Nachschau - Veranstaltung am 21.07.2016

 
 

Militärhistorischer Vortrag

zum Thema

Mansteins Gegenschlag nach Stalingrad.
Die “brillanteste” Operation des Krieges?

 
Referent:

Oberst a.D. Dr. Karl-Heinz Frieser

Militärhistoriker, ehem. Forschungsbereichsleiter
am MGFA in Potsdam
 

am Donnerstag, 21. Juli 2016, 19.30 Uhr
im Hotel „Jägerhaus“, Wintergarten
Bronnzeller Str. 8, 36043 Fulda-Bronnzell

 

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Bericht der Sektion Fulda

Mansteins Gegenschlag nach Stalingrad

Militärhistorischer Vortrag bei der GSP in Fulda

Von Hartmut Kullmann
Überzeugend und engagiert vortragend: Oberst a.D. Dr. Karl-Heinz Frieser - Foto: Michael Trost

Die Sektion Fulda der Gesellschaft für Sicherheitspolitik hatte zu einem militärhistorischen Vortrag zum Thema „Mansteins Gegenschlag nach Stalingrad – Die brillanteste Operation des Krieges?“ ins Hotel „Jägerhaus“ nach Fulda-Bronnzell eingeladen. Sektionsleiter Michael Trost gab seiner Freude Ausdruck, dass er wiederum den profunden Historiker und Oberst a.D. Dr. Karl-Heinz Frieser als Referenten gewinnen konnte.

Dr. Frieser zitierte einleitend Johann Adolf Graf von Kielmansegg, den späteren Bundeswehrgeneral und NATO – Oberbefehlshaber Alliierte Streitkräfte Europa Mitte. Dieser hatte zwei brillante strategische Entscheidungen im Zweiten Weltkrieg genannt: den Sichelschnitt im Mai 1940 im Westen und den Gegenschlag Mansteins zwischen Donez und Dnjepr im Februar und März 1943 im Osten.

Nach der Niederlage in der Schlacht von Stalingrad drohte der gesamten südlichen deutschen Ostfront ein Zusammenbruch, der die Folgen von Stalingrad noch übertroffen hätte. Westlich des Don war eine rund 300 km breite Lücke auf deutscher Seite aufgerissen, durch die sowjetische Panzerverbände strömten. Die Rote Armee hatte zunächst Erfolg und konnte mit ihrem XXIV. Panzerkorps unter General Wasili Badanow in fünf Tagen 240 km vorstoßen, da ihm am mittleren Don nur die 8. Italienische Armee gegenüber stand. Die Deutschen hatten die Lufthoheit und dadurch auch eine bessere Luftaufklärung als die Rote Armee. Hinzu kamen durch den schnellen Vorstoß auch Versorgungsprobleme für die SU-Verbände. Die Rote Armee war durch ihren großen Vorstoß siegessicher und rechnete nicht mehr mit deutschem Widerstand. Manstein gelang es, schlagkräftige Divisionen der Generale Hoth und Hollidt für seine Operationen zu bekommen. Mit 2 Panzer -Divisionen und einer Infanterie-Division wurde das sowjetische Korps eingekesselt und aufgerieben.

Die Rote Armee drängte jedoch mit weiteren Kräften in Richtung Charkow. Mansteins Strategie bestand mit seiner beweglichen Kriegsführung darin, zurückzuweichen und den Feind zunächst weit vorstoßen zu lassen und dann, unter Ausnutzung der sowjetischen Nachschubprobleme, von den Flanken und im Rücken anzugreifen (Schlagen aus der Nachhand). Die sowjetische 40. und 69. Armee wollte Charkow direkt angreifen, während die 3. SU-Panzerarmee Charkow südlich umgehen sollte. Die erstrebten SU-Ziele konnten jedoch nicht erreicht werden, da die SS-Divisionen (1. SS Panzergrenadier-Division Leibstandarte Adolf Hitler und 2. SS Panzergrenadier-Division ´Das Reich`) den Vormarsch stoppten. Dagegen erreichte die 40. SU-Armee trotz des Widerstands der 168. Infanterie-Division Belgorod und bildete einen Brückenkopf über den Donez. Kämpfend zog sich die Division Großdeutschland zurück, sodass die 69. SU-Armee Woltschansk erreichte. Südlich davon hatte das VI. Garde-Kavalleriekorps der 3. SU-Panzerarmee die Deutschen umgangen und stieß kurz vor Charkow auf Merefa vor. Dadurch war Hubert Lanz, General der Gebirgsjäger, gezwungen, die Armeeabteilung mit den zurückweichenden Truppen der Heeresgruppe B sowie das aus Frankreich herangeführte SS Panzerkorps zurückzunehmen. Laut Führerbefehl sollte aber Charkow unter allen Umständen verteidigt werden. Gleichzeitig sollten Kräfte der Armeeabteilung Lanz der unter Manstein neu aufgestellten Heeresgruppe Süd zugeführt werden. Durch das weitere Vordringen der SU-Kräfte drohte die Gefahr, dass die deutschen Verbände eingeschlossen wurden. Paul Hausser, Führer des SS-Panzerkorps, widersetzte sich dem Führerbefehl und wollte aus Charkow abziehen. Erst durch ausdrücklichen Befehl von Lanz und Manstein war Hausser bereit, die Stellungen in Charkow zu halten, ordnete dann aber eigenmächtig den Befehl zum Rückzug aus Charkow an. Doch nicht Hausser wurde für diese Eigenmächtigkeit von Hitler bestraft, sondern Lanz, der durch den General der Panzertruppe, Werner Kempf, abgelöst wurde.

Gespannte Zuhörer im wie immer vollbesetzten Wintergarten - Foto: Michael Trost

Zwischen der Armeeabteilung Kempf und der 1. Panzerarmee waren die Truppen der SU-Südwest Front weit ins Hinterland der Heeresgruppe Süd durchgebrochen. Sie standen nur noch 60 km vom Dnjepr entfernt und SU-Panzerspitzen nur noch 60 km vor Mansteins Hauptquartier in Saporosche. Die SU-Verbände aus der Panzergruppe Popow und der 6. Armee waren durch Nachschubprobleme geschwächt und schätzten, wie auch das SU-Hauptquartier, die Lage falsch ein. Sie rechneten mit dem Rückzug der Deutschen über den Dnjepr und erkannten nicht Mansteins Absichten; denn dieser hatte seine Panzer-Divisionen erst kurz zuvor in die Bereitstellungsräume befohlen. Durch den nicht erwarteten Angriff der Deutschen wurde die Panzergruppe Popow und die 6. SU-Armee völlig überrascht und aufgerieben.

Die deutsche 4. Panzerarmee mit Haussers Panzerkorps begann dann die Offensive gegen die 3. SU-Panzer Armee und die 69. Armee. Es wurden zunächst die SU-Stellungen in Charkow überrannt. Daher wollte die Rote Armee durch ihren Panzerangriff die Deutschen einschließen. Dies misslang aber durch hartnäckigen Widerstand der Deutschen. Am 15. März 1943 besetzte die SS-Division ´Leibstandarte Adolf Hitler` unter dem Befehl von Sepp Dietrich Charkow. Und am 18. März fiel Belgorod wieder in deutsche Hand.

Perfekt inszenierte Präsentation - Foto: Michael Trost

Manstein hatte durch seinen Gegenschlag vier SU-Armeen aufgerieben. Dadurch war der Roten Armee eine Niederlage zugefügt worden, welche die deutschen Verluste in Stalingrad noch übertraf.

Friesers Vortrag war durch entsprechende Militärkarten gut nachvollziehbar und durch einen Kurzfilm aufgelockert. Eine lebhafte Diskussion schloss sich an.

 

ZDF - Dokumentation über Generalfeldmarschall Erich von Manstein auf YouTube

 
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