Nachschau - Veranstaltung vom 21. - 23.09.2017

 
 
 
 
 
mit den Zielen

Westpfalz und Lothringen (F)

 
 

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Bericht der Sektion Fulda

Exkursion in die Westpfalz und nach Lothringen

Informative sicherheitspolitische Jahresfahrt 2017

Von Michael Trost
Die Reisegruppe vor der C 130 J Super Hercules auf der Ramstein Air Base - Foto: Gisbert Hluchnik

Auch bei dieser sorgfältig organisierten Exkursion war das Interesse bei Mitgliedern und Gästen der Sektion Fulda sehr groß und demzufolge der Reisebus mit den von der US Air Force maximal erlaubten 41 Teilnehmern voll ausgebucht.

Die Ramstein US Air Base

Als erster Programmpunkt geriet die außerordentlich informative Rundfahrt über den größten US-Militärflugplatz außerhalb Amerikas und die anschließende hautnahe Besichtigung einer C 130J Super Hercules, den weltweit modernsten taktischen Airlifter, zu einem ersten Höhepunkt der Jahresfahrt.

Man sieht es auch der Pilotin Captain Mary Bordelon und dem Lademeister Technical Sergeant Duane Jensen an, wie stolz sie beide auf ihr „Arbeitspferd“ sind.

Dank an Pilotin Captain Mary Bordelon und Lademeister Technical Sergeant Duane Jensen - Foto: Gisbert Hluchnik

Mit rund 35.000 Militärangehörigen und ca. 6.000 zivilen Angestellten, sog. Local Nationals, ist die Ramstein AB auch die personalmäßig größte Einrichtung der US Air Force außerhalb der Vereinigten Staaten.

Übrigens, bis zu sechs Transportflugzeuge dieses Typs sollen für die Bundeswehr von dem amerikanischen Hersteller Lockheed Martin erworben werden.

ZMSBw-Militärhistoriker Dr. John Zimmermann als Gastreferent

Nach dem Einchecken und einer Kaffeepause im schön gelegenen katholischen Tagungshaus „Maria Rosenberg“, dem geistlichen Zentrum der Westpfalz in Waldfischbach-Burgalben, gelang es OTL Dr. Zimmermann mit zwei militärhistorischen Vorträgen die nicht nur männlichen Fahrtteilnehmer in seinen Bann zu ziehen.

Der Vortrag Teil I lautete: „Pflicht zum Untergang“ – Die Endkämpfe deutscher Streitkräfte am Ende des II. Weltkrieges, nach dem Abendessen Vortrag Teil II: „Unternehmen Nordwind“ – die letzte Offensive deutscher Streitkräfte an der Westfront vom 31. Dezember 1944 bis 25. Januar 1945, ein Thema, das auch als Vorbereitung auf den Besuch des Westwallmuseum am nächsten Tag gedacht und eingeplant war.

Oberstleutnant Dr. Zimmermann (ZMSBw) referierte im katholischen Tagungshaus „Maria Rosenberg“ - Foto: Gisbert Hluchnik

Ähnlich wie im ersten Vortrag wurde mit erschreckender Deutlichkeit auch im zweiten Teil am Beispiel der 257. VGD klar, dass wegen des Kräfteverhältnisses, der mangelhaften Versorgungslage, des größtenteils kampfunerfahrenen Personals und geringen Ausbildungsstandes der Volksgrenadierdivisionen mit älteren und minderjährigen Soldaten, mangelnder Artillerie- und Luftunterstützung und das Fehlen ausreichender Reserven, jede Aussicht auf Erfolg genauso wie in der Ardennenoffensive verwehrt bleiben musste, eine Fortführung des Kampfes durch die deutsche Generalität eigentlich nicht zu verantworten war!

Westwallmuseum „Festungswerk Gerstfeldhöhe“

Am zweiten Tag unserer Fahrt besichtigten wir in einem 2-stündigen, geführten Rundgang das in den Jahren 1938 – 1940 erbaute, größte, wegen des Atlantikwall nur teilweise fertiggestellte, Festungswerk des Westwalls in Pirmasens-Niedersimten.

Die beiden Gästeführer, Frau Jaquet-Wagner und Herr Gaubatz erhielten dankbaren und herzlichen Applaus im Anschluss an ihre detailreiche, sachkundige und interessante Führung durch die mit nur 8 Grad Celsius natürlich recht kalte unterirdische Bunkeranlage.

Im Laufe der Führung erfuhren wir auch, dass in der im II.WK umkämpften Grenzregion der Westpfalz zu Frankreich die Städte Pirmasens und Zweibrücken zu 80 bzw. 90 Prozent durch alliierte Bombardements zerstört wurden.

Herzlicher Dank an die beiden Gästeführer, Frau Jaquet-Wagner und Herr Gaubatz - Foto: Thomas Thys

Beim Mittagessen im Bottenbacher Gasthaus „Weber’s Schnapskeller“, konnte man sich wieder angenehm aufwärmen und nach einer Führung durch die Edelfein-Brennerei des gastfreundlichen Familienbetriebs eine Vielzahl auserlesener Schnäpse verkosten… und preisgünstig erwerben.

Die Zitadelle von Bitche / Lothringen

Danach führte uns die Reise durch die abwechslungsreiche, teils offene Höhenlandschaft über die pfälzisch-lothringische Grenze bei Walschbronn, in den waldreichen Ausläufer des Naturparks der Nordvogesen und schließlich in das 5.000-Einwohner-Städtchen Bitche (dt. und lothr. Bitsch).

Ein absolutes Muss war der zweite Foto-Halt, weil nur von hier aus es möglich war, die über der Stadt thronende Zitadelle von Bitsch in ihrer mächtigen Gesamtgröße aufzunehmen. Der Festungsbau dauerte von 1683 bis 1697, in zwei Kriegen war sie vergeblich belagert worden.

Die Die Zitadelle von Bitche/Lothringen - Foto: Otmar Wald

Unser Gast, Herr Günter Henn, Hobbyhistoriker und Mitglied der GSP Sektion Kaiserslautern, übernahm hier dankenswerterweise die Aufgabe, uns u.a. über die Geschehnisse vor Kriegsende zu informieren:

So versuchten im Dezember 1944 amerikanische Truppen vergeblich, Bitsch einzunehmen. Sie mussten die südliche Umgebung der Stadt und das gesamte Gebiet ostwärts davon bei einem taktischen Rückzug im Zuge der deutschen „Offensive Nordwind“ wieder räumen.

Am 15. März 1945, dem ersten Tag der „Operation Undertone“ rückten US-Truppen erneut nach Bitsch vor und nahmen die Stadt bald darauf ein. Dabei half ihnen ihre absolute Luftüberlegenheit.

Geländebegehung mit Herrn Günter Henn, Hobbyhistoriker und Mitglied der GSP Sektion Kaiserslautern - Foto: Otmar Wald

In der Patisserie Antoine erwartete uns im Anschluss an unseren Spaziergang um die Festung eine überraschend große Auswahl an leckeren Kuchen und Torten, die keine Wünsche bei einer guten Tasse Kaffee offen ließ.

Gestärkt und aufgrund der netten Bewirtung in guter Stimmung, verließen wir den gastfreundlichen Ort und trafen nur wenig später in Schorbach ein.

Das Beinhaus in Schorbach

Besonders bekannt ist Schorbach für das noch aus romanischer Zeit im 12. Jh. stammende Beinhaus (Ossuarium) am Eingang zum ehemaligen Kirchhof.

Nach der Rückfahrt durch das wunderschöne Hornbachtal und Überquerung der deutsch-französischen Grenze (die im eigentlichen Sinne keine mehr ist!) kehrten viele Mitreisende wie am Vorabend nach dem Abendessen gerne zu einem Gläschen Wein oder Bier in der hauseigenen Trinkstube im Souterrain des geistlichen Tagungshauses ein, ließen den ereignisreichen Tag noch mal Revue passieren oder diskutierten eifrig über aktuell politische Streitthemen.

Das Beinhaus in Schorbach - Foto: Thomas Thys
 

Simserhof

Das in den Jahren 1930 bis 1938 erbaute Festungswerk eine der größten Artilleriefestungen der Maginot-Linie, erhielt seinen Namen von einem hier befindlichen Bauernhof. Nach einer Filmvorführung fuhr man mit einer Kleinbahn in die ehemaligen Munitionslager ein, durch audiovisuelle Spezialeffekte bekam man ein Gefühl für den Alltag in der Festung und die Angriffe im Mai und Juni 1940.

Fahrt mit einer Kleinbahn in die ehemaligen Munitionslager des Festungswerks "Simserhof" - Foto: Michael Trost

Die beiden Gästeführerinnen Sabrina und Betty (mit roter Jacke) nahmen uns auf einen Rundgang durch die unterirdische Kaserne für die insgesamt 876 Mann Besatzung mit.

Die original erhaltene Sanitätsabteilung mit OP-Raum, Versorgungsabteilung zur Bevorratung von Lebensmitteln, Großküche, Ruhe- und Bereitschaftsräume, Duschen und Toiletten, Kraftwerks- und Heizungsanlagen hinterließen bei allen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck.

Erst vier Tage nach der offiziellen Einstellung der Kampfhandlungen am 30. Juni 1940 wurde „Simserhof“ an die deutschen Besatzer übergeben und die Besatzung ging, bis auf eine kleine Gruppe von Spezialisten, in deutsche Gefangenschaft.

Vor dem Festungswerk "Simserhof" der Maginot-Linie - Foto: Gisbert Hluchnik
 

"Essen wie Gott in Frankreich”

Im Programm war nicht zu viel versprochen worden. Im „Chez Bernadette“ in Etting konnte man bei geschmortem Kalbsbraten, wahlweise Rinderbraten, im wahrsten Sinne „wie Gott in Frankreich“ ein zweieinhalb-stündiges Menu genießen.

Madame Bernadette Kimmel (hocherfreut darüber, dass unser Reisebus in großen Lettern die gleiche Aufschrift trug), kümmerte sich als sympathische und perfekte Gastgeberin um ihre Gäste aus Deutschland, sodass es den allermeisten schwer fiel, sich zur anschließenden Heimreise von ihr zu verabschieden.

Gaumenschmaus "Chez Bernadette" in Etting - Foto: Michael Trost

Mit einem herzlichen Wort des Dankes für die wiederum umsichtige Busfahrweise unseres GSP-Mitglieds Thomas Pfeiffer, Inhaber des Reisedienst Kimmel, und auch in Abwesenheit an Heinz Klages, den Sektionsleiter der GSP in Kaiserslautern, ohne dessen nützliche Vorschläge in der Planungsphase manches nicht so gut gelungen wäre, war man sich in Fulda einig, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein.

 

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Impressionen von der Jahresreise 2017

 
  • Wallfahrtskirche Maria Rosenberg mit Stifterhaus im Hintergrund, im angeschlossenen Tagungshaus fanden wir gute Unterkunft – Foto: Thomas Thys

  • Technical Sergeant Duane Jensen lässt keine Frage unbeantwortet – Foto: Michael Trost

  • Fotoshooting mit Captain Bordelon im Cockpit der Super Hercules C 130J – Foto: Michael Trost

  • Ein GSP-Wappenschild als Dank für den Besuch – Foto: Gisbert Hluchnik

  • Die Reisegruppe vor der C 130J Super Hercules – Foto: Gisbert Hluchnik

  • „Unternehmen Nordwind“, ein militärhistorischer Vortrag von OTL Dr. Zimmermann – Foto: Thomas Thys

  • Frei vorgetragene, schonungslose Analyse – Foto: Gisbert Hluchnik

  • Gespannte Aufmerksamkeit – Foto: Thomas Thys

  • Das Westwallmuseum in Pirmasens-Niedersimten – Foto: Thomas Thys

  • Die legendäre „Achtacht“ im Außenbereich – Foto: Thomas Thys

  • Gästeführer Michael Gaubatz – Foto: Gerhard Wienert

  • Kenntnisreich und authentisch erklärend – Foto: Gerhard Wienert

  • Typische Mannschaftsstube im Bunker – Foto: Gerhard Wienert

  • 7,5-cm-PaK 40 in teilgedeckter Stellung – Foto: Thomas Thys

  • Begonnener, wegen Atlantikwall nicht fertiggestellter, Stollen – Foto: Gisbert Hluchnik

  • Lob und Dank an die beiden Gästeführer, Ute Jaquet-Wagner und Michael Gaubatz – Foto: Otmar Wald

  • In angenehmer Mittagssonne vor der Gaststätte „Weber’s Schnapskeller“ – Foto: Otmar Wald

  • Erster Blick auf die gewaltige Zitadelle Bitche – Foto: Otmar Wald

  • Ankunft unterhalb der Festung – Foto: Gisbert Hluchnik

  • Schönes Motiv beim Spaziergang um die Festung – Foto: Thomas Thys

  • Grandiose Aussicht auf das 6000-Einwohner-Städtchen Bitsch und den Garten des Friedens – Foto: Thomas Thys

  • Hobbyhistoriker Günter Henn umringt von Geschichtsinteressierten – Foto: Gisbert Hluchnik

  • Horst Müller (mit Pfeife) und Gisbert Hluchnik genießen den Augenblick – Foto: Otmar Wald

  • In der pittoresken Altstadt von Bitsch – Foto: Otmar Wald

  • Zu Kaffee & Kuchen in „Patisserie Antoine“ – Foto: Otmar Wald

  • Das Beinhaus aus dem 12. Jahrhundert in Schorbach – Foto: Otmar Wald

  • Schon etwas gruselig, das Beinhaus aus romanischer Zeit – Foto: Otmar Wald

  • Blick auf das moderne Empfangsgebäude Simserhof der Maginot-Linie – Foto: Otmar Wald

  • Im Inneren die anspruchsvoll gestaltete Rezeption mit Café – Foto: Otmar Wald

  • Eingang zum Munitionsstollen mit Feldeisenbahn – Foto: Gisbert Hluchnik

  • Meterdicker Beton im Eingangsbereich zum Munitionslager der Festung – Foto: Thomas Thys

  • In einer Elektrobahn Fahrt in die Festung – Foto: Otmar Wald

  • Begleitet von audiovisuellen Spezialeffekten realitätsnah durch das Tunnelsystem des Munitionslagers – Foto: Thomas Thys

  • Rohrkrepierer – Foto: Thomas Thys

  • Mit Gästeführerin Betty auf dem Weg zur Kaserne des Festungswerks – Foto: Gisbert Hluchnik

  • Gut bewehrte „Unterkunft“ für die Festungsbesatzung – Foto: Gisbert Hluchnik

  • Kleines Geschütz zur Verteidigung – Foto: Otmar Wald

  • Gästeführerin Sabrina inmitten ihrer Gruppe – Foto: Thomas Thys

  • Endlose Tunnelgänge mit Versorgungsleitungen – Foto: Gisbert Hluchnik

  • Aus anderer Perspektive – Foto: Thomas Thys

  • Das „Schneewittchen-Zimmer“ – Aufenthaltsraum für Mannschaften mit original erhaltenen Wandmalereien (nur aufgefrischt) – Foto: Thomas Thys

  • Das Behandlungszimmer im Sanitätsbereich – Foto: Otmar Wald

  • Die Zahnstation – Mitarbeit ausdrücklich erwünscht… - Foto: Gerhard Wienert

  • Krankenstation – immer zwei Mann nebeneinander – Foto: Gerhard Wienert

  • Metzgerei (Schlachterei?) – Foto: Thomas Thys

  • Küche – Foto: Gerhard Wienert

  • Ein herzliches Dankeschön – Foto: Otmar Wald

  • Zum Abschied ein Gruppenfoto – Foto: Gisbert Hluchnik

  • Restaurant „Chez Bernadette“ mit charmanter Gastgeberin – Foto: Michael Trost

  • In stilvoller Atmosphäre – Foto: Otmar Wald

  • merci et au revoir – dem freundlichen Haus – Foto: Otmar Wald

 
 
 
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