
 
 

Akademieabend

zum Thema

Der Koran -
Botschaft der Liebe, Botschaft des Hasses?

 
Referent:

Hamed Abdel-Samad

Buchutor
 
Leitung:

Gunter Geiger

Direktor Bonifatiushaus
 

Michael Trost

Sektionsleiter GSP Fulda
 

am Mittwoch, 19. April 2017, 19.00 Uhr
im Bonifatiushaus
Neuenberger Str. 3, 36041 Fulda

 
Foto: Peter Wollring
 

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vom 21.04.2017

„Das wohl mächtigste Buch der Welt“

Publizist Hamed Abdel-Samad sprach im Bonifatiushaus über den Koran

Von unserem Redaktionsmitglied
BJÖRN GAUGES
Hamed Abdel-Samad trifft einen Nerv: Viele Besucher ließen sich seine Bücher signieren. - Foto: Björn Gauges

FULDA.Einen solchen Zuspruch hat das Bonifatiushaus selten erlebt. Ein solches Maß an Sicherheitsvorkehrungen wohl noch nie. Der deutsch-ägyptische Islamwissenschaftler und Publizist Hamed Abdel- Samad (45) war am Mittwochabend zu Gast, um über den Koran und seine Wirkung zu sprechen. Seine brisanten Thesen führten bereits zu mehreren Mordaufrufen islamischer Fanatiker, in Fulda trug er sie dennoch vor: sachlich, unaufgeregt und ausgleichend.

„Der Koran ist das wohl mächtigste Buch der Welt“, vermutet Hamed Abdel-Samad. Denn Millionen gläubiger Muslime verstehen ihn als das letzte Wort Gottes und als direkte, wörtlich zu befolgende Offenbarung. Für den in Kairo aufgewachsenen und in Deutschland lebenden Islamwissenschaftler ist dies allerdings ein großer Irrtum. Denn „der Koran ist ein von Menschen gemachtes Buch“. Es sei nur im Kontext seiner Entstehung zu verstehen, betonte Abdel-Samad in Fulda.

Im Bonifatiushaus trug er am Mittwochabend seine Sicht der Dinge vor. Und seine Ausführungen unter dem Titel „Koran – Botschaft der Liebe, Botschaft des Hasses“ sorgten für eine riesige Resonanz. Rund 200 Besucher drängten sich im Vortragssaal, Hunderte weitere mussten wegen Platzmangels abgewiesen werden, wie Gunter Geiger, Direktor des Bonifatiushauses, in seiner Begrüßung bedauerte. Und wer einen Platz ergattert hatte, sah sich verschärften Sicherheitskontrollen ausgesetzt – Abdel- Samad wird konkret bedroht und rund um die Uhr von Personenschützern des Bundeskriminalamtes bewacht.

Es sei daher nicht selbstverständlich, sagte der DeutschÄgypter zu Beginn an Geiger und Michael W. Trost von der den Abend mitveranstaltenden Gesellschaft für Sicherheitspolitik gewandt, „jemanden wie mich einzuladen“. Viele Veranstalter in Deutschland hätten Angst und würden den hohen Sicherheitsaufwand scheuen. Zudem werde es immer schwieriger und emotionsgeladener, über den Islam zu debattieren. Der Sohn eines ägyptischen Imams tut es dennoch und trifft damit offensichtlich einen Nerv des Publikums – in Fulda wie anderswo. Denn mehrere seiner Bücher zum Thema wurden zu Bestsellern, seine wöchentliche YouTube-Sendung in arabischer Sprache wird von Muslimen in aller Welt gesehen.

Ihm sei es wichtig, so respektvoll wie ehrlich und fair zu diskutieren, betonte er im Bonifatiushaus. Dazu gehört es für den 45-Jährigen, den Koran in den Kontext seiner Entstehungszeit zu stellen. „Er war für eine primitive Wüstengesellschaft gedacht.“ Daher fänden sich darin rund 6300 Verse, die für alle Lebenslagen Anweisungen und Ratschläge bereithielten, darunter auch manch sinnvolle. Doch warum „muss sich Gott mit all diesen Alltagsproblemen abmühen?“, fragte der Islamwissenschaftler spitz. Es helfe auch nicht, die bisweilen verwirrend unterschiedlichen Aussagen des Buchs gegeneinanderzustellen, sie komplizierten Interpretationen zu unterziehen und „mit ihnen Ping-Pong zu spielen“. Man müsse diese Texte vielmehr relativieren. „Es ist einfach falsch, seine Frau zu schlagen“, auch wenn dies im Buch stehe. Passagen wie diese dürften nicht gerechtfertigt, ihre Problematik müsse deutlich angesprochen werden.

Doch genau darin sieht der Wissenschaftler das Hauptproblem des Islam: Die Religion dulde keine Nebenidentitäten neben sich, keine Selbstkritik, keine Distanz, keine Zweifel. Genau das mache aber den modernen Menschen aus.

Gegenüber seinen im Bonifatiushaus zumeist nichtmuslimischen Zuhörern betonte Abdel-Samad aber auch, dass es grundfalsch sei, den Islam und die Muslime als geschlossene Einheit zu betrachten. „Nicht jeder Muslim ist ein Koran auf zwei Beinen.“ Zudem gebe es unzählige Strömungen, die von Salafismus bis Sufismus, deren Positionen vom Gewaltaufruf bis zur Spiritualität reichen. Für das friedliche Zusammenleben sei dabei allein eine einzige Instanz maßgeblich: der säkulare Staat.

 

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Fotoshow

von der Veranstaltung

 
  • Begrüßung durch Gunter Geiger, Direktor des Bonifatiushauses - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Hamed Abdel-Samad beim Vortrag - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Das vollbesetzte Auditorium - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Gespannte Aufmerksamkeit - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Sachlich, unaufgeregt und ausgleichend in der Diskussion - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Chai-Tee und Honig zum Dank - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Beim Signieren seiner Bücher über den Koran - Foto: Gisbert Hluchnik

 
Lesen Sie auch das FZ - Interview mit Hamed Abdel-Samad vom 22.04.2017 ...
 
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