Nachschau - Jahresreise vom 21. - 27.08.2016

 
 
 
Bericht der Sektion Fulda

Auf den Spuren einer unheilvollen deutschen Geschichte

Sicherheitspolitische Informationsreise der Sektion Fulda nach Krakau, Lemberg und Breslau.

Von Michael Trost
  • Fotos: Krakau Schloss und Kathedrale: © tomeyk - Fotolia.com, Lemberg Zentrum und Rathaus Breslau: © Sergii Figurnyi- Fotolia.com

  • Auf dem Weg zum Wawel. - Foto: GSP

  • Die fröhliche Gruppe. - Foto: GSP

  • Im Innenhof des Königsschlosses. - Foto: GSP

  • Wlodek Kasperski, unser Stadtführer. - Foto: GSP

  • Collegium Maius, Jagellonische Universität. - Foto: GSP

  • Krakaus Marktplatz, Tuchhallen. - Foto: GSP

  • Barbakan, das größte erhaltene Verteidigungswerk Europas. - Foto: GSP

  • Im jüdischen Viertel Kazimierz, die Szeroka-Straße. - Foto: GSP

  • Alte Synagoge - älteste in Polen. - Foto: GSP

  • Bedienung am Fenster... - Foto: GSP

  • Widerstandskämpfer und Emissär Jan Karski. - Foto: GSP

  • Gedenktafel für Jan Karski. - Foto: GSP

  • Original-Schauplatz von Steven Spielbergs Schindlers Liste. - Foto: GSP

  • Emaillefabrik von Oskar Schindler. - Foto: GSP

  • Die freundlich-sympathische Museumsführerin. - Foto: GSP

  • Ein letztes Foto vor der Abfahrt nach Lemberg (Lviv). - Foto: GSP

  • Roman Kholoniwski, Stadtführung in Lemberg, im größten Museum unter freiem Himmel.... - Foto: GSP

  • Das Opernhaus. - Foto: GSP

  • Frauen-Kloster. - Foto: GSP

  • Friedenstauben an der Gedenkstätte für die Gefallenen in der Ostukraine, Griechisch-Katholische Garnisonskirche Lembergs. - Foto: GSP

  • Typische Häuserzeile am historischen Marktplatz Lvivs. - Foto: GSP

  • Bewegender Gottesdienst am Nationalfeiertag vor dem Denkmal des bedeutendsten ukrainischen Lyrikers Taras Schewtschenko. - Foto: GSP

  • Gottesdienst unter Mitwirkung des Städt. Kinder- und Jugendchores. - Foto: GSP

  • Das Musikkorps der Nationalen Akademie des Heeres erhält tosenden Beifall vor dem Rathaus. - Foto: GSP

  • Nun auch unter Mitwirkung einer Tanzgruppe in traditioneller Ukrainischer Tracht. - Foto: GSP

  • Vor dem Besuch der Akademie des Heeres am Ehrenmal der Ukrainischen Armee. - Foto: GSP

  • Gruppierung am Ehrenmal zum Gedenken an die 49 Gefallenen der Akademie in der Ostukraine. - Foto: GSP

  • Luftlandepanzer BMD 1. - Foto: GSP

  • Das am 01. Oktober 1899 als k.u.k. Österreich-Ungarische Kadettenanstalt eröffnete Hauptgebäude der Akademie. - Foto: GSP

  • Zum Dank für die interessante Führung erhält der stv. Kdr der Akademie, Oberst Sliusarenko, das Wappenschild der Sektion Fulda. - Foto: GSP

  • Gruppenbild zur Verabschiedung von den freundlichen Gastgebern. - Foto: GSP

  • Gemeinsames Mittagessen im Restaurant Panska Charka. - Foto: GSP

  • Frau Olesya Isayuk PhD führt uns durch das Nationale Museum für die Opfer der Besatzungs-Regime, das Lontskyi-Gefängnis. - Foto: GSP

  • Kurze Ansprache vor der Kranzniederlegung. - Foto: GSP

  • Schleife - Zum ehrenden Gedenken an die Opfer totalitärer Gewalt und Willkür -. - Foto: GSP

Auf die Minute pünktlich starteten wir am Sonntag um 06.00 Uhr mit 35 Teilnehmern zu einer ganz besonderen Fahrt, erstens wegen der Dauer von 7 Tagen statt wie bisher 4 und zweitens, weil sie uns in die Ukraine führte, in ein Land, dem wir unsere besondere Aufmerksamkeit schenken wollten da es sich im Osten des Landes im Krieg befindet. Trotz der großen Entfernung war dies nur möglich, weil auch der ehemalige Seniorchef des Busunternehmens als zweiter Busfahrer den Lenker übernahm, wenn der Bus-Fahrtenschreiber dies verlangte.

Planmäßig erreichten wir gegen Abend mit Blick auf Weichsel und Wawel KRAKAU und beschlossen im 4-Sterne-Hotel „Hilton Garden Inn“ mit einem schmackhaften 3-Gänge-Menu den Tag. Dabei lernten wir auch Wlodek Kasperski kennen, der uns als Stadtführer die nächsten anderthalb Tage begleiten sollte.

Das Wahrzeichen Krakaus: Wawel, Kathedrale und Königsschloss

Erster Höhepunkt am Montagmorgen war der Besuch des mittelalterlichen Wawel mit geführtem Rundgang durch die Domkirche, in der die polnischen Könige gekrönt und beigesetzt wurden, die Krypta (Königsgräber), das Museum und den Innenhof des Königsschlosses.

Über den sogenannten Königlichen Weg gelangten wir zu Fuß zum Marktplatz. Auf diesem Weg machten wir Station an der Franziskanerkirche und dem Gebäude der Jagiellonischen Universität aus dem Jahr 1364. Nachdem diese im 15. Jh. in Collegium Maius umbenannt worden war, beherbergt sie heute das Universitätsmuseum.

Mit kenntnisreichen Erläuterungen zum zweiten Wahrzeichen Krakaus, der römisch-katholischen Marienkirche mit dem größten mittelalterlichen Hochaltar Europas von Veit Stoß, schloss die morgendliche Stadtführung.

Fortgesetzt wurde die Führung nach einer Stärkung und Erholungspause im Restaurant „Miod i Wino“ entlang der Wehrmauer zum St. Florians-Tor aus dem 14. Jh. und zum größten erhaltenen Verteidigungswerk Europas, dem Barbakan.

„Kazimierz“ – das jüdische Viertel

Der Nachmittag gehörte ganz dem jüdischen Viertel. Schon beim Verlassen des Busses spürten wir aufgrund der stimmungsvollen Atmosphäre in der Szeroka-Straße, dass hier das Herz des alten jüdischen Krakaus schlug.

Als besonderen Blickfang nahmen wir unmittelbar danach die den ganzen Vorplatz beherrschende „Alte Synagoge“ wahr. Sie gilt als die älteste in Polen.

Etwas später wurden Erinnerungen an Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ wach, als man sich plötzlich am Original-Schauplatz dieses aufsehenerregenden Films wiederfand.

Das touristisch bunte und frohe Treiben konnte und durfte aber nicht darüber hinweg täuschen, welches Schicksal hier und im eigentlichen Ghetto im Stadtteil Podgorze die jüdische Bevölkerung Krakaus während der deutschen Besatzung erlitten hatte. Am Denkmal für den Offizier der Polnischen Heimatarmee, Widerstandskämpfer und Emissär, Jan Karski, wurde die unheilvolle Geschichte auf eindrucksvolle Weise in Erinnerung gerufen.

Der Abend klang bei Klezmer-Musik und jüdischen Speisen im Restaurant „Hamsa“ aus. Die Fülle an interessanten und neuen Eindrücken hatte auch Kraft gekostet sodass die Teilnehmer mehrheitlich nach Rückkehr im Hotel zur Ruhe übergingen.

Oskar Schindlers Emaillefabrik

Mit einer Führung durch das Historische Museum der Stadt KRAKAU, Oskar Schindlers Emaillefabrik, begann am Dienstagvormittag der 2. Teil unseres Krakau-Besuchs.

Die sympathische Museumsführerin machte uns mit verschiedenen Abteilungen vertraut, so z.B. mit der Rolle Krakaus als Hauptsitz des NS-Generalgouvernement, dem Schicksal der Krakauer Juden sowie der Rettung von ca. 1200 jüdischen Gefangenen aus dem KZ Plaszow durch den Kriegsgewinnler und Fabrikbesitzer Oskar Schindler, dem Israel mit dem Ehrentitel Gerechter unter den Völkern eine hohe Ehre zuteil werden ließ.

Da wir ca. 6 ½ Stunden Fahrzeit nach LEMBERG eingeplant hatten, verabschiedeten wir uns nach dem Mittagessen mit herzlichem Beifall von unserem ausgezeichneten Stadtführer Herrn Kasperski und mit etwas Wehmut von dieser faszinierenden heimlichen Hauptstadt Polens.

Der Weg zum Hotel „George“ in der Altstadt Lembergs sollte jedoch in den engen Gassen fast zur Katastrophe werden, denn wir steckten mit dem Reisebus fest. Dann ging es nur noch zentimeterweise vorsichtig an beidseitig geparkten Autos zurück, nachdem unser neuer Stadtführer Roman Kholoniwski ganz mutig, ohne das Eintreffen der Polizei abzuwarten, für uns die Straße kurzerhand komplett gesperrt hatte.

Umso fröhlicher war danach das Abendessen in dieser traditionsreichen und in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz gelegenen Hotel-Legende, wo schon so berühmte Gäste wie Honore de Balzac, Jean-Paul Sartre und Johannes Brahms in einem Hotelbau aus dem Jahr 1793 genächtigt hatten.

Das Wunder der Altstadt von LVIV am Nationalfeiertag „25 Jahre Ukrainische Unabhängigkeit“

Es ist der 24. August und voller Erwartungen beginnen wir mit Roman, unserem freundlichen Stadtführer, einen Rundgang durch die Altstadt, der schon früh am Morgen augenscheinlich von Festtagsfreude und unzähligen, fröhlichen Menschen auf allen Plätzen und in den vielen Parks geprägt ist. In dieser unglaublich heiteren Atmosphäre lauschen wir den humorvollen und spannenden Erläuterungen zur Historie der Altstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten der verschiedenen Epochen, einer Stadt, die uns wie ein Museum unter freiem Himmel vorkommt.

Junge Frauen mit Kränzen aus Blumen im Haar, viele junge Männer und Frauen blau-gelbe Fähnchen schwenkend in der ukrainischen Nationaltracht, dem Leinenhemd mit bunten Stickmustern, der traditionellen Wyschywanka, wecken auch in uns Begeisterung und den Wunsch mitzufeiern.

Im Laufe des Nachmittags erleben wir mit, wie Tausende Menschen auf dem „Prospekt Swobody“, der Allee der Freiheit, vor dem Denkmal Taras Schewtschenkos, des größten ukrainischen Dichters, einen bewegenden Gottesdienst unter Mitwirkung eines großen städtischen Kinder- und Jugendchores singend und betend feiern.

Offensichtlich hatte man bewusst auf Paraden, national aufgeladene Reden oder ähnliches verzichtet, um auf diese Weise auch der vielen Opfer in der Ostukraine und der insgesamt schwierigen Lage des Landes zu gedenken.

Später setzte sich dieser Eindruck fort, als das Musikkorps der Nationalen Akademie des ukrainischen Heeres auf dem Marktplatz, umsäumt von Tausenden Zuschauern, flotte Weisen unter Mitwirkung von landestypischen Folklore-Tanzgruppen spielte. Am Schluss der Darbietung sangen alle die Nationalhymne unter den Klängen der offensichtlich beliebten Militärkapelle.

Beim gemeinsamen Abendessen in der Brauereigaststätte „Koroliwska Piwowarnia“ (Königliche Brauerei) spiegelte sich in den angeregten Gesprächen wider, wie sehr man Zeuge und „mittendrin“ Teilnehmer eines einzigartigen, erlebnisreichen Fest- und Feiertages geworden war!

Informationsbesuch in der Akademie des Heeres für den Ukrainischen Offiziernachwuchs ,Hetman Petro Sahaidachny’

Am Vormittag des zweiten Tages in Lemberg stand nun der Besuch der „Nationalen Akademie des Heeres“ in der „Straße für die Helden des Maidan # 32“, ukrainisch: Geroiw Maidanu, 32, auf dem Plan.

Schon am Eingangstor wurden wir von dem stellvertretenden Akademiekommandeur für Forschung, Oberst, Ph.D. Andriy Sliusarenko, begrüßt und mir fiel ein Stein vom Herzen, als ein weiterer Oberst, Dimitri Chaustov, die Übersetzung übernahm.

Als erstes versammelten wir uns zur Ehrung für die 49 bei den Kämpfen im Donbass gefallenen Angehörigen der Akademie am Ehrenmal.

Schon beim Weitergehen erwähnte Oberst Sliusarenko wie viel Wert man bei der Heranbildung des künftigen Offiziernachwuchses besonders auch auf ein Fundament religiöser Bildung lege und so betraten wir zu unserer Überraschung zunächst die dem Erzengel Michael geweihte Akademie-Kapelle der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche.

Da gerade ein Gottesdienst stattfand, verharrten wir eine Weile in Stille, und setzten dann unseren Weg bei strahlendem Sonnenschein durch die weitläufige Anlage fort.

Nach dem kennen lernen der Ausbildungseinrichtungen, Schiess- und Gefechtsfahrzeugsimulatoren in Theorie und Praxis, einem Besuch des reich ausgestatteten Museums mit Bezug zur Geschichte der Akademie und einer anschließenden Einladung ins Offizierheim bei Tee, Kaffee und Gebäck, verabschiedeten wir uns im Filmsaal mit dem Austausch von Gastgeschenken.

Dabei brachten wir nicht nur unseren herzlichen Dank für den interessanten und gastfreundlichen Besuch, sondern auch die Sorge um die Probleme des Landes und besonders in der Ostukraine zum Ausdruck.

So versicherten wir, dass uns die Entwicklung in der Ukraine sehr am Herzen liege und wir in Gedanken fest an der Seite der Menschen hierzulande stünden.

Kranzniederlegung für die Opfer der Besatzungs-Regime im „Lontskyi-Gefängnis“

Wer Lemberg besucht, sollte sich auch die Zeit nehmen, eines der düstersten Kapitel der Stadt nicht links liegen zu lassen, alleine schon aus Respekt vor den vielen Opfern vergangener Besatzungs-Regimes. Es handelt sich um das zuletzt während der Sowjetzeit von 1946 bis 1991 genutzte KGB-Gefängnis, vorher von 1939 bis 1941 vom NKWD, ab Juni 1941- 1944 von der Gestapo als Untersuchungsgefängnis betriebene sog. „Lontskyi-Gefängnis“, heute Nationales Museum und Gedenkstätte für die Opfer der Besatzungs-Regime in der Stepana Banderastraße Nr. 1.

Frühzeitig hatten wir mit einer Mitarbeiterin des Museums, Frau Olesya Isayuk, Ph.D., Kontakt aufgenommen und mit ihr für den Nachmittag eine Führung durch die Gedenkstätte vereinbart.

Mit betroffenem Schweigen folgten wir den Ausführungen zu den menschenverachtenden Haftbedingungen denen unzählige politische Gefangene zum Opfer fielen.

Mit der Niederlegung eines Kranzes mit Blumen in blauer und gelber Farbe und einer Schleife: „Zum ehrenden Gedenken an die Opfer totalitärer Gewalt und Willkür“ erwiesen wir unsere Ehrerbietung in Erinnerung an das Unrecht und Leiden so vieler Menschen, die hier gelitten hatten.

Nach Rückkehr zum Hotel „George“ war nun Zeit zur freien Verfügung gegeben um noch einmal das immer noch festliche Flair der Altstadt zu genießen oder einfach in kleinerer Gruppe, so wie man sich inzwischen gut zusammen gefunden hatte, im Restaurant den letzten Abend vor Abreise bei einem Getränk und angeregten Gesprächen ausklingen zu lassen.

Breslau - der historische Marktplatz mit Rathaus

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen Richtung BRESLAU, wo wir aufgrund der großen Entfernung nach Hause eine weitere Übernachtung eingeplant hatten. Viele Reiseteilnehmer nutzten die Möglichkeit per Bus, Tram oder Taxi, einen nächtlichen Besuch des mittelalterlichen Marktplatzes in der Altstadt Breslaus zu unternehmen.

Am Samstagabend erreichten wir wohlbehalten das heimatliche FULDA. Mit großem Lob für die allezeit sichere und umsichtige Fahrweise unseres bewährten Reiseunternehmens Firma Kimmel mit dem Busfahrer, Geschäftsführer und Mitglied der GSP Sektion Fulda, Thomas Pfeiffer, und Zweit-Busfahrer und ehemaligen Firmenchef Richard Kimmel, verabschiedeten sich die Teilnehmer von der Reiseleitung in der Gewissheit, nicht das letzte mal mit der GSP auf Reisen gegangen zu sein.

 
Fotonachweis:
Krakau Schloss und Kathedrale: © tomeyk - Fotolia.com
Lemberg Zentrum: © Sergii Figurnyi- Fotolia.com
Rathaus Breslau: © Sergii Figurnyi- Fotolia.com
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