Nachschau - Veranstaltung am 26.08.2015

 
 

Ausstellungseröffnung

und Vortrag

zum Thema

Die Bundeswehr im Spannungsfeld
zwischen Tradition und neuen Aufgaben

Referent:

PD Dr. Dieter Krüger

Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften
der Bundeswehr (ZMSBw), Potsdam
 

am Mittwoch, 26. August 2015, 19.00 Uhr
im Bonifatiushaus - Haus der Weiterbildung
der Diözese Fulda
Neuenbergerst.3-5, Fulda

 

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vom 29.08.2015

Erst umstritten, dann weithin akzeptiert

Vortrag und Ausstellung zur Geschichte der Bundeswehr im Bonifatiushaus

Von unserem Mitarbeiter VOLKER NIES
Jugendoffizier Sebastian Leitsch, Michael Trost, Dieter Krüger und Gunter Geiger (von links) eröffneten die Ausstellung im Bonifatiushaus, die noch bis 25. September zu sehen ist. - Foto: Volker Nies

FULDA. Die Bundeswehr ist seit ihrer Gründung 1955 von einer umstrittenen zu einer in der Gesellschaft akzeptierten Institution geworden. Die Gesellschaft muss jetzt aber offen diskutieren, welchen Auftrag die Bundeswehr und welche Ausrüstung sie dafür haben soll.

Das waren die Kernthesen von Privat-Dozent Dr. Dieter Krüger, Projektleiter am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Mit seinem Vortrag eröffnete das Bonifatiushaus eine Ausstellung über Militär und Gesellschaft in Deutschland seit 1945. Die Ausstellung spannt einen Bogen vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart.

Krüger skizzierte, dass die NS-Zeit bis heute das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Militär und zum Krieg präge. Gegen die Aufstellung der Bundeswehr 1955 und die Nachrüstung 1983 habe es auch deshalb heftige Widerstände gegeben. Erstmals in der Geschichte verfüge Deutschland seit 1955 aber über eine Armee, die strikt dem Parlament unterstehe. Das sei bis heute so.

Beim Aufbau der Bundeswehr hatten die meisten Offiziere und Unteroffiziere schon im NS-Militär gedient. „Alle Offiziere wurden auf ihre Verstrickung in der NS-Zeit überprüft. Eine ähnliche Überprüfung gab es in keinem anderen Berufsstand“, sagte Krüger.

Ein Dilemma für alle Bundesregierungen sei gewesen, dass die Drohung der NATO mit dem Einsatz von Atomwaffen nötig gewesen sei, um eine Übermacht des Warschauer Pakts bei den konventionellen Streitkräften abzuschrecken. Der tätsächliche Einsatz von Kernwaffen hätte Deutschland aber weitgehend zerstört.

Die von der NATO angestrebte Nachrüstung habe die Sowjetunion auch mit Hilfe der von ihr teilweise finanzierten Friedensbewegung zu verhindern versucht – aber ohne Erfolg. Die Organisation von militärischer Sicherheit durch die Europäische Union, also ohne die USA, sei im Ergebnis gescheitert. Das sei zumindest der Schluss, den man aus dem Wiedereintritt Frankreichs in die NATO im Jahr 2009 ziehen müsse.

50 Gefallene in Afghanistan

Seit dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 bestehe die Hauptbedrohung für Deutschlands Sicherheit in terroristischen Netzwerken. Die Bundeswehr habe sich deshalb vom Massenheer verabschiedet und 2011 die Wehrpflicht ausgesetzt. Der Anteil der Verteidigungsausgaben an der Wirtschaftsleistung habe sich seit 1990 halbiert.

Bei der seit 2011 eingesetzten Berufsarmee werde es in der Gesellschaft eher akzeptiert, wenn bei Einsätzen Soldaten ums Leben kommen. Allein in Afghanistan seien 50 Soldaten gefallen und zahllose weitere Soldaten verletzt oder traumatisiert worden.

In der von Bonifatiushaus- Direktor Gunter Geiger und Michael Trost, Leiter der Sektion Fulda der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, geleiteten Diskussion stand eine These Krügers im Mittelpunkt. Krüger sagte, die Großorganisation Bundeswehr habe sich in den 60 Jahren oft schwergetan, ihre Ausrüstung, Ausbildung und Doktrinen an neue Bedrohungslagen anzupassen – etwa zuletzt an die Erfordernisse von Auslandseinsätzen und jetzt an das Wiederauferstehen einer konventionellen Bedrohung durch Russland.

Die Zuhörer waren sich einig, dass diese Anpassungsleistung zunächst von der Politik und dann erst von der Bundeswehr zu leisten sei. Die Politik formuliere oft zu spät und zu ungenau, was sie von der Bundeswehr erwarte.

Krüger unterstützte die These nur zum Teil. Er sagte aber, die deutsche Gesellschaft müsse eine offene Debatte ohne Tabus und mit Mut darüber führen, welche Interessen unser Land habe und mit welchen Mitteln sie diese notfalls militärisch verteidigen wolle.

Die Ausstellung „Militär und Gesellschaft in Deutschland seit 1945“ im Erdgeschoss und ersten Stock des Bonifatiushauses (Neuenberger Straße 3) ist bis 25. September werktags von 9 zu 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. - vn

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