Sektion Bad Neuenahr - Ahrweiler

 
Bericht der Sektion Bad Neuenahr - Ahrweiler

„Ahrweiler Freiheitswochen“

Ein neues großes Projekt unter Teilnahme der GSP

Von Gerd-Heinz Haverbusch
Generalleutnant a.D. Kersten Lahl war kompetenter Fachmann zum Thema „Freiheit und internationale Sicherheit“. - Foto: GSP

Es ist eine so anspruchsvolle wie ehrgeizige Initiative: Vom 3. bis 5. März 2016 fanden die 1. Ahrweiler Freiheitswochen mit bemerkenswertem Erfolg statt. Das Motto des dazu neu gegründeten Fördervereins mit seinem Vorsitzenden Horst Gies (MdL) an der Spitze spricht für sich: „Freiheiter – Freiheit und Frieden durch Begegnung und Dialog“. Im Mittelpunkt des Projekts stand und steht folgerichtig eine Vielzahl von Veranstaltungen und Projekten, welche die unterschiedlichen Facetten der Freiheits- und Friedensfrage aufgreifen und damit ein tolerantes Miteinander von Bürgern, Gesellschaften, Nationalitäten, Religionen und z.B. von Wissenschaft, Sicherheit und Kunst fördern.

Die Region Ahrweiler eignet sich bestens, das Thema Frieden und Freiheit in all seinen unterschiedlichen Facetten zu beleuchten. Dies mit der Dokumentationsstätte Regierungsbunker (europäisches Kulturerbe), der Brücke von Remagen mit dem Friedensmuseum, der ehemaligen Ahrweiler Synagoge, der Goldenen Meile sowie dem Bahnhof Ahrweiler, an dem 1989 aus Prag der erste Zug mit Flüchtlingen der DDR ankam, die dann hier ihre vorübergehend neue Bleibe fanden.

Auch die Namen der Protagonisten der 1. Ahrweiler Freiheitswochen bürgen für höchste Qualität: So stellte sich der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht, Prof. Dr. Paul Kirchhof, als Schirmherr zur Verfügung und setzte mit seinen Ansprachen zur Eröffnung im ehemaligen Regierungsbunker Ahrweiler bzw. beim Festabend im Kursaal beachtenswerte Impulse zum Thema Freiheit. Der erste Preisträger des jährlich zu vergebenden „Freiheiter-Preises“ wiederum war kein Geringerer als Hans-Dietrich Genscher, der frühere Bundesaußenminister, mit dessen Namen nicht zuletzt das größte deutsche Freiheitsereignis, der Fall der Mauer mit der darauf folgenden Deutschen Einheit, untrennbar verbunden ist.

v.l. Ghazel Wahisi, Stv. Vorsitzende Förderverein Ahrweiler Freiheitswochen; Brigadegeneral Axel Binder, Kommandeur KdoStratAufkl (Gelsdorf) mit Gattin; Wolfgang Grambs, Projektleiter Freiheitswoche. - Foto: GSP

Für die Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. (GSP) war es von Anfang an eine Selbstverständlichkeit, sich in diese großartige Idee mit Rat und Tat aktiv einzubringen. Und das soll nach dem Willen aller Beteiligten auch künftig so bleiben. Denn gerade in Ahrweiler mit der dortigen Dokumentationsstätte Regierungsbunker ist es offenkundig, wie eng das Thema Freiheit mit dem der Sicherheit verbunden ist.

Der Vortrag „Freiheit und internationale Sicherheit“ von Generalleutnant a.D. Kersten Lahl, Vizepräsident der GSP und ehemaliger Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, fand daher keinesfalls zufällig eine zentrale Aufmerksamkeit im Rahmen des Gesamtprogramms. Bei seiner Begrüßung im voll besetzten historischen Rathaussaal betonte der örtliche Sektionsleiter der GSP, Gerd-Heinz Haverbusch, wie sehr Freiheit für die Gesellschaft für Sicherheitspolitik ein bestimmender Begriff ihrer Öffentlichkeitsarbeit ist, und wie intensiv sich die GSP seit nunmehr schon 64 Jahren für Frieden in Freiheit engagiert.

v.l. Referent Kersten Lahl, Gerd-Heinz Haverbusch Sektionsleiter GSP Bad Neuenahr-Ahrweiler während der Aussprache. - Foto: GSP

In seinem einstündigen Vortrag erläuterte Generalleutnant a.D. Kersten Lahl dann einige seiner Thesen zu hochaktuellen sicherheitspolitischen Aspekten:

- Freiheit und Sicherheit stünden in keinem Gegensatz, sondern bedingten einander. In der Praxis sei weder Freiheit ohne Sicherheit, noch Sicherheit ohne Freiheit denkbar bzw. wünschenswert - und dies gelte auch für die internationale Politik. Da sich Deutschland und Europa mitten in einem Krisenmodus befänden, gefährde der gegenwärtige Verlust an Kontrolle und aktiver Gestaltungschancen beides gleichermaßen: Freiheit und Sicherheit.

- In der Sicherheitspolitik gebe es keine Patentrezepte oder gar einfache Lösungen. Dazu sei die Welt zu komplex. Wir müssten uns folglich von einigen scheinbar bequemen Illusionen lösen. Diese beträfen derzeit unter anderem drei Konfliktbereiche: Unser Verhältnis zu Russland, die Bekämpfung des internationalen Terrorismus und die Antworten auf die aktuellen Flüchtlingsbewegungen.

- Russlands außenpolitisches Vorgehen in Osteuropa und im Mittleren Osten diene weder der Freiheit noch der Sicherheit in Europa. Es schaffe letztlich nur Verlierer auf allen Seiten. Der Westen müsse antworten mit einer festen und sichtbaren Solidarität untereinander, einem offenen Dialog mit Russland und glaubwürdiger Abschreckung.

- Schutz und Freiheit vor dem islamischen Terror lasse sich allein mit militärischen Ansätzen im arabischen Raum nicht erreichen. Luftangriffe seien nicht hinreichend, und Bodenoffensiven würden an den gegensätzlichen Interessen aller Akteure in der Region scheitern (müssen). Letztlich fehlten umfassende Konzepte, die der Bevölkerung vor Ort glaubhafte Perspektiven eröffnen und ihre Unterstützung für Terrormilizen unterlaufen.

- Nationale Abschottung zur Bewältigung der Flüchtlingskrise greife viel zu kurz und sei unter dem Strich auch kein hilfreicher Lösungsansatz. Im Gegenteil unterminiere sie den so dringend erforderlichen Zusammenschluss in Europa und lenke darüber hinaus von den tieferen Fluchtursachen ab. Diese seinen z.B. Bürgerkriege im Zuge des Zerfalls von fragilen Staaten, Verschlechterungen der Lebensbedingungen durch den Klimawandel, ein massives weltweites Gefälle zwischen Arm und Reich, global unausgewogene demografische Entwicklungen etc.

- Trotz aller nationalen Abwehrversuche werde sich der Trend zur globalen Migration weiter verstärken - solange sich die Rahmenbedingungen nicht ändern. Dies sei kaum von heute auf morgen möglich, aber: Je später wir handelten, desto schwieriger werde die Lage. Europa selbst könne nur dann wieder Handlungsfreiheit schaffen, wenn eine Wiederbelebung der gegenseitigen Solidarität sowie eine Ausrichtung auf langfristig angelegte, gemeinsam getragene Strategien gelingen. Die derzeitige Strategiearmut gerade auf europäischer Ebene sei offenkundig und auf Dauer extrem hinderlich, wie Lahl an konkreten Beispielen ausführte.

- Als Fazit bleibe vor allem die Forderung, im Zeitalter der Globalisierung endlich das strategische Fernlicht einzuschalten. Nur das eröffne uns eine Chance, unserem Wunsch nach Freiheit und Sicherheit zu genügen. Auf Krisen immer nur reagieren zu können, das könne kein sinnvoller Anspruch sein.

Der Vortragsabend zählte zu den bestbesuchten Veranstaltungen der gesamten Freiheitswoche. (v.r.) Detlev Koch, 1. Beigeordneter; Referent GenLt a.D. Kersten Lahl mit Frau - Foto: GSP

Die Resonanz auf den Vortragsabend, der zu den bestbesuchten Veranstaltungen der gesamten Freiheitswoche zählte, war ausgezeichnet. Der lange anhaltende Applaus war dann auch der Dank für einen inhaltlich und rhetorisch überzeugenden Vortrag, an den sich eine ebenso hochinteressante Aussprache anschloss.

Nach diesem Erfolg ist klar: Die GSP wird sich an dieser Veranstaltungsreihe auch im nächsten Jahr wieder mit einem inhaltlichen Beitrag beteiligen.

 
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