Nachschau - Veranstaltung am 15.05.2017

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Die Türkei nach dem Referendum

Bündnispartner und Frontstaat –
eine geostrategische und gesellschaftspolitische Analyse

 
Referent:

Oberst a.D. Heinrich Quaden

Ehem. Militärattaché in Ankara
Referent für Sicherheitspolitik
 

am Montag, 15. Mai 2017, 19:30 Uhr
im Hotel Krupp
Poststraße 4, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler

 

*****

 
vom 19.05.2017

Ehemaliger Militärattaché in Bad Neuenahr

Gesellschaft: Bad Neuenahrer Sektion für Sicherheitspolitik hatte Türkei-Experten eingeladen

Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach
Türkeikenner Quaden (rechts), Oberst a. D. der Bundeswehr, hat Geschichte und politische Wissenschaften studiert und war lange Jahre als Militärattaché in der Türkei tätig. - Foto: Jochen Tarrach

Bad Neuenahr. Wer die Türkei verstehen will, muss in deren Geschichte zurückblicken und dort nach Gründen für ihre aktuelle Politik suchen. Das war eine der Thesen, die der Referent Heinrich Quaden im Hotel Krupp innerhalb des Vortrags- und Diskussionsabends der Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) aufstellte.

Türkeikenner Quaden, Oberst a. D. der Bundeswehr, hat Geschichte und politische Wissenschaften studiert und war lange Jahre als Militärattaché in der Türkei tätig. Kaum aktueller hätte das von Sektionsleiter Josef Schmidhofer gewählte Thema „Die Türkei nach dem Referendum“ sein können. Denn die diplomatischen Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei als Brücke zwischen Orient und Okzident könnten kaum größer sein.

Die Türkei ist seit mehr als einem halben Jahrhundert mit geringem Erfolg auf dem Weg nach Europa. Nun empfiehlt es sich durch die Politik ihres Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich erfolgreiches Land und als Modell für die islamischen Staaten in der Region. Immerhin 300 Millionen Menschen auf der Erde sprechen Türkisch. Wie konnte es zu diesem Richtungswandel kommen? Heinrich Quaden gab Antworten: Nach dem Ende des Warschauer Paktes hatte das Land plötzlich für den Westen seine geostrategische Bedeutung verloren. Die Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union schleppten sich hin und endeten vorerst in einer nahezu inhaltslosen privilegierten Partnerschaft.

„Nun holt uns die Politik wieder ein“, so Quaden. Erdogan, „ein gefährlicher Politiker, bei dem wir hellwach sein müssen“, habe einen gesellschaftlichen Wandel eingeleitet, sei für sein Land zum Hoffnungsträger geworden. Die türkische Gesellschaft habe sich bisher in die Minderheit der herrschenden „Weißen Türken“, die mehr westlich orientierten Kemalisten sowie die „Schwarzen Türken“, die auf dem Land lebende, eher weniger gebildete große Mehrheit der Menschen, gespaltet.

Aus deren Reihen sei Erdogan aufgestiegen. Er steigere ihre Selbstachtung, ihr Selbstvertrauen und gebe ihnen vermeintlich ihre Ehre zurück. „Er wurde für viele Türken zum Volkshelden. Nur so ist es zu erklären, dass die Mehrheit der in Deutschland zur Wahl gegangenen und die Segnungen unserer Demokratie genießenden Türken beim Referendum am 16. April 2017 für ihre Landsleute die Diktatur eines Erdogan wählten.“ Freiheit und Menschenrechte spielten dabei eine untergeordnete Rolle. „Mit ihm, Erdogan, müssen wir anders reden, als es auf internationalem Parkett sonst üblich ist.“ Das bedeute zum Beispiel, die deutschen Soldaten aus Incirlik sofort abziehen und in ein anderes Land zu verlegen, eventuell nach Jordanien. Trotzdem: „Erdogan ist der türkische Kandidat für die Zukunft. Wir dürfen ihn nicht ganz von der Leine lassen und müssen mit ihm zusammenarbeiten, wo es möglich ist“, so Quaden. Ein mögliches Feld dazu sei die Wirtschaft, die in der Türkei völlig am Boden liege.

Darum sei zum Beispiel auch die Aufkündigung des Flüchtlingsabkommens nicht unbedingt ein Druckmittel gegen Europa, denn die Türkei benötige dringend die damit verbundenen Gelder. Der Referent nannte eine solche Fülle von Fakten und Argumenten, dass es den Zuhörern nach einer Stunde in den Köpfen nur so schwirrte. Er machte aber auch deutlich, dass man angesichts des neuen türkischen Stolzes in den Bemühungen zur Integration der in Deutschland in mehreren Generationen lebenden rund vier Millionen Türken nicht nachlassen dürfe.

Lesen Sie auch den Bericht der Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler ...
 
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