Nachschau - Veranstaltung am 09.10.2017

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Angriff aus dem Internet – „World Wide War“

Die Bundeswehr rüstet für den Cyberkrieg

 
Referent:
 

Oberst i.G. Jürgen Schick

Kommando Informationstechnik der Bundeswehr
Foto: AFCEA Bonn e.V.
 

am Montag, 09. Oktober 2017, 19:30 Uhr
im Hotel Krupp
Poststraße 4, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler

 

*****

 
Bericht der Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler

Deutschland „cyberverteidigungsfähig“ machen

Vortrag über Anstrengungen der Bundeswehr zur Cyber-Abwehr

Von Klaus Kretzschmar
Oberst i. G. Jürgen Schick (links), Oberst a. D. Josef Schmidhofer (rechts) - Foto: Brigitte Schmidhofer

Bad Neuenahr. Angriff aus dem Internet „World Wide War“ Die Bundeswehr rüstet für den Cyberkrieg war das Thema eines Vortrages von Oberst i. G. Jürgen Schick im „Hotel Krupp“ vor Mitgliedern der Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik(GSP). Interessanterweise waren der Einladung auch eine Reihe von Gästen gefolgt, darunter einige Jugendliche, die sonst nicht unbedingt diese Vortragsabende besuchen.

Der Referent ist im jüngsten Organisationsbereich der Bundeswehr „Cyber-und Informationsraum“ (CIR) tätig und machte in seinen Ausführungen deutlich, welch große Bedeutung ein angemessener Schutz vor weltweiten Cyber-Angriffen für das Funktionieren einer zuverlässigen Landesverteidigung besitzt. Cyber durchdringt alle Bereiche des Lebens. Durch eine immer stärkere Vernetzung der Kommunikationssysteme, kann sich kein Bereich solchen Bedrohungen entziehen. Was hilft, ist nur ein effektives, ständig zu modernisierendes und auf allen Ebenen anzuwendendes Schutzsystem.

Oberst i. G. Schick machte klar, dass auch im militärischen Bereich die althergebrachten Weisheiten „Der Gegner kommt mit starken Kräften aus nördlicher Richtung“ nicht mehr zeitgerecht sind. Die Akteure im Cyberraum sind vielschichtig. Das reicht vom einfachen Hacker mit „sportlichen“ Ambitionen über Kriminelle mit wirtschaftlichen Eigeninteressen bis zu Terroristen, die die Welt nach ihren Vorstellungen verändern wollen. Aber leider zeigen Erfahrungen der jüngsten Gegenwart, dass auch Staaten aus wirtschaftlichen, politischen und militärischen Eigeninteressen Cyber-Attacken fördern oder zumindest tolerieren. Das Problem liegt dabei schon im Erkennen solcher Angriffe ( Ist das eine Cyber-Attacke oder nur ein technisches Problem?), aber vielmehr in der Abwehr oder zumindest Begrenzung der Auswirkungen echter Angriffe. Der Referent belegte an einer Vielzahl von Beispielen aus den vergangenen zehn Jahren, wie weltweit die Aktivitäten zugenommen haben. Die Auswirkungen wurden besonders deutlich, bei einem Angriff auf das Informationssystem des Deutschen Bundestages im Jahr 2015. Trotz des dort geltenden hohen Sicherheitsstandards, führte die Cyber-Attacke zu einem Totalausfall des Systems, einschließlich der betroffenen Hardware. Im anschließenden Teil des Vortrages, zeigte Schick auf, welche Lösungsansätze die Bundeswehr verfolgt und wie der Stand der Realisierung ist. Eines wurde dabei immer wieder deutlich: Eine Insellösung für den militärischen Bereich ist nicht zielführend.

Deutschland muss unter einem Dach „cyberverteidigungsfähig“ gemacht werden. Das umfasst das Auswärtige Amt, das Bundesministerium des Inneren, das Bundesministerium der Verteidigung aber ebenso die zivilen Partner in Staat und Wirtschaft. Es wurde auch deutlich, dass die Cyber-Sicherheit ein komplexes Problem ist, bei dem die Bundeswehr noch ziemlich am Anfang steht. Insbesondere die rechtliche Seite (vom Völkerrecht über das Europarecht bis zum nationalen Recht) bedarf noch einer umfassenden juristischen Klärung. Auch zwischen den betroffenen Nationen gibt es keine einheitlichen Auffassungen hinsichtlich möglicher Lösungswege.

Fazit des Abends: Ein sehr interessanter und vor allem hochaktueller Vortrag, der aufgezeigt hat, dass die Bundeswehr an der Lösung der Probleme arbeitet, dass es aber noch ein langer Weg bis zum Ziel ist.

Die anschließende lebhafte Diskussion belegte, dass es dem Referenten gelungen ist, die Zuhörer zum Nachdenken anzuregen, dass aber auch für sie noch viele Fragen offen sind.

 
Grafik: © vege - fotolia.com
Nach oben Zurück