Sektion Bad Neuenahr - Ahrweiler

 

Nachschau - Veranstaltung am 04.03.2016

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Freiheit und internationale Sicherheit

Referent:

Generalleutnant a.D. Kersten Lahl

GSP-Vizepräsident
Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik 2008 - 2011
 

am Freitag, 04. März 2016, 19.30 - 21.30 Uhr
Rathaussaal Bad Neuenahr-Ahrweiler
Hauptstraße 112, 53474 Bad Neuenahr

 

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vom 07.03.2016

Freiheit und Sicherheit sind untrennbar

Vortrag - Erste Ahrweiler Freiheitswoche beleuchtete die militärische Lage in Europa

Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach

Bad Neuenahr. Kann es Freiheit ohne Sicherheit geben? Das war die Frage, die am Freitag innerhalb der ersten Ahrweiler Freiheitswoche rund 150 Zuhörer in den großen Sitzungssaal des Rathauses führte. Veranstalter war die Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler, die mit Generalleutnant a.D. Kersten Lahl einen kompetenten Referenten geladen hatte. Lahl, Jahrgang 1948, war nicht nur militärischer Adjutant von Bundespräsident Richard von Weizsäcker, sondern hat durch zahlreiche Verwendungen in der Bundeswehr Verteidigung und Sicherheitspolitik von den Grundzügen her einzuschätzen gelernt.

Heute ist er Vizepräsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik. Sein Fazit auf die gestellte Frage vorweg: Die Politik muss im Zeitalter der Globalisierung das Fernlicht einschalten und weiter vorausschauen. Nur so könne dem berechtigten Wunsch nach Freiheit und Sicherheit auch künftig Genüge getan werden. Den Krisen hinterherzulaufen sei keine sinnvolle Politik. Europa könne nur dann wieder Handlungs- und Gestaltungsfreiheit gewinnen, wenn es seine gegenseitige Solidarität wiederbelebt und seine Politik an langfristig angelegten und gemeinsam getragenen Strategien ausrichtet.

Das bedeute: Konzepte für den Mittleren Osten oder für Afrika, die Einbindung Russlands in eine europäische Friedensordnung, Energieversorgungsstrategien, Rüstungsexportgrundsätze und eine europäische Abstimmung bei der Verteidigungsplanung. Klar sei, dass Europa vom ewigen Frieden, wie beim Fall des Eisernen Vorhangs gedacht, weit entfernt ist. Es gebe keine Freiheit und Sicherheit zum Nulltarif. Wir durchlebten derzeit eine gegenseitige Erosion des Vertrauens. Scharf kritisierte der Generalleutnant a.D. das Vorgehen Russlands, zum Beispiel in der Ukraine, auf der Krim und im Nahen Osten. Es diene weder der Freiheit noch der Sicherheit.

Für Europa gebe es nur eine Antwort: Solidarität untereinander, offener Dialog mit Russland und eine glaubwürdige Abschreckung. Auch zum islamistischen Terror hatte Lahl eine klare Haltung. Allein durch Luftangriffe und militärische Mittel sei der IS nicht zu besiegen. Eine Bodenoffensive werde an konträren Interessen in der Region scheitern. Letztlich fehlten Konzepte, die der Bevölkerung vor Ort glaubhafte Perspektiven eröffnen und so die Unterstützung für die Terrormilizen untergraben würden. Nationale Abschottung zur Bewältigung der Flüchtlingskrise greife zu kurz, unterminiere den Zusammenhalt und lenke nur von den tieferen Fluchtursachen ab. Solange sich diese Bedingungen nicht änderten, bliebe der Trend zur globalen Migration ungebrochen, so Lahl.

 
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