Nachschau - Veranstaltung am 03.11.2014

 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Pulverfass Nahost.

Ist der Westen gescheitert?

Referent:

Dr. Kinan Jaeger

Lehrbeauftragter
 der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität, Bonn
 

am Montag, 03. November 2014, 19.30 Uhr

im Hotel Krupp
Poststr. 4, 53474 Bad Neuenahr

 
 
Pressebericht
vom 05.11.2014

Keine Lösung für den Nahen Osten in Sicht

Glaube an ein Islamisches Kalifat Antriebsfeder für die IS-Kämpfer

Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach
Der Referent Dr. Kinan Jaeger und Gerd-Heinz Haverbusch, Sektionsleiter der Gesellschaft für Sicherheitspolitik - Foto: Jochen Tarrach

Bad Neuenahr. Völlige Ratlosigkeit wie man mit der Krise im Irak und Syrien sowie dem sogenannten Gottesstaat der IS umgehen soll beherrscht derzeit die Politik der Länder der Welt. Eine Lösung des Problems sah auch Experte Dr. Kinan Jäger in seiner Situationsanalyse innerhalb eines Vortrages vor Mitgliedern der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler, am Montag im Hotel Krupp in Bad Neuenahr in weiter Ferne liegen. Einer kurzfristigen Lösung stünden zu viele Interessen der umliegenden Staaten sowie der beteiligten Volks- und Religionsgruppen entgegen.

Rund 100 Interessierte hatten sich eingefunden, um dem Lehrbeauftragten für Politikwissenschaften am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie an der Universität Bonn zuzuhören. Jaeger wurde 1966 als Sohn eines syrischen Vaters und einer deutschen Mutter in Damaskus geboren und ist in Bonn aufgewachsen. Nicht zuletzt aufgrund seiner arabischen als auch europäischen Abstammung und seiner Sprachkenntnisse hat er intensiven Zugang zu Hintergrundinformationen.

Auf engstem Raum bestehe im Krisengebiet ein großes Völker- und Religionsgemisch. Hinzu kämen noch Staaten, die 1914 von den westlichen Kolonialmächten nach eigenen Interesse und nicht nach Interesse der Menschen eingerichtet wurden. Noch heute sei es so, dass man sich über die Religion definiere und nicht über den Staat, denn diese habe es dort früher nie gegeben. Sippen und Clans teilten das Land unter sich auf. Das habe zur Folge, dass heute keiner mehr dem anderen vertraue. Es drohe der Zerfall aller staatlichen Strukturen. Die Truppen des sogenannten Islamischen Staates, der IS, würden diese willkürlichen Staatsgrenzen aufheben. Ihr Glaube an ein „Islamic Caliphate“ für alle Islamisten sei eine ihrer Antriebsfedern. Durch Verkauf historischer Kunstschätze, Öl und erbeutetes Geld sein sie finanziell gut ausgestattet. Hinzu käme, dass die über mehrere Länder verteilten Kurden ihre große Stunde wittern würden, endlich den lange erträumten gemeinsamen Kurdenstaat errichten zu können. Notwendig wäre ein Dialog aller kämpfenden Gruppen. Doch bei denen gebe es derzeit einfach keine Verhandlungspartner oder irgendwelche zum Dialog bereiten Ansprechpartner.

Der Westen könne es sich nicht leisten, sich aus diesem Konflikt einfach herauszuhalten. Im betroffenen Gebiet lagerten die größten Energiereserven der Welt und religiöser Fanatismus und eine Schmiede des weltweiten Terrorismus gerade dort wäre für viele Staaten eine Katastrophe, nicht nur für die USA. An diesem Punkt käme auch Deutschland als führende Industrienation mit ins Spiel. Doch politisch spiele die Bundesrepublik dort keine große Rolle, sei aber aus historischen Gründen meist gut angesehen. „Gehen wir, stoßen die Chinesen sofort in das politische Vakuum“, vermutet Kinan Jaeger. Auch Israel als Militärmacht ersten Ranges im Nahen Osten verhalte sich auffällig ruhig und die USA, die derzeit den Zustand völliger Desillusionierung durchmachten, wollten ebenfalls nicht mit Bodentruppen eingreifen.

Wer also könnte Ordnung schaffen? Saudi Arabien, die Türkei, der Iran oder gar Assad in Damaskus? Soll Europa als Vermittler auftreten? Mit wem sollte verhandelt werden? Für den Referenten alles riesige Fragezeichen. Ein in ferner Zukunft liegendes Lösungsmodell könnte Tunesien bieten. Dort habe der Arabische Frühling beachtenswerte politische Lösungen und eine funktionierende, auf die dortigen Verhältnisse abgestimmte Demokratie hervorgebracht.

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