Nachschau - Veranstaltung am 22.06.2017

 
 
 

Posterausstellung

 
 
 

Ausstellungseröffnung

im Rahmen eines Akademieabends

mit einem Eröffnungsvortrag
von

Professor Dr. Bernd Faulenbach

Ruhr-Universität Bochum
 

am Donnerstag, 22. Juni 2017, 19.00 Uhr
im Bonifatiushaus
Neuenberger Str. 3, 36041 Fulda

 

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Bericht der Sektion Fulda

100 Jahre Oktoberrevolution, Albtraum von Abermillionen, die Opfer kommunistischer Gewaltregime wurden

Der Kommunismus in seinem Zeitalter

Ausstellungseröffnung im Bonifatiushaus

Von Michael Trost
  • Prof. Dr. Faulenbach bei seinem Vortrag. - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Gespannte Zuhörer im Grünen Zimmer des Bonifatiushauses. - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Lebendige Diskussion, im Hintergrund li. Herr Hrasky, re. Dr. Bonacker. - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Die beiden Veranstalter: re. Dr. Marco Bonacker, li. Michael Trost mit dem Zeithistoriker Prof. Dr. Bernd Faulenbach. - Foto: Gisbert Hluchnik

  • Ein Prosit auf die gelungene Ausstellungseröffnung: vlnr Dr. Bonacker, Ehepaar Braun, Sektionsleiter Trost und Prof. Dr. Faulenbach. - Foto: Gisbert Hluchnik

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung von Dr. Gerd Koenen „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ im Bonifatiushaus Fulda, hatte die Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. Sektion Fulda in Kooperation mit dem Bonifatiushaus den renommierten Zeithistoriker Prof. Dr. Bernd Faulenbach von der Ruhr-Universität Bochum gebeten, in die Ausstellung einzuführen.

Zu Beginn des Akademieabends begrüßte zunächst Dr. Marco Bonacker die zahlreichen Gäste und verwies dabei auf die besondere Konfliktlinie zwischen Kirche und Kommunismus im 20. Jahrhundert, weswegen die Ausstellung nicht zufällig im Bonifatiushaus verortet sei: „Der Kommunismus als totalitäre politische Ideologie und sein materialistisches Theorem einer Gesellschaft ohne Gott musste zwangsläufig gegen das Welt- und Menschenbild der Kirche stehen.“

Prof. Dr. Faulenbach ging in seinem weitgespannten Vortrag anschließend der Frage nach der Entstehung des sowjetkommunistischen Systems während des Ersten Weltkrieges in Russischer Revolution und Bürgerkrieg nach, untersuchte, warum sich die Bolschewiki durchsetzen konnten, beleuchtete dann wesentliche Grundzüge des sowjetkommunistischen Totalitarismus, der eine völlig neue Gesellschaft schuf, bestimmte die Bedeutung des Zweiten Weltkrieges für die Ausbreitung des Kommunismus in Europa und der Welt und untersuchte dann die Frage, warum das kommunistische System – trotz mancher Erfolge wie der Weltraumfahrt noch in den 60er Jahren – schließlich doch scheiterte.

Besonders hob der Historiker die Bedeutung des Terrors, die Kontinuität von Lenin zu Stalin und die gewaltige Zahl menschlicher Opfer hervor. Allein der russische Bürgerkrieg kostete mehr als 7 Millionen, wahrscheinlich 8-10 Millionen Menschen das Leben, das sind viermal so viele Menschenleben, wie der Erste Weltkrieg in Russland kostete. Hunderttausende wurden 1936-38 während des Großen Terrors erschossen, Millionen litten im Archipel Gulag.

Dennoch übte der Kommunismus zeitweilig insbesondere auf die Jugend, auch auf Intellektuelle und den radikalen Flügel der Arbeiterbewegung eine Faszination aus, führte andererseits aber zur Entstehung eines breiten Antikommunismus, der demokratischen Motiven wie bei Sozialdemokraten, Liberalen und bei einem Teil der Konservativen entspringen konnte, der sich aber auch mit antidemokratischen, nationalistischen und faschistischen Richtungen wie dem deutschen Nationalsozialismus verbunden hat, der den „jüdischen Bolschewismus“ als wichtigstes Feindbild hatte. Der Sowjetkommunismus gehörte neben dem Nationalismus, Faschismus und der liberalen und sozialen Demokratie zu den bewegenden Kräften des 20. Jahrhunderts.

Das Scheitern des Sowjetkommunismus, zu dem Faulenbach eine Vielzahl von Einsichten und Thesen formulierte, führte der Historiker darauf zurück, dass ein derartiges totalitäres System zwar mit Gewalt ein rückständiges Land mit großen menschlichen Opfern verändern und z.T. modernisieren konnte, doch hochentwickelte Gesellschaften der Handlungsfreiheit selbstständiger Menschen und Menschengruppen bedürften. Ohne Freiheit und Partizipation könnten moderne Gesellschaften schwerlich funktionieren. Mit Marx könnte man sagen: die technisch-ökonomisch-zivilisatorische Entwicklung (die „Produktivkräfte“) standen zunehmend im Gegensatz zu den veralteten Strukturen der Parteiherrschaft und der Zentralverwaltungswirtschaft. Bei dem zu später Stunde unternommenen Versuch Gorbatschows, die Verhältnisse grundlegend zu verändern, sei das System „auseinandergeflogen“. Putin versuche heute, die Bürgerkriegsparteien von 1917 zu „versöhnen“, doch wirke in vieler Hinsicht das sowjetkommunistische System nach, unter dem sich keine gemeinsame Zivilgesellschaft habe bilden können.

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, die von Michael Trost moderiert wurde. In ihr ging es u.a. um die Frage, warum die demokratischen Kräfte 1917 unterlagen oder auch um die Frage, inwieweit der sogenannte „Historikerstreit“ heute überholt sei.

Die von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Deutschen Historischen Museum Berlin herausgegebene, einzigartige Ausstellung, umfasst 25 Tafeln mit über 200 zeithistorischen Fotos, Dokumenten sowie QR-Codes, die mit Filmdokumenten im Internet verlinkt sind. Sie kann (wegen Hausferien) vom 24. Juli bis 29. September wochentags von 9 bis 18 Uhr im Bonifatiushaus, Neuenberger Str. 3-5, besucht werden. Der Eintritt ist frei.

 

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Zur Ausstellung:

Die Oktoberrevolution 1917 prägte nicht nur Staat und Gesellschaft Russlands und nachfolgend der UdSSR über Generationen hinweg; sie war zugleich Ausgangspunkt einer das 20. Jahrhundert prägenden Blockbildung weltweit.

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur veranschaulicht auf 25 Postern unter Verwendung von über 200 zeithistorischen Fotos, Dokumenten, Schaubildern sowie QR-Codes die Entwicklung der größten und tiefgreifendsten Massenbewegung des 20. Jahrhunderts vom Putsch der Bolschewiki unter der Führung Lenins bis zum Kollaps 1989 und dem anhaltenden Aufschwung Chinas unter der ungebrochenen Diktatur der Kommunistischen Partei.

 

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YouTube-Video: Der Film zur Ausstellung

 
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